den Gesellen im Schnee verstreut war . Da die herzugekommene Stadtwache nur aus fünf Mann bestand , wußte ihr Führer nicht recht , wie er hier von seiner gesetzlichen Autorität Gebrauch machen sollte . Die Baubrüder stellten sich selbst auf seine Seite , erklärten sich ihm in allen Stücken gehorsam zu zeigen und betheuerten friedlich , daß sie nur bis zu ihrem Kommen einen mit seiner Tochter mißhandelten Mann vor einem Trupp betrunkener Gesellen beschützt hätten , was die Zuschauer bezeugten , indeß die Gesellen riefen : es war Judenpack ! und dem stimmten auch die Anwesenden bei . Das änderte die Sache sehr . Die Juden durften nur bis zur Dämmerung durch die Stadt gehen . Wurden sie im Dunkeln dabei betroffen , so waren sie strafbar und mußten dafür entweder sitzen oder Geldbuße zahlen . So waren auch diese hier auf unrechten Wegen gegangen , und überhaupt war es eine sehr herkömmliche Sache , wenn Juden verspottet und gemißhandelt wurden - freilich sie zu berauben und todtzuschlagen , in welcher Gefahr diese beiden gewesen , das gehörte sich nicht . Die Stadtwache ergriff den alten Juden , der noch nach seinen Sachen suchte , und nahm ihn mit , damit er diese Nacht in Haft und morgen zur Bestrafung für die Uebertretung des gesetzlichen Verbotes , im Dunkeln die Stadt nicht zu betreten , an die Schöppen abgeliefert werden könne . Vergeblich jammerte er um seine Tochter , vergeblich suchte man nach ihr : sie war verschwunden . Den Andern ward nur gesagt ruhig nach Hause zu gehen , um nicht auch als Ruhestörer verhaftet zu werden . Alles verlief so zuletzt ziemlich ruhig ; denn solche Vorfälle gehörten eben nicht zu den Seltenheiten , und ein Tumult endete oft so schnell , wie er begonnen . Ulrich und Hieronymus waren die ersten , die wieder in ihr Haus zurückgingen . Von oben kam ihnen Mutter Martha bis an die Treppe mit einem brennenden Kienspan entgegen . In schrecklicher Angst hatte sie oben vom Fenster herab zugesehen , und jetzt konnte sie den Augenblick nicht erwarten , zu sehen , ob nicht wieder einer ihrer Lieblinge eine Wunde davon getragen . Wie das plötzliche Licht kam , fuhr von der untersten Stufe der kleinen Windeltreppe eine Gestalt erschrocken empor und sagte : » Verzeiht ! - Ihr hießet mich fliehen , und ich konnte mich nicht anders sichern . O , Ihr waret mein Beschützer und werdet mich auch jetzt nicht verrathen . Ach , wenn ich Euch danken könnte ! « Ulrich stand etwas bestürzt vor Rachel , denn er war allerdings nicht darauf vorbereitet sie hier zu finden ; Hieronymus aber herrschte ihr zu : » Hier kannst Du nicht bleiben ; wir haben Dich vor Mißhandlung geschützt , aber wir mögen keine Gemeinschaft mit Dir ! « Von oben rief Martha , die nur Rachel ' s Stimme hörte und ihr Gesicht sah , auf das gerade der Schein ihrer Holzflamme fiel : » Ach , da ist ja der Knabe , der immer kam , wie Ihr krank waret , und die geheimnißvollen Gaben brachte . « Rachel wandte ihr Gesicht der Dunkelheit zu , um seine glühende Röthe zu verbergen , und schlich nach der Hausthür ; aber da sie dieselbe öffnen wollte , sprang Ulrich ihr nach , hielt sie zurück und sagte ! » Jetzt darfst Du nicht hinaus - es sind noch zu viel Leute draußen . « Sie sah mit seligem Dankesblick zu ihm auf . Hieronymus zog die Stirn in Falten und sagte rauh : » Ja , das fehlte noch , daß sie Jemand aus dem Hause kommen sähe , das wir bewohnen - es wäre denn , wir würfen sie hinaus , um uns selbst vor Schande und übler Nachrede zu sichern ! « » Um Jesus Christus Willen ! « rief Mutter Martha , » es ist ein Mädchen und wohl ein verrufenes Frauenzimmer - oder gar eine Jüdin ? « denn vom Fenster aus hatte die Spähende natürlich gehört , daß es sich unten mit um eine solche gehandelt . Ulrich aber sagte : » Komm ' mit hinauf , hier unten möchte Dich Meister Sebald finden , oder noch andere Leute . « Sie folgte ihm ohne ein Wort zu erwiedern , oben öffnete er die Kammer der Mutter Martha , schob Rachel dahinein und sagte : » Hier warte und ruhe aus - wenn es draußen still geworden und Niemand mehr in den Nebenhäusern wacht oder auf der Straße geht , werde ich Dich hinauslassen . « Er wollte schnell durch die Thür zurück und sie allein lassen . - » Sagt mir nur noch , « rief sie angstvoll , » nach welcher Seite mein Vater entkam , oder was aus ihm geworden ? « Ulrich zögerte mit der Antwort , endlich sagte er doch : » Die Stadtwache hat ihn mitgenommen , aber es wird ihm nichts geschehen , als daß er Strafe zahlt für sein nächtliches Umherschweifen . « Rachel brach in Thränen aus - Ulrich ging und verschloß die Thür hinter sich . Als er zu Martha und Hieronymus zurückkehrte , rief Jene : » In meine Kammer sperrt Ihr die Jüdin ? « » Das hättest Du der Mutter ersparen können ! « sagte Hieronymus vorwurfsvoll , » sie hat es nicht um Dich verdient . « Ulrich sah betrübt auf die Beiden . » Ich konnte sie doch nicht zu uns nehmen , « sagte er , » und mögen wir auch sonst keine Gemeinschaft mit den Juden - wer des Schutzes bedarf , den schütze ich - er mag gehören , zu wem er will , und sein , wer er will - ja ich schütze ihn , es sei auch gegen wen es wolle ! « Seine Augen flammten dabei bedeutsam , fast drohend . Er ging an ' s Fenster und schaute auf die Straße . Die alte Frau saß händeringend in einer