vom Geheimen Archivrat von Mülverstedt herausgegebenen Urkunden- und Geschichtsbuche des Hauses Eulenburg entnommen . Ich versuche diesen Angaben einiges Weitere hinzuzufügen , insonderheit aus den Wrangeltagen des Grafen . Es läßt sich unschwer erkennen , daß Graf Philipp Eulenburg in besonderer Gunst bei Wrangel stand . Aber so gewiß dies einerseits etwas Erfreuliches war , so war es doch andererseits ein gefährlicher und nicht immer beneidenswerter Vorzug . Es scheint nämlich in der Tat , daß der alte Feldmarschall sich vorgesetzt hatte , sein soldatisches Leben auch soldatisch zu beschließen und daß er während der ganzen dänischen Kampagne mit einer Art von Freudigkeit auf eine dänische Kugel wartete . Nichts war ihm daher anheimelnder , als mit seinen Adjutanten und Ordonnanzoffizieren im Schußbereiche des Feindes , am liebsten aber um Schanzen und Festungswerke herumzureiten und auf die Frage nach dem » Warum « entweder elegisch oder sarkastisch zu replizieren . Im elegischen Falle hieß es : » der alte Mann wird tot geschossen « , im sarkastischen : » ei , mein Sohn , wenn du lieber nach Hause reitest , so reite nach Hause « . Doch verlautet nicht , daß er über solche Zwischenfälle jemals ernstlich böse geworden wäre . Sein bon sens war zu groß , als daß er nicht das Berechtigte solcher Vorstellungen erkannt haben sollte . Noch in demselben Jahre 1864 , oder vielleicht auch früher schon , unternahm Wrangel in Begleitung Graf Eulenburgs eine Reise nach Schweden , um die dortige Vetterschaft zu begrüßen und den großen Erinnerungen aus der Zeit des schwedischen Feldmarschalls nachzugehen . Einer seiner ersten Besuche galt denn auch dem ehemaligen Wrangelschlosse Skokloster am Mälarsee . Die zeitige Besitzerin , eine alte Gräfin Brahe , machte die Honneurs des Hauses und übernahm selbst die Führung ihres berühmten Gastes . Überall , in allen Bilder- und Waffenkammern , waren die Schätze gesammelt und aufgetürmt , die der Wrangel » vom blauen Regimente Südermannland « seiner Zeit in Deutschland hatte mitgehen heißen , und immer wenn die alte Brahe sagte : » Sehen , Herr Graf , ein wie schönes Tableau « replizierte der alte Wrangel : » Wissen , Frau Gräfin , alles gestohlen « . Aber die Gräfin war eine Dame von Welt , und hörte nichts und lächelte nur , und so kam es , daß man sich nicht bloß in aller Freundschaft trennte , sondern sich auch Geschenke zusagte , wobei seitens des alten Wrangel sein Wrangelküraß in Aussicht gestellt wurde . Und in der Tat , als er kaum wieder in seinem Hotel zurück war , wandte er sich an Eulenburg und sagte : » Schick ' ihr meinen Küraß . « » Exzellenz , Ihren Küraß haben wir gar nicht mitgenommen . « » Dann schick ' ihr deinen . « Und so kam der Eulenburgküraß als Wrangelküraß ins alte Wrangelschloß . Unter den Eulenburgs ist anläßlich dieser Geschichte gelegentlich die Frage verhandelt worden , ob es sich nicht gezieme , der Gräfin Brahe , beziehungsweise deren Erben , über diese Dinge Mitteilung zu machen und ihnen den echten Wrangelküraß , der zufällig viele Jahre später als Erbstück an Graf Eulenburg kam , auf Austausch anzubieten . Es ist aber schließlich Abstand davon genommen worden , wohl in Erwägung , daß es als » preußische Kriegslist « zur Rückeroberung eines » doch vielleicht echten « Wrangelküraß angesehen werden könnte . An Ereignissen , wie die eben geschilderten , waren die Wrangeltage reich , am reichsten , wenn sie zugleich Inspizierungstage waren . Es gab dann Anekdoten über Anekdoten , in denen der Adjutant oft in aller direktester Weise mitzuspielen hatte . Wrangel inspizierte Truppen in Ruppin ( auch andere Städte werden genannt ) und die Ruppiner hatten ihren Jungfrauenflor in drei Gliedern aufgestellt . Die hübschesten natürlich in der Front . Wrangel küßte die ganze Frontreihe durch und sagte dann , auf den Rest deutend : » Eule , küsse weiter « . In der Regel indes war der Adjutant nur Augen-und Ohrenzeuge dessen , was vorfiel . So bei folgender Gelegenheit . Ein Bataillon genügte nicht , auf welche Wahrnehmung hin der Alte spöttisch und zweideutig bemerkte : » Das nächste Jahr , Herr Major , werd ' ich Ihnen woll nich wiedersehn . « » Aber Exzellenz sind ja noch so rüstig « , antwortete dieser . Und Wrangel , der Geistesgegenwart liebte , drohte nur lächelnd mit dem Finger und ließ es für diesmal bei dem bloßen Avis bewenden . Auf derselben Inspektionsreise , wenn ich nicht irre , sah der Alte , daß ein junger Offizier unvorschriftsmäßige Sporen trug , und gab ihm ohne weiteres vierundzwanzig Stunden Arrest . » Aber Exzellenz tragen ja eben solche . « » Jut , mein Sohn . Da kannst du jleich noch vierundzwanzig Stunden vor mir mit absitzen . « * Es waren interessante Jahre , die Wrangeljahre , wichtiger aber im Leben des Grafen wurde doch die Zeit ( 1867 ) , als er die Bewirtschaftung von Liebenberg antrat . Er erwies sich sofort als ein ebenso tüchtiger wie passionierter Landwirt und hob den ihm zugefallenen großen Besitz weit über das hinaus , was er vorher gewesen war . Auch der » alte Hertefeld « hatte seiner Zeit für einen ausgezeichneten Landwirt gegolten und nicht ohne Grund , aber ausgerüstet mit einer wahren Probier- und Experimentalmanie , war ihm der praktische Gewinn immer nur ein Wünschenswertes , nie die Hauptsache gewesen . Die Hauptsache war ihm das beständige Suchen und Versuchen , und wenn ihm dabei hohe Summen verloren gingen , so hielt ihn das Interesse schadlos , das der Versuch als solcher ihm eingeflößt hatte . So der alte Hertefeld . Aber mit dieser Form einer mehr oder weniger genialen Agrikultur war es von dem Augenblick an vorbei , wo Graf Philipp Eulenburg die Zügel übernahm und dem » bloßen Experimentieren um des Experimentierens willen « ein für alle mal ein Ende machte . Jeder Neuerung ein gleiches Interesse schenkend wie sein Vorgänger