, unterließ er es doch nie , den Wert oder Unwert dieser Neuerungen erst im kleinen festzustellen , und wußte dadurch eine bis dahin mehr theoretisierend-wissenschaftliche Wirtschaftsführung in eine praktisch-wissenschaftliche zu verwandeln . In eine praktisch-wissenschaftliche , der denn auch , anstelle von ehedem meist unsicheren Resultaten , alsbald die gesichertsten zur Seite standen . Insonderheit erfuhr der Viehstand eine sich beständig steigernde Pflege , Mastvieh wurde Liebenberger Spezialität , und die Prämiierung dafür eine Selbstverständlichkeit . Wie denn auch wirklich ein mit mehr als zwanzig Preismedaillen angefülltes Schubfach von ebenso vielen Ausstellungssiegen erzählt . 6. Kapitel 6. Kapitel Liebenberg ( das gegenwärtige ) ; sein Schloss und seine Bilder , seine Kunst- und Erinnerungsschätze Unter dem vielen , was seit 1867 in Liebenberg umgewandelt wurde , war auch das Schloß . * Schloß Liebenberg wurde von den Bredows erbaut , die , beinahe zwei Jahrhunderte lang , von 1460 bis 1652 , an dieser Stelle saßen . Von diesem ursprünglichen Bredowschlosse sind nur noch die Souterrains übrig , prächtige Kellergewölbe , darin sich bis diesen Tag die Küchen- , Wasch- und Wirtschaftsräume befinden . Was ums Jahr 1652 , als das verwüstete Liebenberg in den Besitz Jobst Gerhard von Hertefelds kam , an bewohnbaren Oberräumen aus der unmittelbar voraufgegangenen Epoche noch existierte , hat sich im einzelnen nicht feststellen lassen . Aus Aufzeichnungen des von stattgehabten herrschaftlichen Trauungen und Taufen erzählenden Kirchenbuches geht aber zur Genüge hervor , daß solche Räume wenigstens überhaupt vorhanden gewesen sein müssen und daß man sich mit diesen Resten aus der Bredowzeit bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts begnügte . 1711 erst wurde das Unausreichende der überkommenen Wohnstätte lebhafter empfunden und der Oberjägermeister Samuel von Hertefeld entschied sich , wie schon hervorgehoben , unter Beibehaltung der alten Fundamente , für Errichtung eines Neubaues . Aber auch dieser Neubau , Hochparterre mit Mansarde , besaß immer mehr noch den Charakter eines Herrenhauses , als eines Schlosses und nur das Treppenhaus und die Korridore zeigten einigermaßen große Verhältnisse . Dieser Bau des Oberjägermeisters blieb über hundertundzwanzig Jahre lang unverändert , und erst unter dem » letzten Hertefeld « , dessen Gastlichkeit mehr Fremdenzimmer erforderte , wurde , zwischen Erdgeschoß und Mansardendach , ein erstes Stock eingeschoben . Es war das Anfang der dreißiger Jahre , wonach wieder Ruhe folgte , bis Anfang der siebziger Jahre Graf Eulenburg immer deutlicher und immer unbequemer die Wahrnehmung machte , daß es dem Schloß , all seiner Räumlichkeiten unerachtet , oder vielleicht auch um dieserwillen , an einem großen Raume gebrach . Und daraufhin entstand 1875 ein Anbau , der , rechtwinklig auf die Mitte des alten Baues gerichtet , aus dem einfachen Langhaus ein Haus in Form eines lateinischen T herstellte . Der Anbau selbst empfing mittlerweile den Charakter einer einzigen großen Halle , die , soweit meine Kenntnis märkischer Landsitze reicht , in unserer Provinz ihresgleichen kaum finden dürfte . Vielmehr gleicht sie , soweit Dimensionen mitsprechen , einer mittelalterlichen englischen » hall « und unterscheidet sich von einer solchen nur dadurch , daß ihr , unter Wegfall alles Steifen und Feierlichen , umgekehrt ein heiteres und anheimelndes Ansehen gegeben wurde . Dies geschah einerseits mittels Aufstellung einer 12000 Bände zählenden Bibliothek , aber wohl mehr noch dadurch , daß man eben diesen Raum , unbekümmert um seine Größe , zum eigentlichsten Versammlungs- und Aufenthaltsraum , kurzum zum gemeinschaftlichen Wohnzimmer machte . Hier sitzen die Damen am Schreib- und Maltisch , hier wird gelesen und musiziert , geplaudert und Billard gespielt , oft alles zu gleicher Zeit , und eben dadurch allem jener warme Ton gegeben , ohne den es eine wahre Wohnlichkeit nicht gibt . Ein vorgebauter Pavillon und ein Blick auf den Park unterstützen diesen Eindruck . Außer diesem Neubau , darin sich das Leben im Schloß oder doch seine gesellige Seite konzentriert , ist es besonders das aus den Tagen des Oberjägermeisters herrührende Treppenhaus , was ein Interesse weckt . Es findet sich hier , auf Podesten und Korridoren , all jener » Urväter Hausrat « zusammen , jener Nipp im großen Stil , der den Besuch alter Schlösser so lehrreich und anziehend zu machen pflegt : Uhren mit und ohne Schlag , alte Rüstungen , die dann und wann einen Handschuh oder eine Beinschiene verlieren , Antiquitäten und Kuriositäten , und vor allem große , bunt und prächtig geschriebene Stammbäume , die keiner recht liest , als fürchte jeder die Stelle zu finden , wo sein eigener Name hinkommen und zu Zukunftsgeschlechtern sprechen wird . Auf einzelne dieser Dinge des längeren oder kürzeren einzugehen , wird mir in nachstehendem obliegen . Bilder Ich beginne mit den Familienbildern . A. Die Hertefelds 1. Heinrich von Hertefeld ; trägt die orangefarbene Schärpe der Geusen . Er fiel 1574 in der Schlacht auf der Mookerheide , die Graf Ludwig von Nassau gegen den Herzog Alba verlor . Brustbild . Kopie nach einem niederländischen Meister von Frau von Esebeck , geborene von Rothkirch , Schwester der Gräfin Eulenburg . 2. Oberjägermeister Jobst Gerhard von Hertefeld , gestorben 1659 . Langes , schwarzes Haar und großer , weißer Fallkragen . Einen Jagdspieß in der Hand . Männlich energische Züge . Sehr gutes Bild . Niederländer . 3. Oberjägermeister Samuel von Hertefeld , gestorben 1730 . In Ritterrüstung , in der sich Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts Adlige mit Vorliebe malen ließen . Ich erinnere nur an das bekannte Derfflingerporträt . ( Vielleicht aber war es auch eine wirkliche Kürassieruniform und nicht eine fingierte Ritterrüstung . ) Von Antoine Pesne . 4. und 5. Kammerherr Ludwig Kasimir von Hertefeld und Frau Luise Susanne , geborene von Beschefer . Beide von Antoine Pesne . 6. Kammerherr Ludwig Kasimir von Hertefeld ; gestorben 1790 . Zweites Bild von ihm . In seinen letzten Lebensjahren von der Madame Therbusch gemalt . 7. Landrat Friedrich Leopold von Hertefeld ; gestorben 1816 . Derselbe , von dem ich in dem Kapitel » Die Hertefelds « ausführlich erzählt habe . – Weil er