, könnte ich seiner Eva doch sagen , wie ganz anders alles geworden ist ; ich möchte ihnen schreiben ; aber sie sind wie verschollen - « » Und meine Marie mit ihnen ! « seufzte der junge Tischler . » O Ludwig , du hast recht « , fuhr Robert mit erhöhter Stimme fort , » du hast recht ; in der Ferne schreitet Eva Dornbluth wie auf Wolken . Sie streckt ihre Hand lächelnd und grüßend über das weite Meer ; ich möchte diese Hand fassen , drücken und küssen ; und doch ist alles , alles ganz anders geworden . Ich liebe die Braut , die Verlobte , die Frau meines Bruders nicht mehr ; ich sehe klar , daß ich ein Wahnsinniger war . Die Waldgeister im Winzelwalde hatten mich verzaubert , aber der Zauber ist gebrochen . Ich habe eine heiße schwüle Nacht , eine Gewitternacht voll Donner und Blitz durchlebt ; nun dämmert der neue Tag wieder , die Sonne geht auf ; ein frisches kräftiges Wehen fährt durch die Welt , vor welcher ich mich nicht mehr fürchte , haucht durch meine Seele , die wieder gesund geworden ist . Ich fühle mich wieder so stark ; ich möchte mich in das Leben stürzen und die ganze Erde durchstreifen , ich möchte stillsitzen , alle Weisheit der Welt zu erlernen - was möchte ich nicht alles ? Ich fühle , fühle , daß ich noch lebe , daß die Jugend noch nicht vorüber ist . « Trotz des schweren Gewichtes , welches die Brust Ludwigs belastete , mußte dieser doch lächeln . Er warf einen Blick nach der Seite hin , wo die Kammer des Vaters lag . Dann sagte er : » Ja , sie ist leisen Schrittes gekommen , wie meine Marie einzutreten pflegte . Ich habe ihr den Stuhl gebracht , auf welchem meine Marie am liebsten saß . Sie hat sich darauf niedergelassen und hat neben dem Bette des alten Mannes gesessen , wie ein kleiner süßer , trauernder und doch tröstender Engel . Sie ist sehr schön und sehr gut ; es ist wahr , der Gedanke an sie mag einem wohl die Jugend und den Mut zu allem Guten und Tüchtigen zurückgeben . « Robert hatte die Hand des Handwerkers mit eisernem Griff gepackt ; seine Augen leuchteten , er atmete tief und schnell . » Was sprichst du da ? Von wem redest du ? Wer hat dir das gesagt ? « » Was ? Was ? « fragte Ludwig lächelnd und seufzend zugleich . » Leute , welche mit gleicher Ware handeln und mit gleichen Bündeln auf der Schulter umherziehen , wissen schon umeinander Bescheid . « » Was kannst du wissen ; ich habe ja kaum acht Worte zu ihr gesprochen ; wenn Eva früher in Poppenhagen an die Gartenhecke kam , wußte ich doch zu sprechen und von allem zu reden ; ich bin niemals verlegen gewesen , und von allem , was ich in der Studierstube des Pastor Tanne gelesen und gelernt hatte , konnte ich ihr erzählen . Jetzt , wo ich doch von manchem viel besser Bescheid weiß , ist mir der Mund verschlossen ; ich wage kaum das Auge zu erheben - « » Grad wie ich , wenn Mariechen kam und meine Schwester besuchte ! « flüsterte Ludwig . » Man hat das Seinige erfahren und weiß andere zu taxieren ; ich habe dich bald herausgefunden , mein Junge . « Die beiden Jünglinge beredeten das uralte unerschöpfte Thema noch manche Nacht ; es war sehr unrecht von ihnen , daß sie das , was sie besprachen , so ganz unter sich abmachten und die Alten fort und fort im dunkeln tappen ließen . Das Beispiel Ludwig Tellerings hatte aber auf Robert auch den guten Einfluß , daß letzterer sich ebenfalls gleichmäßiger und angestrengter seiner Arbeit widmete . Er fing an , sich seiner Laschheit zu schämen , wenn er den ungelehrten , einfachen Freund , welchen das Leben , wie er wohl fühlte , doch noch viel schwerer als ihn selber bedrängte , so tapfer , ungebrochen ringen sah mit den übergewaltigen Mächten . Der arme Ludwig liebte auch , und das Liebchen war ihm in scheinbar unerreichbare Ferne gerückt ; aber sein Arm erlahmte deshalb nicht . Er wußte , daß der Vater sich nie wieder von seinem schmerzensvollen Lager erheben werde ; aber der Hobel entfiel nicht deshalb der Hand . » Non est ad astra mollis e terris via ! « zitierte Robert Wolf wie der Sternseher Heinrich Ulex . » Ich will arbeiten gleich dem armen Ludwig ! « rief er . » Habe ich es nicht schon empfunden , welch eine beruhigende Kraft in der Arbeit liegt ? « Und der Sternseher bemerkte mit großer Genugtuung , wie sein Schüler sich ganz plötzlich und wirklich unerwartet mit neuer Energie in die Bücher vertiefte . Als vorsichtiger Mann wartete er erst einige Tage ab , ob dieser neue Fleiß auch von Dauer war . Dann erst teilte er dem Polizeischreiber und dem Freifräulein das erfreuliche Faktum mit . Das Freifräulein sprach bei erster Gelegenheit am Bette des Meisters Johannes , in Gegenwart Helenes , dem eifrigen Studenten ihre Befriedigung aus , und der Student faßte diesmal Mut und blickte mit ein klein wenig geringerer Scheu nach dem jungen Mädchen . Dieses aber wurde ungemein rot , und als es gleich darauf eine Frage beantworten sollte , gab es eine ziemlich verworrene Auskunft , und seine Stimme zitterte nicht wenig . Viele glänzende Fäden umspannen das Sterbelager des alten Johannes Tellering und verloren sich aus der dunkeln Kammer in die ebenso dunkle , geheimnisvolle Zukunft . Zwanzigstes Kapitel Zeigt an dem Beispiel des Barons Leon von Poppen , wie leicht es ist , ein anderer , ein besserer Mensch zu werden Gerührt lächelnd blickt der Erzähler auf die eine Seite seiner Geschichte ; lächelnd sieht er auch auf die andere . Süßes Dämmerlicht voll