die alle drei kennen ... Der Strom rauscht . Es ist derselbe , auf dem einst Murray entflohen ... Ein Kahn steht am Ufer ... Rasch gleitet er die Strömung hinunter ... Der Alte rudert ... Wer ist dieser Retter , Jagellona ? Wer fährt uns da ? Die Heldin schmiegt sich an die Brust des Gatten und sagt nur : Dieser Alte hat mich schon einmal vom Tode gerettet ... Werdeck sann hin und her . Vom Tode schon Einmal ? Wer ist der Alte ? Eine halbe Stunde vorüber ... Die Flüchtlinge steigen an einer einsamen Fischerhütte aus ... betreten die menschenleere aber erleuchtete Hütte und finden Kleider , die für sie bestimmt sind . Wer ist der Greis ? fragt Werdeck wiederholt , als er sein muthvolles Weib nun in Frauentracht in die Arme schließt . Wir brauchen einen Zeugen für unsre Erzählung , sagte sie . Komm nur ! Damit folgen sie dem Alten , der eine Blouse übergeworfen hat , folgen über ein sandiges Ufer , dann einen Wiesenrain , zuletzt stehen sie auf der Landstraße . Ein Wagen mit zwei Pferden , dessen Zügel Jemand , unkenntlich in der Nacht , wartend in der Hand hält ... Der Major tritt näher ... forscht ... Es ist Leidenfrost ? Aber rasch ! Rasch ! Der Invalide spricht ' s , ergreift die Peitsche , springt mit noch jugendlicher Kraft auf den obern Sitz und während Leidenfrost , Werdeck und Jagellona , die drei im Geist Verbundenen , rasch in den Wagen steigen , spricht die muthige Frau endlich mit erleichtertem Herzen , weinend in ihrer Freude , erlöst von den bangendsten Gefühlen : Wir sind in Sicherheit . Die Schläge des Geschickes , das so gespenstisch mit uns redete , machen endlich eine Pause . Die zerrissenen Bruchstücke dieser Tage , wo der Eine hier , der Andre dort die grausame Hand eines uns wahrlich zuweilen wahnwitzig erscheinenden Verhängnisses fühlte , bilden doch ein Ganzes , ein Großes , die Einheit eines Zieles , an das wir nun wol werden Alles geben müssen . Freiheit höre ! Die Liebe will dir erzählen ! Ende des achten Buches . Neuntes Buch Erstes Capitel Tempelheide Des Herbstmorgens erste Frische war vorüber . Die Nebel , die der Sonne Aufsteigen umschleierten , sanken auf die große Ebene nieder , in deren breiter Ausdehnung die Hauptstadt hingegossen lag mit ihren Kirchthürmen , ihren Riesenschornsteinen , dem Dampf der Essen , dem aufgewirbelten Staub der Straßen und Plätze , einer Hülle , die den schärfsten Pfeilen des Sonnengottes Widerstand leistete und mit ewigem Grau , zu jeder Jahreszeit , selbst gegen die reinste Bläue des Himmels Einspruch that . Rings aber um die große Ebene und ihr Gewühl zog sich ein grüner Rand , unentweihter , je entlegener von der Berührung mit den Menschen des Trottoirs . Am westlichen Ende Solitüde mit seinem Park , seinen Niederungen , seinen Eichenhainen ; am östlichen eine Aufdachung von Sand- und Kalksteinbergen , dicht bewaldet , von Straßen , von Eisenbahnenkerfen durchschnitten . Tempelheide dieses Aufganges Beginn . Wie eine Hüterin lag die alte Kirche mit ihren Linden oberhalb der Landstraße , die an Lebendigkeit gewonnen hatte , seit der allmächtige Fürst Egon von Hohenberg sich von den Mühen eines nun fast einjährigen Regimentes für einige Wochen auf seinem väterlichen Schlosse ausruhte . Wie ruhig liegt die Stadt da unten , die Egon gebändigt hatte ! Nach Solitüde , wo jetzt die königlichen Herrschaften wohnten , sprengten nicht so viel Kuriere , Gendarmen , reitende Boten , wie hier an der alten Kirche mit dem Dreiblattkreuze , dem Gartenpavillon und dem Tannenparke des alten Obertribunalspräsidenten von Harder vorüber nach Hohenberg . Doch da es hier bergauf ging und Alles langsamer fahren und mäßiger reiten mußte , so wurde der Friede der ländlichen Besitzung nicht zu sehr gestört . Anna von Harder war ohnehin keine krankhafte Einsiedlerin . Sie liebte den Zusammenhang mit der Welt , wenn sie auch nicht an die Welt verloren gehen mochte . Sie saß gern unter dem kleinen Schirmdache , von dem herab sie einst Siegbert Wildungen in der heißen Julihitze einen Becher Weins gespendet hatte . Sie erwiderte gern jeden Gruß , den man ihrer würdevollen hohen Gestalt mit den einfachen Trauerfarben ihrer schlichten Kleidung bot . Zuweilen stand , ein stolzes Rad schlagend , der von glänzenden Farben übersäete Pfau aus dem Hühnerhofe hinter ihr , wie neben der Juno ; aber die edle Frau hatte nur die Haltung , nicht den Stolz der Beherrscherin des Olymps . Sie dachte auch von dem majestätischen indischen Vogel anders als die Kinderlehre . Sie gab dem gekrönten Thiere mit dem klugen schüchternen Auge freudig Körner aus ihrer Hand - im Schlitz des Kleides war eine nie leere Vorrathskammer für die Thierwelt ihres greisen Pfleglings - und fand den stolzen , wiegenden Gang des schönen Thieres , während das emporgehaltene mit blaugrünen Augen eingefaßte Rad in der Sonne funkelte und wie ein Fächer schwankte , sich hob und sich senkte , eben so würdig wie lehrreich , und oft genug hatte sie die kleine Paulowna Wäsämskoi auf den Pfauengang aufmerksam gemacht , als eigentlich den Gang , der sich in Gesellschaften , Vorstellungen , bei Hofe und mit gesenktem Haupte auch in der Kirche zieme . Die gewöhnliche Thiermoral existirte nicht in Tempelheide . Hier vertrug sich Reh und Hund , Hund und Katze , ja hier war schon vorgekommen , daß eine Katze die Jungen eines Mäuschens aufgezogen hatte . Für den Tannenhain , der die einfache Besitzung mit ihren grünen Rabatten , dem kleinen Gemüse- und Blumengarten , dem einem Jagdschlosse ähnlichen , gedrückten Hause und die großen Räumlichkeiten des Hofes rings umgab und sie von dem unmittelbar daran stoßenden großen Walde trennte , hätte man freilich lieber ein Gehölz von Buchen , von Linden und Eichen wünschen mögen . Anna selbst hätte diese rauschenden vollen Blätterwipfel sicher lieber über sich schwanken gehabt als diese ewig gleichen ,