betreffend , waren bald beantwortet und Alfred griff mechanisch nach einem Buche , das vor ihnen lag . Er schlug es auf , durchblätterte es , der Gegenstand fesselte ihn und er wollte lesen ; aber Carolinen ' s Stricknadeln hinderten ihn daran . Der kleine , immer sich wiederholende Ton der gegeneinander schlagenden Nadeln war ihm lästig . Tausendmal hatte er das seiner Frau gesagt und sie gebeten , die ganz unnöthige Arbeit , wenigstens in seiner Gegenwart , zu unterlassen . Sie aber strickte gern und konnte , wie sie es nannte , nicht müßig sein . Alfred ' s Widerwille gegen das Strickzeug galt ihr als eine von seinen räthselhaften Grillen , und sie strickte denn auch heute , wo sie nach längerer Trennung zum ersten Male wieder den Abend mit ihrem Manne allein beisammen war . So gut er konnte , kämpfte er die unangenehme Empfindung nieder , er wollte sie gewähren lassen und sprach es nicht aus , wie ungeduldig sie ihn mache , indeß dabei zu lesen war ihm doch nicht möglich . Er legte das Buch aus den Händen und sagte , an das Gelesene denkend , halb zu sich selbst sprechend : Wie schön sind diese Briefe Yorik ' s an Elise ! welch innige Zärtlichkeit , welche Tiefe des Gefühls ist in ihnen ! So oft ich sie vornehme , erfreue ich mich an der schlichten Darstellungsart dieser poetischen Schöpfung auf ' s Neue . Findest Du das ? entgegnete Caroline , mir kommen sie sehr langweilig vor . Ich nahm sie heute mit , als ich das Eßzimmer aufräumen ließ , wo Du sie vergessen haben mußt , denn Deine Bücher liegen ja überall umher . Da habe ich beim Stricken eine Weile darin gelesen , aber es geht ja gar nichts vor sich in dem Buche ! Muß denn etwas geschehen in einer Dichtung , muß es große Scenen , Entführungen , muß es Mord und Todtschlag geben , damit sie uns anziehend wird ? Ist die Schönheit des Gedankens und der Empfindung nicht genug ? Mord und Todtschlag braucht es nicht zu geben , aber Etwas muß doch geschehen , antwortete Caroline , Liebe oder sonst Etwas muß doch in einem Buche sein , die bloßen Gedanken thun es doch nicht . Und was ist das anders als reinste , heiligste Liebe , rief Alfred lebhaft , nahm das Buch und begann den neunten Brief an Elise zu lesen , den er vorher angefangen hatte . Nach den ersten Seiten hielt er aber inne : Möchtest Du nicht wenigstens das Strickzeug fortlegen , während ich lese ? bat er . Caroline that es und er fuhr in dem Briefe fort ; aber kaum hatte er noch ein paar Zeilen gelesen , als er sie leise gähnen hörte . Endlich nahm sie ihr Arbeitskörbchen zur Hand und fing darin etwas zu suchen an . Das störte Alfred , doch ließ er sich nicht unterbrechen und las weiter . » Ich will meine Frau und Tochter kommen lassen , hieß es an der Stelle , die sollen Dich , um zu gesunden , nach Montpellier , nach Bareges , nach Spaa führen , oder wohin Du willst . Du sollst es bestimmen und Ausflüge machen , in welchen Winkel der Welt die Phantasie Dich lockt . Wir wollen an den Gestaden des Arno fischen und uns in den lieblichen Labyrinthen seiner Thäler verlieren , meine Elisa ! « Caroline lachte laut auf . Nun ! das wird für die Frau und die Tochter auch kein sonderliches Vergnügen gewesen sein , rief sie aus , wenn der alte Seladon und die sentimentale Elisa sich in den Labyrinthen verirren gegangen sind . Aber Caroline ! wie ist Dir diese Aeußerung möglich ! rief Alfred unwillig und betroffen aus . Ich begreife nicht , was Dir daran auffällt ! Du weißt , für Ueberspannung habe ich keinen Sinn . Ich nenne die Dinge beim rechten Namen , und wenn ein verheiratheter , alter Mann einer fremden Frau solche Briefe schreibt , das finde ich unsittlich und empörend und diese Briefe sind langweilig trotz alledem . Ich schlafe dabei ein , wenn ich nicht stricken soll . Alfred legte das Buch schweigend nieder . In demselben Augenblicke klapperten auch schon wieder die verhaßten Stricknadeln an sein Ohr und Caroline sagte : Du magst es glauben oder nicht und magst es kleinbürgerlich nennen , aber gegen einen guten gestrickten Strumpf kommt der beste gewebte englische nicht auf ! So lasse welche stricken ! man hat mir in diesen Tagen von einer Frau gesagt , die mit ihren Töchtern dergleichen Arbeit wünscht ! meinte Alfred , um sie zu begütigen . Kennst Du die Frau ? Sind die Töchter jung ? fragte aber Caroline sofort mit einem Tone des Verdachtes . Ich weiß es nicht , ich habe sie nie gesehen . Der Präsident interessirt sich für sie und sie bedürfen , wie er sagte , dringend einer Unterstützung . Dann sind Mutter und Töchter häßlich ! rief Caroline lachend . Wären sie hübsch , so sorgte der Präsident allein für sie . Alfred zuckte verächtlich die Schultern und schwieg . Nach einer Weile warf Caroline , die wieder einmal eine ihrer besonders unliebenswürdigen Launen hatte , die Frage auf : Ich möchte wohl wissen , wie viel Frau von Barnfeld und die Brand ' s jährlich verausgaben ? Alfred antwortete nicht darauf , und sie wiederholte die Frage mit dem Zusatz : Warum antwortest Du mir nicht ? Weil mir das sehr gleichgültig ist und weil ich es nicht mag , wenn Du Dich in der Weise um fremde Angelegenheiten kümmerst . Es hat ja Jeder vollauf mit den eigenen zu thun . Ich glaube nicht , daß ich die meinigen vernachlässige ! rief sie mit gewohnter Empfindlichkeit . Der Vorwurf trifft mich nicht . Wer denkt denn daran , Dir einen Vorwurf zu machen ? entgegnete ihr Alfred . Es ist möglich , daß