Weib eines Andern mir vorzustellen , sehr schwer ! Dann sammelte er sich wieder , reichte William die Hand und sagte : Aber meine Hand darauf , ich werde sie ruhiger und lieber in Ihren Armen , als in denen jedes andern Mannes sehen , denn auch Sie sind mir werth und Sie verdienen ein Mädchen wie Clara , weil Sie es zu würdigen wissen . William war von des Doctors sichtbarem Schmerz und seiner Offenheit überwunden . Er schlug in die dargebotene Rechte und sagte : Sie wissen es nicht , wie sehr ich Clara liebe , aber gerade darum möchte ich nicht , daß sie mir mit Widerstreben folgt , ich will nicht , daß der Gedanke , sie hätte doch vielleicht die Ihre und mit Ihnen glücklicher werden können , wenn ich nicht dazwischen getreten wäre , jemals von meiner Frau gedacht werden soll . Darum überlegen Sie selbst : Gibt es eine Möglichkeit , ein Mittel , durch das Sie Clara ' s Hand erlangen können , so trete ich zurück . Ich habe keine Aussicht , keine , antwortete Eduard schmerzlich , aber bestimmt , als die Emancipation unsers Volkes , die noch in weiter Ferne liegt , und auch dann stehen mir die Ansichten von Clara ' s Eltern entgegen . Clara selbst hat mir jede Hoffnung genommen und glaubt an keine . Das genügt mir ! rief William mit einer Freude , welche deutlich hervorbrach , obgleich er sie aus Zartgefühl vor dem Freunde zu verbergen trachtete . Eduard saß in sich gekehrt und wortlos , und sein Freund ehrte , ebenfalls schweigend , diese Todtenfeier seines Herzens . So verging eine lange Zeit , bis William sich erhob und , indem er sich zum Fortgehen anschickte , Eduard Lebewohl sagte . Sie gehen schon ? fragte dieser , wie aus schwerem Traum erwachend , und sah , nachdem sie sich mit einem Händedruck getrennt , dem rasch Dahineilenden lange nach . Dann , als er ihn aus dem Gesichte verloren hatte , rief er : Er geht zu seiner Braut ! und wie ein Dolchstoß zuckte die Gewißheit durch sein Herz . Schwere Tropfen fielen aus seinen Augen nieder . Sie galten der verlornen Geliebten . Die Commerzienräthin war von der Sorge um ihren Sohn völlig hingenommen . Sie schrieb ihm , daß sie durch ihren Schwager und durch William von dem Grunde unterrichtet sei , der ihn abhalte , nach Deutschland zurückzukehren . Sie beschwor ihn , sich loszureißen , kein Opfer an Geld zu achten , um sich von einer Frau zu befreien , deren wahre Absicht ihm nicht verborgen sein könne , und war unvorsichtig genug , ihm zu diesem Zweck eine immerhin beträchtliche Summe aus ihrem Privatvermögen anzuweisen , damit sein Vater gar nichts von diesem Verhältniß zu erfahren brauche . Was die aufrichtige Besorgniß einer Mutter , die Furcht vor üblem Aufsehen , einer so stolzen Frau nur einzugeben vermochten , das stellte sie ihm in den beredtesten Worten vor , und harrte angstvoll und ungeduldig seiner Antwort . Doch der erste Termin , der sie bringen konnte , verging und kein Brief von Ferdinand erschien . In dieser peinlichen Ungewißheit traten alle übrigen Angelegenheiten in ihren Augen zurück und selbst von Clara ' s Verlobung war die Rede nicht . Die Commerzienräthin nahm dies Verhältniß als längst entschieden an ; sie sah William und Clara oft und freundlich beisammen , das genügte ihr , und jetzt an irgend eine gesellschaftliche Rücksicht wie die Bekanntmachung dieser Verbindung zu denken , war sie nicht gestimmt . Für William und Clara war das eine Erleichterung . Er hätte Clara dem Freunde abzutreten vermocht , wenn sie dadurch glücklich geworden wäre . Da dies nicht möglich war , dachte er nur daran , sie für sich zu gewinnen , denn er war sicher , daß ihr Herz endlich seiner warmen Liebe und seinem festen Willen , sie zu beglücken , nicht widerstehen werde . Er wollte sie durch keinen raschen Schritt drängen ; er sprach ihr nicht von seiner Liebe , aber sein schonendes Betragen , seine zarten Rücksichten thaten das um so deutlicher . Unbefangen brauchte er das Recht , welches sein doppeltes Verhältniß zu ihr ihm gab , fast unausgesetzt in ihrer Nähe zu sein . Er las mit ihr , er begleitete sie auf ihren Spaziergängen , und sie konnte es sich nicht verhehlen , daß William ' s Unterhaltung in ihrer jetzigen Verfassung eine Zerstreuung für sie sei und sie abhalte , gänzlich in den Gram über Eduard ' s Verlust zu versinken . Eduard hatte sie fast täglich , aber nur flüchtig in dem Zimmer ihrer Mutter gesehen , deren Zustand seine Behandlung nöthig machte . Außerdem hatte er es vermieden , sie zu besuchen . Er brachte die Abende , wenn er konnte , auf dem Landsitz seiner Eltern zu ; das Unwohlsein der Commerzienräthin hielt Clara viel zu Hause und beschränkte sie auf die kleinen Ausfahrten und Spaziergänge in Begleitung ihres Vetters . So waren einige Wochen vergangen , als William , der Clara in ziemlich heiterer Stimmung sah , sich endlich das Herz faßte , mit ihr von seiner Unterredung mit Eduard zu sprechen . Ich bin Dir noch Aufklärung über mein Verhältniß zu Dir und zu Eduard schuldig , sagte er . Daß man sich nicht ohne Kampf entschließt , ein Glück , wie Deine Liebe , hinzugeben , oder auf Deinen Besitz zu verzichten , das glaubst Du mir , denn jetzt am wenigsten würde ich Dir schmeicheln dürfen . Doch hätte ich zu entsagen vermocht , um Dich glücklich mit Eduard zu wissen , den Du liebst , und ich habe das Eduard gesagt . Clara reichte ihm bewegt die Hand und klagte : Du kannst mir doch nicht helfen , so edel Du auch bist . Aber lindern kann ich , trösten , fiel er ihr ins Wort , und das vergönne mir . Eduard fühlt wie ich