dem goldenen Kalb . Und Manna fällt nicht mehr vom Himmel . Pfingsten 1820 . Heute ist der Einsiedler aus dem Felsentale in unserer Kirche vor dem Altare gestanden , hat die Messe gelesen . Das Kirchengeräte haben wir aus Holdenschlag , wie es dort in der Pfarrkammer gelegen und nicht mehr benützt worden ist . In das Meßkleid haben die Mäuse Löcher gefressen , aber die Spinnen haben diese Löcher wieder zugewoben . Ich habe die Orgel gespielt . Die Kirche ist just so groß , daß man es vom Chor aus noch sehen kann , wenn dem Priester am Altare Tropfen im Auge stehen . Die Leute haben wenig gebetet und viel geflüstert . - Dieser Einspanig , das ist zuletzt ja der zweite heilige Hieronymus . Und der Waldsänger hat mir nach dem Gottesdienst die Worte gesagt : » Habt Ihr den ewigen Juden gesehen ? Er hat in den Leidenstagen für den Heiland das Kreuz getragen heut ' hinauf nach Golgatha . Er ist erlöst , hosianna ! « Ich habe dem Einsiedler diese Worte mitgeteilt und beigesetzt : » Laßt Euch die Rede freuen ; der Mann ist voll des heiligen Geistes ! « Am Feste Allerheiligen 1820 . In Welschland haben sie Händel . Ansonsten ist es blinder Lärm gewesen und unsere Vaterlandsverteidiger sind wieder zurückgekommen . Es geht in das alte Geleise und wir stecken dem Wagen der Zeit das vierte Rad wieder an . Ich habe die Leute veranlaßt , daß sie unter sich ein Oberhaupt wählen , auf daß jemand sei , der Verordnungen erteile , Streitigkeiten schlichte und die Gemeinde zusammenhalte . Sie haben den Martin Grassteiger gewählt und nennen ihn nun den Richter . Und bei derselben Versammlung hat der neue Richter den von dem Waldherrn anerkannten , zukünftigen Schullehrer der Gemeinde Winkelsteg vorgestellt . Dieser Schullehrer bin denn ich . Die Leute sagen , das hätten sie längst schon gewußt , daß ich der Schulmeister sei . Der Grassteiger sagt , es müsse alles auch Form Rechtens geschehen . Wenige Tage nach dem obigen läßt der Richter durch mich die Pfarrerwahl ausschreiben . Darüber lacht alles . - » Sollen wir aus den Pechhackern und Kohlenbrennern einen wählen ? ' s wird aber keiner taugen . Studiert ist für uns Winkler gleich einer genug , aber so närrische Gewohnheiten haben unsere Männer , keine Häuserin mögen sie nit leiden . « So machen sie ihre Späße , wissen aber recht gut , auf wen es abgesehen ist . Und sie haben ihn auch gewählt . Wir sollen uns selber behelfen , hat der Waldherr gesagt ; so haben wir uns selber beholfen . Der Einsiedler aus dem Felsentale ist Pfarrer von Winkelsteg . Martini 1820 . Die Ruß-Kath ist gestorben . Sie ist neunzig Jahre alt geworden . Ihr letzter Wille ist , daß man ihrer Leiche feste , nägelbeschlagene Schuhe anziehe ; sie würde den Weg aus der Ewigkeit oftmals zurückmachen müssen auf die Erde , um zu sehen , wie es ihren Kindern und Kindeskindern fortan gehe . Die Ruß-Kath ist die erste , die sie in die Walderde unseres neuen Friedhofes hinabtun werden . Auf zwei Stangen haben sie zwei Männer herübergetragen aus den Lautergräben . Der weiße , noch harzduftende Tannenbrettersarg ist mit Erlstrauchbändern auf der Bahre befestigt gewesen . Der Ruß-Bartelmei und sein Schwestermann Paul Holzer mit einem Knäblein sind hinter den Trägern dreingegangen . Sie haben laut gebetet und stets auf die Wurzeln der Bäume geblickt , über die sie geschritten . Auch die Träger haben sehr behutsam gehen müssen , denn der Boden mit dem Spätherbstreif ist jetzt gar schlüpfrig . Vor Jahren soll es gewesen sein . Da haben sie von den Almen einen Hirten herabgetragen , um ihn draußen auf dem Holdenschlager Kirchhof zur Ruhe zu bringen . Wie sie sich da oben an den schmalen Steigen der Miesenbachwände herauswinden , strauchelt einer der Träger und und der Sarg rollt über den Hang und stürzt in den Abgrund , so daß nicht ein Splitterchen davon mehr gesehen worden ist . Das soll den Leuten sehr arg gewesen sein , und der Totengräber zu Holdenschlag hat doch bezahlt werden müssen . Wir Winkelsteger haben keinen Totengräber . Wir können ihn nicht ernähren . Wenn doch einmal einer stirbt , so tut er ' s nicht eher , als bis sein letzter Groschen vertan ist . So müssen eben ein paar Holzerburschen her und die Grube ausschaufeln . Sie verlangen nichts dafür , sie sind froh , wenn sie aus der Grube frisch und gesund wieder hervorkriechen mögen . Während der Totenmesse ist der Sarg ganz allein vor der Kirche auf der harten Erde gestanden . Da kommt ein Vöglein geflogen , hüpft auf den Sargdeckel und pickt und pickt , und flattert wieder davon . Der Rüpel hat es gesehen ; und das sei , habe es ihn nicht betrogen , der Vogel gewesen , der alle tausend Jahr ' einmal in den Wald kommt geflogen . Nach der Messe haben wir die Ruß-Kath hinaufgetragen zum bereiteten Grab . Die Angehörigen blicken starr in die Grube . Nach der Einsegnung hat der Pfarrer eine kurze Rede gehalten . Ich habe mir nur davon gemerkt , daß wir durch den Tod der Unsern an Gleichmut gewinnen für die Widerwärtigkeiten dieses Lebens , und einen ruhigen , ja vielleicht freudigen Hinblick auf unser eigenes Sterben . Jede Stunde sei ja ein Schritt dem Wiedersehen zu ; und bis uns jene Pforte der Vereinigung wird aufgetan , leben unsere Heimgegangenen fort im heiligen Frieden unseres Herzens . Er kann ' s auslegen . Wie es unsereins wohl auch empfindet , aber man weiß die Worte nicht dazu . Er hat die Sach ' nicht verlernt , und ist er gleich jahrelang oben im Felsental gewesen . Jetzt ist noch ein anderer gekommen . Der Rüpel schiebt sich sachte vor , da machen ihm die Leute Platz : » Schauen , was der Rüpel