dies hat mir aber die augenblickliche Heftigkeit des Lords abgeschnitten , und ich muß jetzt erwarten , ob mir dies überhaupt noch möglich gemacht wird , und welche Form Mylord dazu einzuleiten gedenkt . « » Mein junger Herr , « rief hier Lord Gersey , noch immer mit dem rauhen Tone des Zorns , » es kann , denke ich , hier von vielen Einrichtungen unter uns gar nicht die Rede sein ; wie unleidlich meine Stellung durch Euer unbesonnenes Betragen gegen Eure Mutter geworden , müßt Ihr übersehen , wenn Euch auch die Leidenschaft noch so toll gemacht hat . Mir waret Ihr anvertraut von Eurer Mutter - ich sollte Euch vor Mißgriffen und Thorheiten bewahren , bis Ihr unter den Schutz Eurer Aeltern zurückkehrtet , - und ich durfte diese Verpflichtung übernehmen und sie angeloben , denn Ihr lebtet hier nur in den ehrbarsten und würdigsten Verhältnissen . Aber der Neigung zur Thorheit ist überall der Ausweg eröffnet , so mußt ' ich an Euch lernen - mein Vertrauen habt Ihr betrogen ; mit dem alterschwachen Greise , dessen Kenntniß der Welt von jedem Kinde überboten werden konnte , habt Ihr Freundschaft geschlossen , um Euch von der Thörin , seiner Tochter , verführen zu lassen . « - » Haltet ein , Mylord ! « rief hier Crecy , indem er mit Heftigkeit aufsprang , - » wenn Ihr es wagt , mit dieser Bezeichnung die Tochter des ehrwürdigen Sir Reginald zu meinen , so vergeßt nicht , daß sie Gräfin von Crecy und meine Gemahlin ist , gegen die jede Beleidigung zur meinigen wird ! « » Gräfin von Crecy ! « höhnte der Lord - » die Tochter eines Kaplans von Stirlings-Bai ! ein Mädchen ohne Rang , ohne Vermögen , die sich darum nicht einmal zur Gesellschafterin meiner Töchter eignete , Gräfin von Crecy ! die Schwiegertochter der Fürstin Soubise ! und des ersten Marschalls von Frankreich , des ältesten Geschlechtes dieses Landes ! - Junger Mann , « fügte er mit heiserem Lachen hinzu , » wem wollt Ihr das weiß machen ? Wer , denkt Ihr , daß Euch dies glauben wird ? Dankt dem Himmel , daß die Komödie Eurer Heirath so in allen Formen kindisch , lächerlich , formlos gewesen ist , und daß Eure Minderjährigkeit selbst die anscheinend gesetzlicheren Bande so gänzlich annullirt hätte , daß diese Thorheit wenigstens nur dem Mädchen zur Last fallen wird , die so unberufen den reichen Erben zu gewinnen dachte . « » Es ist genug ! « rief Crecy hier und erhob sich mit Ungestüm - » ich werde Euch verlassen , Mylord , um durch so unerhörte Beleidigungen nicht dahin gebracht zu werden , daß ich ganz vergesse , wie viel Dank ich Euch für Euer früheres Bezeigen schuldig bin . Die Beleidigungen , die Ihr gegen mich und meine Gemahlin ausstoßt , widerlegen zu wollen , hieße mich und diese Verhältnisse wirklich erniedrigen - ich werde sie zu rechtfertigen wissen in den Augen meiner Familie und der ganzen Welt . « » Ich gratulire zu diesen Vorsätzen , junger Herr ! « entgegnete der Lord mit verbissenem Zorne . » Wahrlich , Ihr habt nicht umsonst meine Bibliothek in der kurzen Zeit ausgelesen - Ihr führt eine vollkommen romantische Rittersprache , zum Weinen rührend . O , junger Mann , junger Mann , hättet Ihr lieber das unschuldige , fröhliche Waidmannsvergnügen mit den ehrlichen unerschrockenen Gefährten durchgemacht , als Euch in dürres , wüstes Büchergeschwätz versenkt , um Stoff zu sammeln für das Schäferspiel , das Ihr zu spielen dachtet ! « » Wir sind zu Ende , Mylord ! « sagte Crecy empört - » erlaubt , daß ich mich bei Euch und diesem Hause auf immer beurlaube ; ich eile zurück , um sogleich die Anstalten zu meiner Abreise zu treffen , und bitte Euch nur um so viel Zeit noch in den Mauern der Abtei - die jetzt allerdings zu Eurer Bestimmung steht - bis meine Gemahlin zur Abreise gerüstet sein wird . Nehmt meinen Dank für Eure frühere Güte ; es schmerzt mich tiefer , als Ihr glaubt , daß die Gefühle , die Ihr mir einzuflößen wußtet , eine so grausame Störung erfahren mußten . « » So lasset auch uns von einander Abschied nehmen ! « sprach jetzt der Marquis de Souvré zu Crecy . » Ich reise noch am heutigen Tage nach Paris ab , denn ich kann durch meine Gegenwart hier nicht länger Euren Handlungen einen Schein von Billigung geben , den ich aufs Bestimmteste verweigern muß . Dessen ungeachtet frage ich Euch , ob Ihr mir irgend eine Weisung für Eure Frau Mutter zu geben habt , aus der sie Trost zu schöpfen vermöchte , wenn ihre Fragen mich drängen werden ? « » Ich überlasse das Euch selbst ; ich hatte gewünscht , der Erste sein zu können , der ihr meine Verhältnisse vortrüge - aber ich fühle , Euch die Verpflichtung zum Schweigen aufzuerlegen , wäre bei den Fragen , denen Ihr zu begegnen haben werdet , zu viel verlangt . Gott lenke daher Eure Worte ! Denkt , daß so viel vom ersten Eindrucke abhängt ; denkt , daß es der einzige Sohn der Frau ist , der Ihr so ergeben seid , und daß Ihr so wohl versteht , Eure Ansichten vorzutragen ! « - Kein Laut verrieth die Meinung des Marquis auf die herzliche , dringende Anrede ; stumm verneigte er sich mit zu Boden geschlagenen Augen und wendete sich dann zu Lord Gersey . » Und Ihr , Mylord - was habt Ihr mir zu befehlen ? « » O , Marquis , « rief der Lord - » was soll ich Euch an die edle , tugendhafte Frau für Aufträge mitgeben , die sich durch mich verrathen glauben wird , und mir Vertrauen und Achtung versagen für immerdar . Nein , nein , niemals kann ich diese Kränkung verwinden ! Sagt Ihr ,