von Oldenburg . Man kann sich denken , daß , so weit als des Barons mäßig erhobene Stimme schallte , Wenige Lust hatten und Niemand es wagte , sich von diesem ironischen Toast auszuschließen . Die krystallenen Gläser klangen aneinander , und bald flackerte eine lebhafte Unterhaltung um den ganzen Tisch herum auf , wie das Feuer in einem Haufen Stroh , der an allen Ecken und Enden zugleich angezündet ist ; jene schwirrende , summende , kichernde , lachende , lärmende , flüsternde Unterhaltung , wo der geistreichste Einfall und die albernste Bemerkung zuletzt als gleich werthvolle oder werthlose Münze coursiren . Achte auf Deine Augen , Oswald , sagte Melitta , in jener rapiden Weise , wo die Rede sich kaum vom Hauch unterscheidet und doch jede Sylbe deutlich gehört wird . - Deine holden Liebesbriefe werden von profanen Augen unterwegs aufgefangen , erbrochen und gelesen . Von Cloten hatte Hortense vergeblich zu überreden gesucht , es sei ihres Gemahls eigener Wunsch gewesen , daß er sie zu Tische führe . Sei doch nicht so einfältig , Arthur , sagte die junge Frau . Es ist eine Intrigue von Oldenburg , verlaß Dich darauf . Hast Du je mit Oldenburg über mich gesprochen ? Nein , Hortense - parole d ' honneur . Ich bin überzeugt , Du hast es gethan ; Du wirst mich noch unglücklich machen mit Deiner albernen Schwatzhaftigkeit . Aber , Hortense - Still , Oldenburg beobachtet uns fortwährend . Cloten ! rief der Baron . Was ? Baron ! Wollen Sie in diesem Herbst mit mir nach Italien reisen ? Sie wissen , in der bewußten Angelegenheit . Ginge rasend gerne mit , Baron ; aber Sie wissen , tausend Gründe dagegen ; erstens Jagd , zweitens Pferderennen , drittens hasse Reise , viertens verstehe kein Wort italienisch . Nun , das ist das Wenigste . Was man nothwendig wissen muß , beschränkt sich auf Si Signora , Anima mia dolce , das Andere läßt man sich von den Fischern sagen . Von Cloten erröthete bis in die Stirn hinauf , denn , wie Oldenburg diese Worte lachend sprach , fühlte er Hortensens Fuß auf dem seinen und hörte ihre von inneren Thränen fast erstickte Stimme : Siehst Du , Arthur ; habe ich es nicht gesagt ? Auch Melitta , die , seitdem sie den Baron sich gerade gegenüber sah , sehr still geworden war , schien über diese Bemerkung sichtlich betroffen . Sie senkte plötzlich die langen Wimpern , wie wenn sie verbergen wollte , was jetzt in ihrer Seele vorging . Ich rufe Sie zum Zeugen auf , gnädige Frau , rief Oldenburg . Hat Ihnen Ihr Italienisch viel genützt ? Im Gegentheil , sagte Melitta und ihre dunklen Augen flammten auf ; ich habe so nur manches falsche , lügnerische Wort mit anhören müssen , das mir sonst unverständlich geblieben wäre . Ja , ja , die Italiener lügen viel , lachte der Baron . Sagen wir lieber , es wird in Italien viel gelogen , replicirte Melitta . Zum zweiten Male abgefallen , murmelte der Baron . Das Weib ist noch immer schön , wie ein Engel und klug , wie die Schlange . Ja , sie ist schöner , als früher . Ihre Augen sind noch größer und leuchtender , ihre Schultern noch runder ; ihre Stimme ist noch weicher und wohllautender - und das Alles in majorem Dei Gloriam , das heißt , dem hübschen Fant an ihrer Seite zu Liebe ! Hm ! - Herr Doctor , wollen Sie mir die Ehre erweisen , ein Glas Champagner mit mir zu trinken ? Ich dächte , es läge eine Wolke auf Ihrer Stirn . Verscheuchen Sie dieselbe . Sie wissen : dulce est decipere in loco . Was für eine verzweifelte Sprache ist denn das nun wieder . Baron ? rief von Cloten . Platt-bramaputraisch , mon cher . Auf Ihr Wohl , Cloten . Je mehr sich die Mahlzeit ihrem Ende nahte , und je schneller sich die von den Bedienten stets wieder gefüllten Champagnergläser leerten , desto lärmender und wüster wurde die Unterhaltung , so daß selbst die Stimme des Grafen Grieben , die man bisher wie das Kreischen eines großen Papagei ' s in einer Menagerie immer durchgehört hatte , übertönt wurde . Der dünne Firniß äußerlicher Cultur , aus welchem die ganze sogenannte Bildung dieser bevorrechtigten Klasse bestand , begann von den Strömen Weines , die unaufhörlich flossen , in einer erschreckenden Weise heruntergespült zu werden , und die nackte , trostlos dürftige Natur kam überall zum Vorschein . Die jungen Herren erzählten den jungen Damen ihre Abenteuer auf der Jagd , bei den Pferderennen , ihre Heldenthaten während ihrer militairischen Dienstzeit , oder gefielen sich in Unterhaltungen , die scherzhaft und galant sein sollten , und die für jedes feinere weibliche Gefühl einfach plump und zweideutig waren . Indessen schienen die jungen Damen leider an diese Sorte Unterhaltung viel zu sehr gewöhnt zu sein , als daß dieselbe irgend einen unangenehmen Eindruck auf sie hätte hervorbringen können . Im Gegentheil , sie ließen sich ein Glas Champagner nach dem andern aufnöthigen , sie wollten sich todtlachen über die reizenden Einfälle der jungen Herren , besonders des jungen Grafen Grieben , eines sehr langen , sehr dünnen und sehr blonden Jünglings , dessen Erscheinung flüchtig an eine Giraffe erinnerte , und der , wenn er , wie diesmal , nicht in unmittelbarer Nähe Oldenburg ' s sich befand , gern den starken Geist spielte und eine gewisse Autorität über seine Kameraden ausübte . Oldenburg selbst schien entweder ein feuriger Verehrer des Gottes Bacchus zu sein , oder ein ganz besonderes Vergnügen darin zu finden , den bacchantischen Taumel um sich her geflissentlich zu vermehren ; denn er trank und sprach unaufhörlich und forderte die Andern unausgesetzt zum Trinken auf . Besonders hatte er dabei von Cloten im Auge , der im Anfang der Mahlzeit durch Hortense ' s Vorwürfe aufgeschreckt , sehr