geschickt , der der Frau beigestanden hatte bei der Geburt von einem kleinen Mädchen , denn das war gleich in der Stunde auf die Welt gekommen , der ließ mich fragen , ob ich nicht wolle zur armen Frau kommen , die sei sehr krank und auch das Kindchen , und ich solle es aus der Tauf heben , der Christian Schlosser wolle mit Taufzeuge sein , ich ging mit , da war der Pfarrer , der taufte das Kind , und die Frau war sehr krank , wie der Pfarrer weg war , so nahm die Wartfrau das Kindchen auf den Arm und sagte : » Es wird gleich sterben , « da war mir so bang , ich hatte niemals jemand sterben sehen , und die kranke Frau im Bett weinte so sehr ums Kind , die Hebamme sagte , eben stirbt ' s ; und schüttelte es , da war ' s plötzlich tot . - Ach , wie ich nach Hause kam , war ich so traurig - der Franz sagte : » Du siehst seit einiger Zeit so blaß aus , deine Gesundheit scheint mir gar nicht fest , « und als am Abend wieder das Gespräch auf den Moritz kam , wobei er gar nicht geschont wurde , da schrieb ich an die Großmama , sie solle mich vom Franz zu sich begehren nach Offenbach . Das war allen recht und mir auch , so war ich ihrer Meinung nach dem Moritz aus dem Weg geschafft , und ich meiner Meinung nach brauchte doch nichts Böses von ihm zu hören , denn ich will nichts Böses von ihm hören , nein , nimmermehr will ich was Böses von ihm hören . Aber hier in Offenbach war ich gleich wieder ruhig , und da ward mir mein Gelübde gleich wieder klar , das ich an jenem Abend vor Deiner Tür noch aussprach , als Du so kalt warst und so traurig , - daß ich eine Gabe Dir wollt geben von meiner Seele , daß ich mein Innerstes wollt Dir zu Lieb zu Tage fördern , weil Du das so hochschätzest wie jener Schleiermacher . Und da hab ich in meinem Innersten Wege geschritten und bin dahin geraten , wo Du jetzt stockst und willst nicht weiter und fürchtest Dich , mich anzuhören ; denn ich hab ' s wohl gemerkt an Deinem Brief , Du fürchtest Dich vor meinen Abwegen . O fürcht Dich nicht , ich gab Dir treulich wie ' s Echo , was widerhallte aus mir . Ach ! - Ich bin jetzt glücklich , sei Du ' s auch ! - Schöne Träume hab ich , und das ist ein Zeichen , daß die Götter mit mir zufrieden sind . - Im Herzen ist mir ' s , wenn ich erwache am Morgen , als ob ich von Dichterlippen geküßt sei , ja merk Dir ' s , von Dichterlippen . Nein , ich fürchte mich nicht mehr vor der Zukunft ! - Ich weiß , durch was ich sie mir zum Freund mache , ja ich weiß es . Ich will auch wie die Großmama einen Ewigkeitspreis mit meinem Leben schließen , nicht wie Du gesagt hast , jung sterben . Viel wissen , viel lernen , sagtest Du , und dann jung sterben , warum sagst Du das ? - Mit jedem Schritt im Leben begegnet Dir einer , der was zu fordern hat an Dich , wie willst Du sie alle befriedigen ? - Ja sage , willst Du einen ungespeist von Dir lassen , der von Deinen Brosamen fordert ? - Nein , das willst Du nicht ! - Drum lebe mit mir , ich hab jeden Tag an Dich zu fordern . Ach ! - wo sollt ich hin , wenn Du nicht mehr wärst ? - Ja dann , gewiß vom Glück wollt ich die Spur nimmer suchen . Hingehen wollt ich mich lassen , ohne zu fragen nach mir , denn nur um Deinetwillen frag ich nach mir , und ich will alles tun , was Du willst . - Nur um Deinetwillen leb ich - hörst Du ' s ? - Mir ist so bang - Du bist groß , ich weiß es - nicht Du bist ' s - nein so laut will ich Dich nicht anreden - nein , Du bist ' s nicht , Du bist ein sanftes Kind , und weil ' s den Schmerz nicht tragen kann , so verleugnet es ihn ganz und gar - das weiß ich , so hast Du Dir gar manchen Verlust verschleiert . Aber in Deiner Nähe , in Deiner Geistesatmosphäre deucht mir die Welt groß ; Du nicht - fürchte Dich nicht , - aber weil alles Leben so rein ist in Dir , jede Spur so einfach von Dir aufgenommen , da muß der Geist wohl Platz gewinnen , sich auszudehnen und groß zu werden . - Verzeih mir ' s heut , ein Spiegel ist vor meinen Augen , als hätte einer den Schleier vor ihm weggezogen , und so traurig ist mir ' s , lauter Gewölk seh ich im Spiegel , und klagende Winde - als müßt ich ewig weinen , weil ich an Dich denk - ich war draus heut abend am Main , da rauschte das Schilf so wunderlich - und weil ich in der Einsamkeit immer mit Dir allein bin , da fragte ich Dich in meinem Geist . » Was ist das ? Redet das Schilf mit Dir ? « hab ich gefragt . Denn ich will Dir ' s gestehen , denn ich möchte nicht so angeredet sein , so klagvoll , so jammervoll , ich wollt ' s von mir wegschieben ! - Ach Günderode , so traurig bin ich , war das nicht feige von mir , daß ich die Klagen der Natur abwenden wollt von mir , und schob ' s auf Dich - als hätte sie mit