sehe die Fußtapfen , die er hinterlassen hat und die überall gesegnete sind ... Sein Leiden ist ganz persönlich das meine ; seinen Todeskampf ring ' ich mit ; er lehrt mich am Kreuz lieben und vergeben ... Auf Liebe , Glaube , Hoffnung , begründet durch Christus und einen persönlichen Gott , müssen wir unsere Kirche erbauen - « ... Darunter hatte denn der Onkel mit seiner alten zitternden Hand und in seinem friedlichen Sinn geschrieben : » Im Grunde ganz unverfänglicher Glaube des Petrus Waldus , in Ruhe gestorben um 1200 , aber in seinen Anhängern , den Waldensern , gekreuzigt , gerädert , geviertheilt , verbrannt bis auf den heutigen Tag . Fiat lux in perpetuis ! « ... Das Unkatholischste , was sich denken läßt , ist eine in der Kirche sprechende Frau ... Aber Armgart , ohnehin schon in einem geknickten Zustande , fühlte sich durch diesen Brief der Mutter vollends daniedergebeugt ... Weniger empfand sie Rührung um das Bekenntniß der Mutter , als um den tiefinnern , soweit schon gekommenen Schmerz , der ihm offen zu Grunde lag , um die ungeheure Aufregung , den Bruch der Seele in dieser stolzen Frau zu erkennen zu geben ... Sie sah die erbangende Liebe für den Vater , Liebe für den von seiner Krankheit gebeugten Hedemann ... Ein schlichter , wissenschaftlich ungebildeter Mann hatte durch die immer gleiche Gediegenheit seines Charakters und die unerschütterliche Consequenz seiner Denkweise die Oberherrschaft über seine Umgebungen gewonnen ... Die Mutter wollte nichts mehr wissen von der Herrlichkeit und Einbildung dieser Welt - sie wollte fühlen wie der geringsten einer und ihr Gatte folgte dem Beispiel , das sie mit so beredten und feurigen Worten zu erläutern wußte ... Armgart durfte sich bei Alledem wenigstens sagen : Du allein hast die Aeltern so verbunden ! ... Voll Rührung schrieb sie der Mutter , sie wolle nun zu ihnen kommen ... Die Mutter , ihr selbst sich nicht im mindesten ebenso weich offenbarend , wie dem Onkel , entgegnete ihr : » Kind , du weißt , daß Paula , dein einziger hiesiger Anhalt , den ich gestatten würde , in Italien ist ... Daß du deine Stelle im Stift einnimmst , wieder mit Benigna , die dich mir einst schon raubte , in Westerhof lebst , ist nicht möglich ... Es wäre ein Bruch mit allem , was unser Stolz , unsere Erhebung geworden ist ... Diese Menschen hier sind ja wahnsinnig ... Gott der Herr wird auch an ihnen gute Gründe finden , warum er sie nicht ganz verwirft ; ich verwerfe sie ... Im Stift Heiligenkreuz würdest du nur zu unserer und deiner Kränkung deine Stelle einnehmen ... Glücklicherweise ist dir auch gestattet , deine Pension auswärts zu verzehren ... Wir sehen jedoch ein , daß unsere eigenen Wege für deine Jugend noch zu rauh sind ! Bleibe also noch getrost bei deiner trefflichen Lady ! « ... Dann folgte eine Antwort auf die Frage nach den räthselhaften Andeutungen über Benno ' s Ursprung in dem letzten Briefe der Mutter , die Versicherung , daß Benno der Bruder des Präsidenten von Wittekind wäre und noch eine Schwester besessen hätte , die einst Graf Hugo entdeckt , erzogen , geliebt und daß er lange ihr trauriges Ende beweint hätte ... Das war , alle ihre Lebensgeister erschütternd , gerade der empfangene Eindruck , als sie nun von jener Freundin in Paris , die von ihr um die Herzogin von Amarillas befragt wurde , Aufklärungen erhielt , die diese , ohne das nähere Interesse Armgart ' s zu kennen , in aller Harmlosigkeit gab ... Die Herzogin von Amarillas , hieß es , hat aus erster Ehe einen Sohn , der sich Cäsar von Montalto nennt und sie mit einer wahrhaft schwärmerischen Liebe verehrt ... Herr von Montalto ließ sich in Conspirationen ein und gerieth in die Engelsburg ... Seine Retterin , sagt man , war die Nichte des Cardinals Ceccone selbst , die ihm hierher nachgereiste Fürstin Olympia Rucca ... Herr von Montalto soll anfangs nur an die Hülfe seiner Mutter , der Herzogin von Amarillas , geglaubt haben ... Natürlich ergriff er die Hand , die ihm die Mittel bot , aus einer so verzweifelten Lage zu entfliehen ... Schon die Untersuchung , schon die bis zur Tortur gehenden Fragen nach den übrigen Mitgliedern der nicht ganz gesprengten Loge , die Fragen nach dem Zusammenhang seiner Verhältnisse mit denen jener in eine Falle gelockten Gebrüder Bandiera , erzählte man uns , hätten jahrelang dauern können ... Herr von Montalto erkannte erst durch die Bequemlichkeit der ihm gebotenen Hülfsmittel , durch den Fund eines geregelten Passes , durch die sichere Einschiffung in Civita-Vecchia auf einem nach Marseille bestimmten Handelsschiff die mächtige Hand , die über ihm waltete ... Wenige Wochen und die pariser apostolische Nuntiatur erhielt einen neuen Attaché im Fürsten Ercolano Rucca ... Seine Gattin , eine allerliebste kleine Hexe , wenn ihr Teint auch fast grünlich ist und ihr Wuchs einem Däumling gleicht , doch mit Augen wie funkelnde Diamanten und einem wahrhaft märchenhaft blauschwarzen langen Haar , das sie in reizenden Flechten trägt , und die Herzogin von Amarillas wohnen gemeinschaftlich in einem und demselben Palais der Rue Saint-Honoré ... Beide stehen im Vordergrund der pariser Gesellschaft ... Cäsar von Montalto wird täglich mit der wilden Italienerin gesehen , die Furore macht ... Ich höre , die französische Regierung hat von Metternich Befehl erhalten , alle italienischen Flüchtlinge auszuweisen ... Herr von Montalto wird dann wahrscheinlich mit seiner Mutter und der Fürstin Rucca nach London kommen ... Düstere Nacht legte sich nach dieser Mittheilung auf Armgart ' s Auge ... Nun wußte sie alles ... Und doch sollte sie ihre Geisteskraft zusammennehmen , um aus London zu entfliehen ... Denn bleiben konnte sie nicht ... Sie lebte in der großen Welt , sie konnte , sie mußte den Ankömmlingen begegnen ... Sie mußte , vor dem Verlorenen entweichend , in die Heimat zurück ... Nun erst verstand