dem Berge hinabtrieb . Unten , fern von der Jagd , saß der Prinz auf einem ungeheuren Baume . Da hörte er das Geräusch hinter sich durch das Dickicht brechen . Er sprang auf und Rosa fiel atemlos in seine ausgebreiteten Arme . Ihr gestörtes Verhältnis zu Friedrich , das Lied oben , und tausend alte Erinnerungen , die in der grünen Einsamkeit wieder wach geworden , hatten das reizende Mädchen heftig bewegt . Ihr Schmerz machte sich hier endlich in einem Strome von Tränen Luft . Ihr Herz war zu voll , sie konnte nicht schweigen . Sie erzählte dem Prinzen alles aus tiefster , gerührter Seele . Es ist gefährlich für ein junges Mädchen , einen schönen Vertrauten zu haben . Der Prinz setzte sich neben ihr auf den Rasen hin . Sie ließ sich willig von ihm in den Arm nehmen und lehnte ihr Gesicht müde an seine Brust . Die Abendscheine spielten schon zuckend durch die Wipfel , unzählige Vögel sangen von allen Seiten , die Waldhörner klangen wollüstig durch den warmen Abend aus der Ferne herüber . Der Prinz hatte ihre langen Haare , die aufgegangen waren , um seinen Arm gewickelt und sprach ununterbrochen so wunderliebliche , zauberische Worte , gleich sanfter Quellen Rauschen , kühlelockend und sinnenberauschend , wie Töne alter Lieder aus der Ferne verführend herüberspielen . Rosa bemerkte endlich mit Schrecken , daß es indes schon finster geworden war , und drang ängstlich in den Prinzen , sie zu der Gesellschaft zurückzuführen . Der Prinz sprang sogleich seitwärts in den Wald und brachte zu ihrem Erstaunen zwei gesattelte Pferde mit hervor . Er hob sie schnell auf das eine hinauf , und sie ritten nun , so geschwind als es die Dunkelheit zuließ , durch den Wald fort . Sie waren schon weit auf verschiedenen , sich durchkreuzenden Wegen fortgetrabt , aber die Wiese mit dem Zelte wollte noch immer nicht erscheinen . Die Waldhornsklänge , die sie vorher gehört hatten , waren schon lange verstummt , der Mond trat schon zwischen den Wolken hervor . Rosa wurde immer ängstlicher , aber der Prinz wußte sie jedesmal wieder zu beruhigen . Endlich hörten sie die Hörner von neuem aus der Ferne vor sich . Sie verdoppelten ihre Eile , die Klänge kamen immer näher . Doch wie groß war Rosas Schrecken , als sie auf einmal aus dem Walde herauskam und ein ganz fremdes , unbekanntes Schloß vor sich auf dem Berge liegen sah . Entrüstet wollte sie umkehren und machte dem Prinzen weinend die bittersten Vorwürfe . Nun legte der Prinz die Maske ab . Er entschuldigte seine Kühnheit mit der unwiderstehlichen Gewalt seiner lange heimlich genährten Sehnsucht , umschlang und küßte die Weinende und beschwor alle Teufel seiner Liebe herauf . Die Hörner klangen lockend immerfort , und zitternd , halb gezwungen und halb verführt , folgte sie ihm endlich den Berg hinauf . Es war ein abgelegenes Jagdschloß des Prinzen . Nur wenige verschwiegene Diener hatten dort alles zu ihrem Empfange bereitet . Friedrich ritt indes zwischen den Bergen fort . Sein Jäger , der gegen Abend weit von der Jagd abgekommen war , hatte zufällig Rosa mit dem Prinzen auf ihrer Flucht durch den Wald fortjagen gesehen , und war sogleich zu seinem Herrn zurückgeeilt , um ihm diese Entdeckung mitzuteilen . Dies war es , was Friedrich so schnell auf sein Pferd getrieben hatte . Als er endlich nach manchem Umwege an die letzten Felsen kam , welche diese Wiese umschlossen , erblickte er plötzlich im Walde seitwärts eine weiße Figur , die , eine Flinte im Arm , gerade auf seine Brust zielte . Ein flüchtiger Mondesblick beleuchtete die unbewegliche Gestalt , und Friedrich glaubte mit Entsetzen Romana zu erkennen . Sie ließ erschrocken die Flinte sinken , als er sich nach ihr umwandte , und war im Augenblick im Walde verschwunden . Ein seltsames Graun befiel dabei den Grafen . Er setzte die Sporen ein , bis er das ganze furchtbare Jagdrevier weit hinter sich hatte . Unermüdet durchstreifte er nun den Wald nach allen Richtungen , denn jede Minute schien ihm kostbar , um der Ausführung dieser Verräterei zuvorzukommen . Aber kein Laut und kein Licht rührte sich weit und breit . So ritt er ohne Bahn fort und immerfort , und der Wald und die Nacht nahmen kein Ende . Drittes Buch Achtzehntes Kapitel Wir finden Friedrich fern von dem wirrenden Leben , das ihn gereizt und betrogen , in der tiefsten Einsamkeit eines Gebirges wieder . Ein unaufhörlicher Regen war lange wie eine Sündflut herabgestürzt , die Wälder wogten wie Ährenfelder im feuchten Sturme . Als er endlich eines Abends auf die letzte Ringmauer von Deutschland kam , wo man nach Welschland heruntersieht , fing das Wetter auf einmal an sich auszuklären , und die Sonne brach warm durch den Qualm . Die Bäume tröpfelten in tausend Farben blitzend , unzählige Vögel begannen zu singen , das liebreizende , vielgepriesene Land unten schlug die Schleier zurück und blickte ihm wie eine Geliebte ins Herz . Da er eben in die weite Tiefe zu den aufgehenden Gärten hinablenken wollte , sah er auf einer der Klippen einen jungen , schlanken Gemsenjäger keck und trotzig ihm gegenüberstehn und seinen Stutz auf ihn anlegen . Er wandte schnell um und ritt auf den Jäger los . Das schien diesem zu gefallen , er kam schnell zu Friedrich herabgesprungen und sah ihn vom Kopf bis auf den Fuß groß an , während er dem Pferde desselben , das ungeduldig stampfte , mit vieler Freude den gebogenen Hals streichelte . » Wer gibt dir das Recht , Reisende aufzuhalten ? « fuhr ihn Friedrich an . » Du sprichst ja deutsch « , sagte der Jäger , ihn ruhig auslachend , » du könntest jetzt auch etwas Besseres tun , als reisen ! Komm nur mit mir ! « Friedrich erfrischte recht das kecke , freie Wesen , das feine Gesicht voll Ehre , die gelenke