dar , dessen Hand unsichtbarer Weise in dieser Revolution die Menschen prüft und wägt , und denjenigen fallen läßt , den er zu leicht befindet . « - Der Graf hatte Frankfurt viel früher verlassen , als er es ursprünglich beabsichtigte . Daher war das Gemälde , welches Ernest von seinen Töchtern malte , noch lange nicht vollendet . Der Graf lud Ernest ein , es auf Windeck fertig zu machen , da auch ihm der Aufenthalt in Frankfurt und überhaupt in jeder Stadt gegenwärtig nicht angenehm sein könne . Freudig nahm Ernest die Einladung an . Ihm gefielen die Windecker sehr gut , für Regina hatte er eine andächtige Zärtlichkeit , und da sein Aufbruch von einem Ort keine große Anstalten erheischte , so vollendete er noch einige Porträts und begab sich dann nach Windeck , wo ihm die Baronin ein kleines passendes Atelier eingerichtet hatte . Er war allen willkommen . Der Graf , gastfrei wie ein ächter grand seigneur , hatte gern viele Menschen unter seinem Dach , und freute sich , wenn sie sich behaglich fühlten und ungeniert bewegten . Belästigen und stören durfte man ihn nicht ; dafür ließ er aber auch jeden gewähren . An Ernests heiterem Sinn fand er großes Gefallen in der trüben Zeit . Die Baronin sah in jedem männlichen Wesen einen Beschützer gegen etwaige Attentate . Sie hätte das große Schloß voll Gäste haben mögen , um aus ihnen gleichsam eine Leibwache sich zu bilden . Regina und Corona fühlten sich mit der Sorglosigkeit der Jugend und dem kindlichen Gottvertrauen der frommen Seelen persönlich nicht beängstigt durch die Zeitverhältnisse . Ja , Regina hätte sich freuen mögen , weil sie Uriels Entfernung veranlaßten . Aber was in den öffentlichen Ereignissen sie betrübte , das waren die vielfachen Gottesbeleidigungen , die sich bei dieser Auflösung von Zucht und Ordnung kund gaben , und der bittere Haß gegen die Kirche , welcher der Revolution gleichsam aus allen Poren drang . Das sah sie ein : eine so furchtbare Mißstimmung unter den Menschen , eine so klägliche Verwirrung aller Begriffe über Recht und Pflicht mußte ihren eigentlichen Grund und Ursprung in der Zerfallenheit der Menschen mit Gott haben , woraus denn die Zerfallenheit des Menschen mit sich selbst und mit dem Nächsten hervorgeht , und verwirrend und verfinsternd auf alle Verhältnisse wirkt . » Lieber Onkel , « sagte sie einmal traurig und beklommen zu Levin , » sieh ' , wie die einen so wild fordern und so blind niederreißen und mit Gewalt ihr Ziel zu erreichen suchen - und wie die andern so ungern geben und nachgeben , und dennoch so schwach sich verteidigen , als zweifelten sie an ihrem Recht , der Willkür entgegentreten zu dürfen ! Ach , wo ist da der heilige Geist geblieben , der jener Erstlingsgemeinde der Christen zu Jerusalem ein Herz und eine Seele gab und einen himmlischen Kommunismus hervorrief ! « » Der heilige Geist ist da , wo er immer ist , « sagte Levin , » im Herzen derer , die ihn auf sich wirken lassen , und die man nicht im Tumult der Faktionen und im Zank und Streit der Parteisucht suchen darf . Er wirkt in der Stille und bereitet sich in der Verborgenheit seine Werkzeuge und scheidet die guten Elemente in dem großen Schmelztiegel der Gegenwart von den bösen ab , und wie die Saaten gut gedeihen bei Ungewittern , so werden auch die Blitze und Donnerwolken der Zeit den Keimen und Pflanzungen nicht schaden , die der heilige Geist gerade jetzt und ohne daß wir wahrnehmen können , wie - ausstreut und pflegt . Du aber , Kind , fürchte nicht , daß er , wie ein entthronter König , vor Barrikaden und Freischaren aus seinem Reich fliehe , und nimmst Du wahr , daß die Weltkinder ihm ihre Herzen verschließen , so lichte und reinige Du mehr und mehr das Deine , damit er gern bei Dir seine Einkehr nehme . Dann lebst Du ja in dem himmlischen Kommunismus des mystischen Leibes Christi , den die heilige Kirche darstellt , und hast mit allen ihren lebendigen Gliedern , ihren gläubigen Kindern , die seelenernährende Gemeinschaft der heiligen Sakramente und die herzstärkende Gemeinschaft des Gebetes . « » Und dennoch , lieber Onkel , « sagte Regina lächelnd , » hab ' ich eine große Neigung für den äußeren Kommunismus der ersten Christen , der gewissermaßen ein natürlicher Ausdruck für ihre übernatürliche Gemeinschaft war und ein warmes Zeugnis von ihrer Christusliebe ablegte . Die Arme und Geringen , die Verlassenen und Elenden nahmen um Christi willen teil an Hab und Gut der Reichen und Großen , und die schreckliche Kluft wurde ausgefüllt , welche zwischen Not und Wohlbehagen besteht und welche mir wie eine tiefe blutige Wunde am Leibe der Menschheit vorkommt . Ach , war das nicht schön ? « » Wohl war es schön ! « entgegnete Levin , » wohl war es ein glänzendes Zeugnis für die Christusliebe , die in den Bekehrten der ersten Jahrhunderte flammte , wenn sie den Sieg , den das Christentum in ihren Herzen über heidnische Wertschätzung des Irdischen und über heidnische Genußsucht davongetragen hatte , dadurch feierten , daß sie freiwillig den Mitteln entsagten , durch die das irdische Dasein behaglich gepflegt wird und zu einer verkehrten Geltung kommt - und in die freiwillige Armut eingingen , die um Christi willen die Genüsse der Sinnlichkeit , die Triumphe des Hochmutes verschmäht . Wunderschön war es , wenn diese stolzen Patrizier , diese königlich reichen Senatoren , diese mächtigen Statthalter , die über weite Provinzen geboten , plötzlich ergriffen von dem wunderbaren Glauben an einen freiwillig leidenden Gott , sich ihrer Glücksgüter , ihrer Weltherrlichkeit schämten , weil dieselben einen schneidenden Gegensatz zu Golgatha bildeten , und ihre Schätze mit ihren armen und bis dahin verachteten Brüdern teilten . Aber das Schöne in diesem Opfer ist eben dessen Freiwilligkeit . Niemand wurde bei den ersten Christen gezwungen , es zu