Gesellschaft Londons verschwunden ... Seit dann Bonaventura in der That mit glänzender Genugthuung Erzbischof von Coni geworden war , hörte sie von Westerhof , mit Ausnahme der ihre Aeltern betreffenden Nachrichten , eine Weile nur Frohes und Gutes ... Noch war Paula in Westerhof ... Armgart schrieb ihr , sie möchte alles aufbieten , die Aeltern vor dem Aeußersten ihrer Unternehmungen zu bewahren ... Als sie Briefe erhielt , die hier jede Möglichkeit der Einwirkung in Abrede stellten , kämpfte sie mit sich , ob sie nicht sofort abreisen sollte ... Sie würde diesem Triebe gefolgt sein , wenn nicht von ihrer Mutter das ausdrückliche Verbot gekommen wäre ... Die Mutter fügte hinzu , daß sich auch gegen Paula ' s und des Grafen längeres Verweilen in der Provinz Intriguen zeigten ... Die Geistlichen hätten gegen die Wunderkraft Paula ' s gepredigt ... Der Zustrom derer , die Heilung begehrten , hätte , seitdem überall in den Beichtstühlen der Besuch Westerhofs widerrathen würde , abgenommen ... Die Ehe mit einem Lutheraner , die geistige Verbindung mit einem Deutschkatholiken könnte ja auf alle Fälle nur Unheil bringen ... Man trüge sich mit Abschriften der Gesichte , die Paula unter des Vaters magnetischer Hand gehabt hätte , und fände in ihnen einen Himmel und eine Erde , die mit den rechtgläubigen Bedingungen nichts gemein hätten ... Während Paula alle Obliegenheiten ihres Glaubens noch immer erfülle , erschiene ihr in ihren Wahn- und Ahnungsgebilden weder der blutende Christus , noch sein durchstochenes Herz , weder das Lamm mit der Fahne , noch die Mutter Gottes ... Sie sähe Tempel , aber sie wären ohne Hochaltar ; sie sähe Opfer , aber sie schienen nichts als der Duft der Blumen zu sein ... Paula behaupte , von jedem Dinge die Seele zu erblicken und diese trüge nichts zur Schau von einem Verlangen nach Erlösung ... Meist schwebte alles , was sie sähe und erkenne , über einen unermeßlichen Regenbogen hinweg ... Armgart ' s Bildung und Stimmung war reif genug , zu sagen : Sie sieht aus den inneren Erfahrungen ihres Herzens das Land ihrer Sehnsucht , wo es keinen Haß und keine Verfolgung mehr gibt ! ... Die Mutter sagte : Sie sieht , unter meines theuern Gatten Hand , das Land der Wahrheit ... Der Onkel Dechant schrieb : Sie sieht - Italien ! ... Die Gegensätze hatten , das erkannte Armgart , um Witoborn eine Höhe erreicht , wo es keine friedliche Ausgleichung mehr gab ... Schon hatten Monika und Benigna , Ulrich und Levinus Hülleshoven wieder ihre natürlichen Stellungen eingenommen und trotzdem , daß oft der Oberst nach Westerhof kam , innerlich gebrochen ... Selbst Graf Hugo war geneigt , für die Bewahrung des Alten Partei zu nehmen , wenigstens keinen Anstoß erregen zu wollen durch zu auffallende Begünstigung der kleinen Ketzergemeinde in Witoborn ... Und Monika sagte offen , daß Paula noch den Grafen zu ihrem Bekenntniß hinüberziehen würde ... Briefe voll äußersten Schmerzes kamen darüber aus Castellungo von des Grafen Mutter ... Armgart schrieb hin und her zur Vermittelung , zur Aufklärung ... Vergebens ; der Bruch zwischen ihrer Mutter und Westerhof wurde unheilbar ... Graf Hugo konnte sich nur mit Schwierigkeit , Oberst Hülleshoven unter keinerlei Bedingung mehr in Witoborn halten ... Armgart ' s Aufregung wuchs , als der Onkel Dechant , der von allen diesen Vorgängen , von Benno ' s Schicksalen , von den allmählichen Entdeckungen über dessen Herkunft seine schon dem Erlöschen nahe Lebensflamme noch einmal neu und nicht wohlthuend geschürt sah , gerade ihr , der er sich , seit Armgart ' s vertrauensvoller Bitte um seine Hülfe beim Aussöhnen ihrer Aeltern , besonders theilnehmend zugewandt hatte , aus Kocher schrieb : » Zu den Mislichkeiten des Kampfes deiner Aeltern gehört vorzugsweise die ausbleibende Unterstützung durch den Staat ... So tiefe Wurzeln hat bereits die durch die katholische Reaction geschürte Reue über den Abfall von Rom bei den maßgebenden Protestanten geschlagen , daß sich niemand findet , der diese große Bewegung einer Reform des römischen Glaubens würdig unterstützt ... Die protestantischen Regierungen fühlen ganz das , was die Jesuiten zum Staatskanzler gesagt haben sollen : Wir sind Conservatoren ! Wir erhalten und bekämpfen eben das , was ihr ! ... Die Fürsten Deutschlands suchen die kleinste Aenderung des Gegebenen zu hindern , im Vorgefühl , daß ein einziges weggenommenes Sandkorn zur stürzenden Lavine anwachsen könnte ... So muß diese denkwürdige Bewegung , da sie ohne den Beistand tieferer Geister bleibt , in sich ersterben , ja sie wird zum Gewöhnlichen herabgezogen und , ganz nach den Anweisungen der Jesuiten , zu einer Sache mehr oder weniger nur des Pöbels gemacht werden « ... Die kindliche Liebe , die Bewunderung , die Armgart vor der treuverbundenen Zärtlichkeit ihrer Aeltern erfüllte , entwaffnete ihren Widerspruch gegen alles , was von den Aeltern unternommen wurde ... Wie es verzweifelte Aufgaben mit sich zu bringen pflegen , die Wahl der Hülfsmittel , die die Aeltern ergriffen , konnte sie unmöglich alle billigen ... Selbst der ruhige , kaltblütige Vater ließ sich vom trotzenden Sinn der Mutter zu Unbedachtem fortreißen ... Allen Adelsgenossen der Gegend bot er das Schauspiel eines mit Absicht den Nimbus seiner Geburt Zerstörenden ... An seiner Fabrik betheiligte er sich wie ein Arbeiter , ließ sich wie ein Schreiber in seinem kleinen Wohnhause mit der Feder hinterm Ohr erblicken , unterschrieb die kleinsten geschäftlichen Veröffentlichungen mit seinem vollen Namen und löste auf diese Art jeden Zusammenhang mit seinen Standesgenossen ... Und doch rührte es Armgart , daß die Mutter bei allen diesen Dingen gleichsam nachholte , was sie in zwölfjähriger Trennung ihrem Manne zu sein unterlassen hatte ... Zur selben Zeit , als es dann plötzlich hieß , Paula ist wirklich nach Italien gereist - es mußte in schnellem Entschluß geschehen sein , da Armgart nicht einmal von Paula selbst die Nachricht erhielt - erlebte Armgart den Schrecken , daß Thiebold in London war und sie nicht besuchte ... Terschka war seit einiger