Thiebold , des Abschieds von Benno , als dieser sie so tief beklagte ! ... Sie schrieben sich nun nicht , einer ließ den andern nichts von sich hören - und doch war alles , was Armgart erlebte , nur wie ein Stoff zum künftigen Bericht an beide , deren sie als Freunde so gewiß zu bleiben glaubte wie ihres Schattens ... Sie tummelten sich ja jetzt nur in der Welt , wie sie ; sie würden schon wieder zusammenkommen und Benno würde dann alles vergeben , was zu vergeben war , würde ausgleichen , was auszugleichen - Damals hatte sie einem alten Herzog , der sie , für so arm und papistisch sie galt , zu seinem Range erheben wollte , gesagt , sie wäre verlobt ... In jenen Wochen der Angst und Verzweiflung um Benno ' s Schicksal , hätte sie sogar Terschka ' s Rath und Beistand angehen können ; denn zu , zu verlassen fühlte sie sich ... Wem sollte sie sagen , was ihr Benno von Asselyn gewesen und geworden ! ... Sie flatterte wie ein zum Tod verwundeter Vogel und suchte nun auch Terschka selbst auf - sie schrieb ihm ... Aber gerade jetzt fehlte der sonst so Zudringliche , jetzt verbarg er sich - wo und warum ? ... Sie erhielt einen Brief von Schloß Neuhof , in welchem sich eine Einlage des Präsidenten für Terschka befand ... Diese wollte sie ihm überschicken ; es hieß , Baron Terschka wäre verreist - einige Italiener sagten , seine Abwesenheit hinge mit dem Aufstand der Brüder Bandiera zusammen , die von Korfu nach Calabrien eingebrochen waren , mit ihrer kleinen Schaar geschlagen wurden , im Silaswalde lange umirrten , dann von einigen Gefährten verrathen und in Cosenza - standrechtlich erschossen wurden1 - - ... Den Zusammenhang des Geschicks dieser edlen , damals von ganz Europa bemitleideten Jünglinge mit Benno kannte sie nicht ... Sie hörte nur überall den Schrei der Entrüstung über die Grausamkeit der Regierung Neapels ... Sie durfte damals noch das Aeußerste auch für Benno fürchten ... Im Begleitschreiben der Einlage an Terschka las sie , daß der Präsident sofort die Vermittelung der Regierung zu Gunsten Benno ' s in Anspruch genommen hatte , aber der traurige Bescheid war gekommen , daß diese den ehemaligen Landwehrmann Benno von Asselyn schon lange als fahnenflüchtig , zum mindesten als aus dem Unterthanenverband ausgeschieden betrachten und ihn seinem Schicksal überlassen müsse ... Man solle sich an Oesterreich wenden , hatte es mit bitterer Betonung geheißen , in dessen Diplomatie er eingetreten schiene seit seiner » Courierreise « nach Rom ... Bald aber kam die Kunde , Benno wäre befreit und von der Engelsburg entflohen ... Terschka war es , der diese Botschaft brachte ... Von ihrer Liebe konnte er sich an Armgart ' s Jubel überzeugen ... Seiner Erzählung nach wurde Benno mit dem Advocaten Bertinazzi und einigen angesehenen Männern gefangen genommen ... Ein Graf Sarzana konnte sich nicht unter ihnen befunden haben ; denn von Lucinden erzählte Terschka zu gleicher Zeit , daß ihre schon in London bekannt gewordenen Hoffnungen , eine Gräfin Sarzana zu werden , nicht die mindeste Störung erlitten hätten ... Durch eine Fallthür war es dem größten Theil der überraschten Loge möglich gewesen , einen aus dem Hause des Advocaten führenden geheimen Ausgang zu gewinnen ... Nun aber wäre Benno frei , befände sich in Marseille und müßte in diesem Augenblick in Paris sein ... Der Stachel , den Terschka mit den Worten : » Man sagt , die allmächtige Nichte des Cardinals Ceccone hätte ihn befreit ! « in ihr Herz drückte , haftete nicht allzu lange , denn Terschka führte den Stich nur zögernd ; er schien vollauf mit dem Brief des Präsidenten beschäftigt - mit welchem er über die von ihm noch zurückgehaltene vollere » Orientirung des Grafen Hugo in Betreff Angiolinens und der Herzogin von Amarillas « schon lange correspondirte und - rechnete ... Während Armgart nun von Tag zu Tag auf Nachrichten aus Marseille oder Paris harrte oder wenigstens aus Witoborn oder Kocher am Fall - auch mit dem Onkel Dechanten correspondirte sie - erfuhr sie die überraschende Anwesenheit Paula ' s und ihres nunmehrigen Gatten wieder auf Schloß Westerhof ... Paula hatte sich in Wien nicht heimisch fühlen können und war in ihre magnetischen Zustände zurückverfallen ... Der Oberst stand mit ihr im Rapport - Graf Hugo sah ihr jeden Wunsch am Auge ab ... Noch mehr , als die Provinz erleben sollte , der deutschkatholische Oberst magnetisirte die Gräfin Dorste , entführte sie ihr Gatte selbst diesen Conflicten und wollte mit ihr nach Italien ... Die Mutter des Grafen sah darin nichts als die äußerste Schwäche ihres Sohnes , der sogar seine Gattin dem Priester zuführe , den sie liebe ... In jenen Tagen geschah dies alles , wo Bonaventura in Rom war , um sich zu vertheidigen wegen seines Schutzes waldensischer Sektirer , ja wegen seines Rufs , ein Magnetiseur gewesen zu sein ... Wie mußte Armgart erstaunen , als Terschka die Botschaft brachte : Bischof Bonaventura kehrt nach dem Thal von Castellungo als Erzbischof von Coni zurück ! An die Stelle seines grimmen Feindes Fefelotti ! ... Wieder war es , wenigstens in Terschka ' s Darstellung , Fürstin Olympia Rucca , die als die Retterin und Vorsehung auch dieses Asselyns genannt wurde ... Schon setzte Terschka mit zweideutigem Lächeln hinzu , Fürst Ercolano Rucca hätte sich zum Attaché der Nuntiatur in Paris machen lassen und seine Frau wäre ihm vorausgeeilt , um in Paris - eine Wohnung zu bestellen ... Noch glitt aller Verdacht von Armgart ' s reiner Seele ... Nur das Eine begriff sie nicht , warum von Thiebold nichts verlautete , warum Benno nicht nach London kam , wo sich doch alle Freunde Italiens sammelten , auch die Trümmer jener so unglücklich gescheiterten Bandiera ' schen Expedition ... Terschka konnte dann nicht länger bei ihr gegen Benno wühlen ... Wieder war er für einige Zeit vom Schauplatz der