Tische ; ich sah sie durch , es waren verschiedene Gegenstände sehr geschickt ausgeführt . Jetzt ergriff ich die größte und letzte - o Gott im Himmel , was erblickte ich ? - Agathokles Bild , zu Pferde , in einer mir bekannten Straße von Nikomedien , in vollem kriegerischen Schmucke , und von einer Menge Menschen umgeben . Ich zitterte , lange hielt ich wie bewußtlos das unglückliche Blatt in der Hand - und mein Auge sah nur ihn . Es waren seine Züge , seine Haltung so genau , so lebendig ! Meine Seele verlor sich im Anschauen . Calpurniens Stimme weckte mich aus meinem Traume . Sie fragte mich , wie mir das Blatt gefiele ? Vortrefflich - antwortete ich , und setzte in der schrecklichen Verwirrung hinzu - er ist zum Sprechen getroffen . » Wie , du kennst den Tribun ? « rief sie rasch und sprang auf mich zu , gleich als hätte meine Bekanntschaft mit ihm mir ein höheres Interesse in ihren Augen gegeben . O wie lebhaft muß das seyn , das sie an ihm , das er an ihr nimmt ! Es war zu spät , meine Unbesonnenheit wieder gut zu machen , ich mußte sie nun schicklich bemänteln . Ist es nicht Agathokles , der Sohn des Hegesippus ? sagte ich . » Ja er ist ' s , « rief sie fröhlich , » du kennst ihn ? « Ich erinnere mich , ihn vor mehreren Jahren in Nikomedien gesehen zu haben . » Und du findest das Bild getroffen ? « Vollkommen , nur wünschte ich die Bedeutung zu wissen . Nun erfuhr ich , daß Agathokles sich in der letzten Schlacht außerordentlich ausgezeichnet hatte , daß er auf dem Wahlplatze zum Tribun erwählt , und vom Cäsar als Siegesbote zum Diocletian gesendet worden war . In diesem Augenblicke des schmeichelnden Volkszurufes hatte sie ihn gezeichnet - sie selbst . Sulpicia lächelte sein , als Calpurnia mir das erzählte . » Es ist kein Wunder , « sagte sie endlich , » daß sie ihn so gut getroffen hat ; die Phantasie entwirft - und Eros1 führt die Hand . « Ein kleiner scherzhafter Streit begann nun unter den beiden Römerinnen , ein Streit , dessen Gegenstand Er - und seine Liebe zu Calpurnien war , - und ich war Zeugin , und ich wurde zuweilen von der freundlichen Sulpicia aufgefordert , Theil daran zu nehmen ! O das war eine der bittersten Stunden meines Lebens ! Ich erfuhr durch diese kleine Neckerei endlich so viel , daß zwar Calpurnia noch nicht seine Gattin , aber seine Geliebte , und nicht viel weniger als seine Braut war , da ihr Verhältniß schon in Rom angefangen , und in Nikomedien fortgesetzt wurde , daß er aber jetzt wieder zum Heere abgegangen war , wo die Friedensunterhandlungen mit den Persern beginnen sollten . Ich wußte genug , und entfloh , so bald ich konnte , in die Einsamkeit meines Zimmers . Kein Schlaf besuchte meine Augen . Ich hatte erlangt , was ich gewünscht hatte , ich war aus der Gefangenschaft befreit , ich war in meinem Vaterlande , auf seiner Villa - und wie war ich es , unter welchen Verhältnissen ! Wild und verworren durchkreuzten sich Gedanken , Gefühle und Entwürfe in meiner Seele . Das allein fühlte ich klar , daß nun mein Lebensplau zerrissen , und ein neuer nothwendig war . Aus dem Kampfe streitender Kräfte , aus dem Chaos schmerzlicher Empfindungen ging er endlich hervor , wie ein einzigübriger Lebender sich bleich und schaudernd von dem , Schlachtfelde aufrichten mag , auf dem alle seine Brüder gefallen sind . Ich entwarf ihn mit klarer Besinnung , und du sollst ihn hören und billigen . An eine Vereinigung mit dem , den ich nicht mehr nennen will , ist nicht zu denken . Er ist todt für mich , so will ich es auch für ihn seyn . Das Schicksal hat mein Daseyn zerstört , es hat mir Stand , Gemahl , Vermögen , Alles geraubt , alle Lebenshoffnungen zernichtet - so höre denn auch mein Wesen , mein Name auf . Larissa ist todt - sie ist unter den Ruinen von Trachene begraben . Diese Theophania ( du weißt , daß dies mein Christenname ist ) , die jetzt arm , verlassen , einsam zurückkehrt , ist ein anderes Wesen , fremd für die Welt , fremd für jene , die sie so schnell vergessen konnten . Sie ist nicht in Nikomedien geboren . Synthium ist der Ort ihrer Entstehung . Sie hat auch nichts mehr in der glänzenden Hauptstadt zu suchen . Einige Kostbarkeiten , die jene verstorbene Larissa rettete , und die immer einige Talente2 werth seyn mögen , werden ihr ein beschränktes , aber sorgenfreies Leben sichern . Sie kann entbehren - das Schicksal hat sie in seine Schule geführt . Sie wird mit Heliodor nach Nicäa gehen , und dort , entweder in dem Hause seiner Verwandten , oder einer andern unbescholtenen Christenfamilie Aufnahme und Schutz suchen . Dort wird sie unbemerkt leben , sterben , oder vielleicht nächstens zu ihren wilden Freunden zurückkehren , deren unverfeinerte Gemüther nicht fähig sind , jeden Eindruck so schnell fahren zu lassen . Sobald der Tag anbrach , verließ ich mein Zimmer , und stieg in die thauigen Gärten hinab . Ungestört durchirrte ich die wohlbekannten Gänge , und rief mit schmerzlicher Lust die Bilder der Vergangenheit zurück . Hier hatte ich als Kind mit den Gespielen der Kindheit schuldlos und glücklich gespielt , dort in jener dunkeln Pinienlaube hatten die Gefühle der Jungfrau zuerst Worte bekommen , dort hatten wir uns ewige Treue geschworen , und von dem Gipfel jenes Hügels wehten die Palmen im Morgenwind , unter denen seine Mutter uns oft um sich gesammelt , Lehren der Tugend und Weisheit in unsre Seelen gesenkt , und uns mit einander und für einander gebildet hatte . Mit schmerzlich süßer Wehmuth , mit