glauben Sie mir : es ist Ihre Pflicht ! wo der Mensch die heilsamste Wirsamkeit übt - ist sein Platz . Es ist nicht Jedem gegeben wolthätige Lebensluft um sich zu verbreiten . Trockne , dürre , harte Seelen hauchen Stickstoff aus , worin das Leben erlischt , das in ihre Atmosphäre geräth . Aber Sie entzünden das bereits halb erstorbene « .... - » Wozu dies Alles ! unterbrach er mich unruhig . Ich kenne ja Ihre Art : heute fanatisiren Sie sich für einen Menschen der Ihnen ein Prophet zu sein scheint , und binnen drei Wochen sind Sie seines falschen Prophetenthums überdrüssig , klagen ihn der Täuschung , sich selbst des Irrthums an , und geben sich einer ebenso übertriebenen Schwermuth hin als Ihre Freude übertrieben war . « » Mit Otbert war es allerdings so , « antwortete ich beschämt . » Und nicht mit ihm allein , sondern mit Allen und Allem was Sie je ergriffen haben . « » Wolan es ist so ! rief ich entschlossen , denn meine Seele will Ruhe finden in dem was sie liebt , und findet statt dessen Unruh , Angst , Verzweiflung - weil die Gegenstände ihrer Liebe wesenlos an ihr vorüber und in das Nichts hinein schweben dem sie angehören . Ich kann das nicht ändern , weder meine Sehnsucht noch meinen Schmerz kämpfen . Beide sind gleich groß , gleich gewaltig . Wie jene Halb-Verdammten des Dante befinde ich mich in einem beständigen Wirbelwind . Das Unbekannte lockt mich mit den süßesten Verheißungen , die in dem Bekannten ebenso sicher untergehen , wie eine gewisse flammende Morgenröthe einen Tag voll Regen bringt . Zwischen jenen Chimären und dieser Nichtigkeit stehe ich auf einem so ungewissen Punkt wie der Krater eines Vulkanes ist ! ich habe ihn nicht gewählt , nicht gesucht ! ich bin durch meine angeborne Richtung zu ihm hingeführt worden .... und Sie machen mir Vorwürfe ! ist das gerecht ? « » Ja , ich mache Ihnen Vorwürfe , Sibylle ! Wer klar genug über sich selbst ist um die Richtung zu erkennen in welche seine Natur ihn drängt - wer dieselbe unablässig verfolgt : dem ziemt keine Klage wenn deren letzte Consequenzen ihm begegnen - denn er sollte auch über sie allmälig klar werden und sie als Bedingungen der Existenz annehmen . Ein Ringen aus der Unvollkommenheit zur Vollkommenheit - das ist das Leben ; das ist das Ziel des Menschen ; dahin muß er streben durch Licht und Schatten , in Sieg und Niederlage , durch handeln und denken , mit Kreuz und Schwert ; darin muß er seine Seligkeit suchen - denn seine Bestimmung ist Seligkeit . Nur muß zuvor mancher herbe Kelch geleert werden , der auf ewig geheiligt ist weil ihn der Allerheiligste nicht verschmäht hat . Aber Sie .... lassen ihn fallen ! Aber Sie .... mögten in der Vollkommenheit geboren sein und bequem die Seligkeit als Hausmannskost genießen in Ihrer olympischen Trägheit ! « » Ja ! denn ich bin mir bewußt sie nimmermehr verdienen zu können ! « » Verdienen ? Wer spricht von verdienen .... ich gewiß nicht , Sibylle ! die Seligkeit kann nicht verdient - sie muß errungen werden . Sie verdienen wollen wäre Knechtes- und Miethlingswerk , von denen geschrieben steht : » sie haben ihren Lohn dahin . « Der Freie ringt . Das braucht kein sichtbarer Kampf zu sein voll Getümmel und Geschrei ; - er kann ebensowol in tiefer Stille entschieden werden und der erbleichenden Lippe nicht eine Klage entlocken . Der Eine ringt .... und die Erde bebt , die Völker zittern , die Welt droht aus ihren Angeln zu gehen ; - der Andre ringt .... und die Thräne eines Dankbaren fällt auf seine Pfade , und der Segen eines Geretteten folget ihm nach . Dieser ringt um sich zu verstehen - Jener um sich zu beherrschen - Der , um sich zu entwickeln - und Der nach Weisheit ! und Der nach Brot ! und Der nach Ruhm ! Alle .... auf ihre Weise , nach ihren Einsichten , mit ihren Kräften , welche so verschieden sind wie die Individuen selbst . Aber sie ringen , das heißt sie sammeln ihr ganzes Wesen auf einen Punkt , von wo sie den Zug ins gelobte Land beginnen - vielleicht , wie Moses , es nie erreichend ! - Und auch Sie müssen ringen , Sibylle , sonst werden Sie untergehen . « » Und wohin - wohin soll ich ringen ? « rief ich . » Zu Gott ! « sagte er sanft . Himmlisch mild wie der Schlußaccord einer Hymne fiel dies Wort und diese Stimme in mein Ohr . » Zu Gott ! « wiederholte ich leise , und mein Gesicht sank in meine Hände , und mit tausend Thränen brach ich in mir selbst zusammen und ihre heiße Flut hob den starren Frost unter dem mein Herz seit Jahren eingeschrumpft war . Als ich aus diesem Paroxismus wieder zu mir selbst kam und mich ganz bewildert umsah - war Sedlaczech fort ! - - Hatte ich eine Vision gehabt ? - hatte unter Orgelton und Glockenklang eine Stimme zu mir geredet ? - Ich war doch jeden Sonntag in der Kirche gewesen und hatte ein Paar hundert Predigten gehört und hatte außerdem manches ernste gute Wort über religiöse Dinge mit meinen Pfarrern - und nicht blos mit ihnen ! - geredet , und nie war mir so zu Muth gewesen . Nie bebte meine Seele vor ihrem Wort und dennoch ihrem Wort entgegen ! Nie stand ihnen der Mosisstab zu Gebot , der aus dem Felsen Wasser schlug ! - Und jezt kommt ein Mensch , sagt das Allereinfachste , das Allernatürlichste , was ich , was Jeder ebensogut oder besser hätte sagen können - schöpft es aus dem warmen tiefen Quell seines Herzens - und bewegt mich so .... aber so , daß ich zu mir selbst sprach : Vielleicht ist