; die Gräfin war sehr dagegen , sie scheute die kleine Mühe der Oberaufsicht ; doch nach mancher Zärtlichkeit des Grafen gab sie endlich zögernd nach . Fünfundzwanzigstes Kapitel Waller und die tolle Ilse . Abenteuer einer Nacht Waller hatte unterdessen sich mit den sämtlichen Hausbewohnern bekannt gemacht , und mit der tollen Ilse ein besondres Verständnis eröffnet . Ihr Wesen war ihm neu und gehörte in die Reihe seiner inneren Abbildungen ; er schien sie unbegreiflich zu reizen durch die zierliche Art von Hofmachen , die ihr von Knechten und Jägern und andern Hofleuten noch nicht geboten . Waller trieb so etwas mit großer Hitze , als müßte mit der untergehenden Sonne alles beendigt sein , und wirklich brachte der sie auch in wenig Tagen so weit , daß sie ihm eine nächtliche Zusammenkunft gestatten wollte , insofern er eine schwere Gartenleiter an ihr Giebelfenster legen könnte . Jede Stunde hatte er aufgeschrieben , wie weit seine Liebschaft gediehen ; bei dieser Aufforderung stand ein Seufzer und die Worte : » Das ist unmöglich , die Leiter rücke ich kaum von der Stelle , viel weniger kann ich sie aufheben und anlegen . « Nach vielem Umhersinnen kam er auf den Prediger Frank , der ihm ein weltlustiger Vogel geschienen , daß er ihm diesen kleinen Dienst leisten sollte . Gleich ging er hinüber zu ihm , und Frank wußte sich gleich zu fassen , ging in alles ein , und versprach sich davon recht vielen Spaß . Heimlich machte er den Grafen mit seinem Auftrage bekannt , und verabredete sich mit ihm . Abends gegen zwölfe stellte er sich vor Wallers Zimmer ein , der ungeduldig schreibend seiner wartete . Er war vom Kopfe bis zu den Zehen bewaffnet , im Stiefel hatte er einen Dolch versteckt , in jeder Rocktasche eine Doppelpistole ; sein Testament legte er versiegelt auf den Tisch , küßte ein Gemälde seiner Frau , ergriff seine Gitarre und ging in höchster Spannung stillschweigend voraus , unserm Frank den Weg zu zeigen . Die Nacht war dunkel , der dunkle Baumgarten nur durch sein Rauschen von dem stillen Himmel zu unterscheiden . Bei dem unerwarteten Aufschrecken eines Vogels rief er einmal : » Haben Sie was gesagt ? « Und als ihm ein Käfer gegen die Backen flog : » Wie war das gemeint ? « - Alles ward still bis auf ein paar Frösche , die sich im Teiche bei einer Serenade verspätet hatten , und selbst diese gaben ihm Argwohn , daß er Lust bekam , seine Pistolen in das Wasser abzufeuern . Der Graf und die Gräfin saßen in einer Laube versteckt , und lauerten auf Ilsens Fenster , das erleuchtet war und durch zwei vorgesetzte kleine Pillenbäume anzeigte , daß sie ungestört des Liebhabers warte . Der Graf sang leise vor sich : Lustig ist die Ilse , Wenn ich sag , ich willse , Lustig ist meine Ilse nicht , Wenn ich sag , ich will sie nicht . Welche sonderbare Lust liegt darin , einen andern in seiner Liebschaft zu belauern ! - Waller zog die Leiter mit des riesenhaften Predigers Hülfe glücklich heran , lehnte sie an die Mauer und sang ganz schwach ohne Begleitung der Gitarre : Es schlug die Uhr , Die Nacht war tief Und alles schlief , Gott Amor nur Erwacht Und lacht , Und keinen stört , Denn die ihn kennt , Von Liebe brennt Und ihn schon hört Beglückt Entzückt . Ilse gab ihr Zeichen : ein dreimaliges Klatschen der Hand . Waller stieg hinauf , wobei seine Gitarre zuweilen gegen die Leiter klapperte , und Ilse bei dem ersten Erscheinen die Äußerung entlockte , ob er etwa ein Kästchen mit Geschenken bei sich trage . Doch hatte er wirklich ein artiges seidnes Halstuch seiner Frau in der Tasche , das er ihr sehr zierlich überreichte . Frank und der Graf waren ihm inzwischen nachgestiegen und sahen durch das Fenster , doch unbemerkt von den beiden Liebenden , um bei jeder Unordnung zwischen zu treten . Diese Vorsicht war unnötig . Ilse hatte eine eigene Art ihre Zärtlichkeit auszudrücken ; sie lachte die Leute an , spottete über sie und ärgerte sich dann , wenn sie nicht verstanden wurde . Wallern dagegen , sobald er sich erhitzte , fielen eine Menge schöner Lieder ein , die er auf allerlei Gedankenbilder verfertigt hatte ; da brauchte er oft nur blaue in braune Augen zu verwandeln , um alles paßrecht zu finden . Das Feuer dieser Lieder durchdrang Ilsen , die tiefe Stimme , das leidenschaftliche Wesen Wallers , die Zaubereien der Nacht ringsum , ergriffen ihr wunderliches Gemüt , sie kniete vor ihm , und drückte seine Beine an ihr Herz . Aber statt ihre Umarmung zu erwidern , verschlang sich sein Lied immer künstlicher , immer neue Reichtümer seines Innern erschlossen sich ihm , immer mehr Personen traten auf in seinem Wechselgesange über ihre Schönheit ; das nahm kein Ende , die kalte Nachtluft wehte durch das halboffene Fenster herein und Ilse , kalt wie Eis in ihrer leichten Bedeckung nahm einen Mantel um , und setzte sich ihm gegenüber , um zu warten , bis das verfluchte Gesinge endlich ein Ende nähme . Nun schloß er sein unendliches Lied , während dessen dem Grafen auf den schmalen Leitersprossen die Füße fast erlahmten , mit den Worten : Die leichten Töne , Sie werden mir schwer , So macht das Schöne ... Hier fiel sie ein : Herzen so leer ! Ihre Finger brennen , Mein Herz wird kalt , Wir müssen uns trennen , Sonst werd ich bald alt ... Gleich fiel er ein : Die Finger brennen , Mein Herz so brennt , Die Saiten zerklingen , Mein Herz zerspringt . Sie hielt den Mantel auf , um die Stücken seines Herzens aufzufangen , er aber war entzückt über ihr Einfallen , er hatte gar nicht geglaubt , daß sie auch Verse machen könne . Er vergaß darüber seine