. » Du bist mir ganz fremd worden « , sagte sie traurig . » Nie könnte mich freuen , was anderen nur den Beruf schwer macht . « » Der Beruf « , antwortete Hansjörg mit einem mitleidigen Lächeln , » der Beruf , du gutes Ding , ist nichts anderes als das Leitseil , an dem sie unsereinen nach Wunsch und Willen in der Welt herumführen . Als Soldat muß ich im Frieden berufsmäßig der Ankläger meiner Freunde , im Krieg der Mörder der sogenannten Feinde werden . Mach ' ich da nicht auch anderen den Beruf schwer ? Aber sogar wenn ich daheimsitze , still und unbemerkt zwischen den vier Pfählen , wenn ich die Nadel walten lasse in schönem , stillem Tuch und statt meiner nur einen Rock nach dem anderen ins Feld schicke , mach ' ich anderen den Beruf schwer , und je fleißiger wir schneidernde Soldaten sind , desto hitziger ist der Krieg ums Leben , um die Kundschaft nämlich und ums tägliche Brot . Das sind so Gedanken eines Verkauften , wenn er von da droben herabschaut auf die wunderbar närrische Welt und seinen Ärger vergißt im Lachen darüber , daß sich sonst kein Mensch weit herum darüber ärgert und das alles ganz in Ordnung gefunden wird . Machen die Grünröcke mir ' s nicht auch schwer ? Und werde ich hier Knecht , so hab ' ich einen anderen , heiß ' er Peter oder Paul , von Kost und Most verdrängt . Krieg ist überall , und ich will , am liebsten da mittun , wo doch auch noch ein Spaß zu erleben ist . « Dorothee stand vor ihrem Bruder , wie ein Mensch vor einem Ungeheuern Ereignisse steht , welches ihn um so mehr erschüttert , weil plötzlich dessen Ursachen und Wirkungen in ihrer Nacktheit so hart vor ihn hintreten , daß er nicht einmal mehr das Walten einer höheren Macht , sondern nur noch den furchtbar regelmäßigen Lauf der Dinge darin zu erkennen vermag . So hatte der Bruder werden müssen , und doch sollte , durfte er nicht so bleiben . Sie würde - das fühlte sie , wenn sie ihn entschuldigen wollte , viel stärker , als ihr augenblicklich lieb war - an seinem Platze nicht so geworden sein ; aber vergebens suchte sie , was in ihr sich dagegen aufgelehnt hätte , in ein Wort zu fassen , um dem Bruder es wie ein schöpferisches » Werde « zuzurufen . Es klang recht traurig , als sie mit abgewandtem Gesichte fragte : » Möchtest du nicht am liebsten ruhig leben und brav werden ? « » Das wird nicht allen so leicht und so gut belohnt , als man sagt . Nur dir lächelt Stighans dafür so freundlich zu , daß der Kaplan keine Ruhe mehr bekam , bis er darüber eine Predigt hielt . « Dorothee verstand diese Rede nicht , obwohl sie vormittags , wie gewöhnlich , dem ganzen Gottesdienste beigewohnt hatte . » Mit mir ist ' s anders « , plauderte Hansjörg weiter . » Mir stünde das Dulden nicht an , und meine größte Kraft gibt mir der Trotz . Sie haben mir es aber auch danach gemacht mein Lebtag . Der Vater - « » Laß ihn « , fiel das gute Kind ein , » auch er hat es hart gehabt , und die Mutter ist viel zu früh gestorben . « » Mutter ! « rief der Bursche traurig . » Ja , sie konnte recht gut sein , sie war es , aber auch wieder furchtbar hart . Da hab ' ich gesehen , was die Not aus den besten Menschen macht . Dich hat ihr Unfriede mit dem Vater aus dem Hause getrieben und unter ein besseres Dach gebracht , ich aber mußte bleiben , und alle Hiebe , die Vater und Mutter in groben Reden sich austeilten , fielen vor allem auf mich , bis ich hart und unempfindlich war , so daß mir bald ein Sonnenblick der Mutterliebe fast weher machte als das Ärgste , was ihre üble Laune mir antat . So ein Blick begann das Eis zu schmelzen , welches sonst den furchtbaren Riß in unserem Hause bedeckte . Gott tröste sie im ewigen Leben ! Sie hat es doch nicht mehr erleben müssen , mich zu einem Handwerk zwingen zu sehen , für das ich am allerwenigsten Neigung hatte . Der kräftigste , trotzigste Bursche im Dorf , mußte ich ein Schneider werden , weil ich das beim Vater umsonst ein wenig lernen und dann gleich beim Krämer Arbeit nehmen konnte . Man hatte schon Jahre daraufhin gesündigt , und zwar so , daß ich mich nicht mehr freimachen konnte . Die Schuld wurde größer von Jahr zu Jahr , so daß man mich endlich an Hansen verhandelte . Diese Schule hab ' ich durchmachen müssen , drum ist mir denn auch ein schönes Vermögen das Höchste auf der Welt geworden . Wie ist der Krämer ein Mann und lebt trotz Neid und übeln Nachreden in aller Herrlichkeit ! Und warum ? Zuerst weil er ein unerfahrenes Mädchen verführte . Das machte ihn zum Herrn ihres Vermögens , und nun hat er sich natürlich gar alles erlauben dürfen . Und nun war eine Tochter da neben mir im Haus , ein übermütiges , keckes Ding , und die sah mich gern . Ja , ja , der Krämer tat sich recht , daß er mich aus dem Haus und aus dem Dorfe schaffte , denn die reiche Zusel hätte mein werden müssen um jeden Preis . Wohl hat mir das Mädchen nachgeweint und nachgeschrieben von ewiger Liebe . Aber daran hab ' ich nicht geglaubt . Wär ' doch auch ich gleich wieder einer anderen nachgegangen , wenn mich das Glück wieder auf den Weg einer so Reichen geführt hätte . Drum - ja , ich will nur beichten , daß doch auch hier etwas Gutes geschieht unter dem