ohne von seinem Spiele aufzusehen : » Tavanelli ? Ja , das weiß ich nicht . Der läuft immer umher . « » Und Dich , armes Kind ! « sagte ich , » läßt er so allein ? Es ist ja fast schon dunkel , bekümmert sich denn Niemand um Dich ? « » Um mich braucht sich auch Keiner zu bekümmern , « entgegnete er zuversichtlich . » Ich ziehe die Liese hier in den Stall , und dann gehe ich auch zu Bett . Das ist immer so ! « » Immer so ? « wiederholte ich , » und Deine Mutter weiß - « » Ach ! « lachte Georg , » die weiß von gar nichts , die glaubt , der Caplan ist bei mir , aber der denkt nicht an mich ! « » Komm , « sagte ich , » wir wollen zu Deiner Mutter gehen . « » Da könnten wir schön laufen , ehe wir die fänden , « versicherte Georg , indem er sich halb unwillig von mir losmachte . » Mutter , « fuhr er fort , » geht alle Abend am See . spatzieren , und manchmal fährt sie auch im Kahn auf dem Wasser . « » Wer sagt Dir das ? « unterbrach ich ihn schnell . » Tavanelli ! « erwiederte er , als wenn sich das von selbst verstände . » O ! der ist manchmal so böse , so böse , wenn sie gar nicht wieder nach Hause kommt . Er rennt durch alle Zimmer und schilt , und ächzt ! Ich höre dies bisweilen wohl , wenn es auch so aussieht , als schliefe ich . « Ich ließ das Kind nicht weiter die Geheimnisse des Hauses ausschwatzen . Ich mischte mich in sein Spiel , ging mit ihm nach dem Stall , und blieb so lange bei ihm , bis er schläfrig ward , worauf ich ihn dann der Sorgfalt eines Bedienten überließ , der wohl beauftragt war , sich seiner anzunehmen Aber Sie Unglücklicher , wohin führte Sie der eigennützige Wunsch , sich selbst genügen zu wollen ? Kommt es auf Ihre Ruhe an , wenn Sie die Pflicht , für die Ruhe Anderer zu sorgen , übernehmen ? Was gehen Sie fremde Irrthümer an ? Genügt es nicht , das zarte Gefühl , dem Sie Ihr Streben widmeten , davor zu bewahren ? Und weshalb erschrecken Sie vor Anfechtungen , die Ihnen nicht fremd sind ? deren Schlingen Sie sehr wohl kennen ? Glauben Sie ein Heiliger zu sein ? Hofften Sie wirklich , der bloße Entschluß reiche zur gänzlichen Umwandlung hin ? Mit sonderbarem Stolz finden Sie sich durch den Andrang menschlicher Widersprüche empört . Es dünkt Ihnen unbegreiflich , daß sich dergleichen bis zu Ihnen wagen . In der verlegenen Entrüstung darüber , durchkreuzen Sie den Kampfplatz mit feiger Scheu , ohne einem einzigen Feind ins Gesicht zu sehen . Ja , ich schelte Sie feige , denn nur in dieser schlimmsten Krankheit des Geistes entdecke ich den Grund Ihrer lahmen Willenskraft . Wo suchen Sie ein Schild , fest genug , den zaghaft Zitternden zu schützen ? Sie haben es weggeworfen , Tavanelli ! Es lag Ihnen ganz nahe . In der Liebe und Thätigkeit für das Kind , das man Ihren Händen anvertraute , fanden Sie Ihren Beruf ; da , da hätten Sie eine Brustwehr gegen jede Gefahr gehabt . Jetzt - ? Sehen Sie auf das , was Sie thaten . Sie haben Gift in die kleine Seele geworfen . Es wird nachwirken , verlassen Sie sich darauf . In das Kloster zu dem Prior flüchten Sie , und beichten . Was beichten Sie denn ? Auch die Sünde , die Sie in dem Augenblick begehen , da Sie sich selbst untreu werden ? das Kind verlassen ? die Zunge des Gesindes beflügeln , den Ruf der Mutter preis geben ? O ! zurück , zurück in Ihre Kammer , auf den Knien vor dem , der überall ist , der Ihren Muth beflügeln , Ihren Willen stählen kann . Halten Sie aus , Tavanelli ! der Friede ist bei Gott . Auf Erden ringen seine Streiter . Hier giebt es keine andere Ruhe , als in der Zuversicht heiligen Ausganges . Ich wiederhole es Ihnen , weichen Sie nicht von Ihrem Platz . Es ist die höchste Pflicht , damit nicht noch größeres Unglück geschehe . Ich weiß nicht , welche Unruhe ich dieserhalb hege . Ihr Zimmer - das Kind - der Garten - es hat mir den allerpeinlichsten Eindruck gelassen . Könnten Sie doch fühlen , daß Sie nicht der einzige Unglückliche auf der Welt sind ! Es giebt Schmerzen ! Schmerzen ! - Aber ich klage nicht ! Die nächste Stunde kann die entscheidende sein , und diese fordert den ganzen Menschen in all seiner Kraft ! Erwägen Sie das , und halten Sie aus . Elise an Hugo Wir haben uns , wir haben Emma betrogen . Ich dulde den Vorwurf nicht in meiner Seele ! Ein rasches , offnes Geständniß soll die großmüthige Frau zu unserer Richterin machen . Durfte ich es mir bekennen , daß ich Sie liebe , Hugo ! konnte ich es Ihnen gestehen , so habe ich keine zweite Demüthigung zu scheuen . Mein Gott ! war es möglich ? trägt das Leben solches Gift in sich , daß die allereinfachsten , natürlichsten Beziehungen , die harmloseste Mittheilung , die ruhige Freude angenehmen Umganges , ein Netz um uns spinnen konnten , in dem Alles , bis auf den Willen , frei zu sein , gefangen ist ? Ich verstehe weder Sie noch mich , noch was wir beide empfinden ! In diesem dumpfen Schwindel hege ich keinen andern Wunsch , als daß Emma wisse , wie mir ums Herz ist . Morgen , heute kann ich nicht mehr zu ihr dringen , morgen liege ich auf meinen Knien vor ihrem Bette ,