nicht . Ich dachte es immer ! Nun führt er ihm die Kinder unversehens wieder zu , und lohnt die strenge Buße reichlich . Florio erzählte darauf , wie ihn die Sehnsucht nach dem geheimnißvollen Garten , dorthin zurück gezogen , und wie sich alles so ganz von selbst aufgeklärt habe . Die stillen Nächte verlebe der Vater immer dort im Anschauen trüber Vergänglichkeit , und dieser Blick sey es , der ihn immer mehr in der gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt bestärkt habe . Dies Gefühl sey ihm schon sehr früh gegenwärtig geblieben ; mit einer Art von Schmerz habe er sich von allem abgewandt , was Andere reize , und selbst die zärtlichsten Regungen seien mit einem Gemisch von Wehmuth und Unzulänglichkeit menschlicher Empfindungen verbunden gewesen . Daher , fiel Martin ein , erschien er kalt . Eusebio und ich wußten es besser . Ich wartete ihn seit seiner zartesten Kindheit , und hatte ihn oft im Gebet belauscht , wie sich da Herz und Seele hingab , und er durch und durch glühete . In der Liebe zu Mathilde brach es denn auch endlich hervor . Er hatte diese Leidenschaft oft eine Verirrung genannt . Der Himmel mag es wissen . Glücklich war er nie . Mathilde hing an der Welt und der hergebrachten Weise . Wie sie sich auch bekämpfte , Reue und Mißmuth quälten sie unaufhörlich . Sie starb so allmälig hin , bis der rechte Friede bei Florio ' s Geburt über sie kam , und ihre Augen schloß . Euer Vater ward auch ganz still und innerlich klar . Er küßte euch Alle , und ging mit der Harfe im Arme davon . Niemand wußte , wo er geblieben sey . Des Cardinals Spione waren schon früher bis hieher gedrungen . Jetzt trat er hervor , und bemächtigte sich eurer , ohne daß es jemand wehren konnte ; Eusebio hatte euern Vater nie verlassen , er begleitete auch seinen Rodrich ins Kloster . Florio blieb in meinen Händen . Seine Schwächlichkeit ließ seinen Tod erwarten , überdies versprach ich , ihn für meinen Sohn auszugeben , und als solchen zu erziehen . - Späterhin verbreitete sich der Ruf eines heiligen Mannes hier in der Gegend . Ich ahnete die Wahrheit , ging zu ihm , und erkannte meinen geliebten Herrn . Miranda , sagte Florio , ist ihrerseits vom Kloster aus , ebenfalls zur stillen Klause gewallt , um dort , in der innern Bedrängniß , Rath und Hülfe zu suchen . Der Anblick erschütterte den Vater über alles . Sie enthüllte ihm ihr reines Leben in seinen seltsamsten Verhältnissen , und er erkannte sein Kind . Rodrich saß während dessen nachdenklich zwischen den Erzählenden , als ein Wagen vorüber rollte , aus welchem sich Aline weit herausbog , und ihm mit schmerzlicher Gebehrde die Arme entgegen breitete . Er gerieth ganz außer sich , und wollte ihr sogleich folgen , allein Florio stellte ihm vor , daß es besser sey , erst zu Sara zurück zu kehren , um dort das Nähere zu erfragen . Er gab endlich nach , und sie machten sich eilends auf den Weg . Sara erzählte bei ihrer Ankunft , daß der Geistliche durch nichts zu bereden gewesen sey , Alinen in der Hütte zu lassen , und daß ihre wiederkehrende Gesundheit ihn bestimmt habe , sogleich mit ihr zum Kloster zu eilen . War das auch ein Traum ? sagte Rodrich betrübt , und alles was ich sah und fühlte , das ganze Leben , ach , und mein trügerisches Daseyn auch ? Florio schloß ihn theilnehmend an sein herz , allein Rodrich blieb den ganzen Tag über still und in sich gekehrt . Die Nacht führte alle wieder zu dem verwaisten Hause zurück . Sie fanden Miranda und Elwire an des Einsiedlers Seite . Es war ein stiller , heiliger Moment , in welchem sie einander in die Arme sanken . Miranda zog leise den Ring von Rodrichs Finger : das ist die wiedergefundne Perle , mein Vater , sagte sie sanft lächelnd . Der Einsiedler betrachtete sie aufmerksam , als sich die Thür ungestüm öffnete , und Stephano und der Kardinal hereintraten . Mörder , schrie der erstere , auf Rodrich eindringend , vertheidige dich . Stoß nur zu , erwiederte jener , ich habe keine Waffen . Was zaudern sie , sagte der Kardinal , es ist göttliche Rache ! Wie ein Blitz durchbohrte Stephano ' s Schwerdt beide Brüder , die sich fest umschlingend zu des Vaters Füßen stürzten . Mein Traum , der Laokoon , stammelte Rodrich . Miranda sah mit einem zerreißenden Blick auf Stephano , der das Schwerdt fallen ließ , und wild hinausstürmte . Das ist die wiedergefundne Perle , sagte der Einsiedler , sich über beide Kinder neigend . - Der Kardinal wandte sich langsam zur Thür , und trat schweigend hinaus . Ach , mein edler Herr , rief Martin , seinen zerrissenen Mantel über die Todten breitend , so ärmlich sollten eure Kinder zur Erde bestattet werden . Laßt nur , sagte Miranda , wir gehen nun alle zu Grabe . Der Schleier soll mich auf ewig vor der Welt verbergen . Der Einsiedler hatte sich matt auf das Ruhebett gelehnt , und sang wie in innrer Verzückung : Was der Tiefe ward entrissen , Kühn ans Tageslicht gerufen , Sinkt zurück in Liebesarme , Scheu vor euren wilden Gluthen . Steig ' hinunter in die Wasser , Kühle deines Herzens Wunden , Und im feuchten Schooße finde Neu erblüht die Wunderblume .