Leben und heißt jetzt so die Ordnung dieser rasenden Welt ? Wer ist der Dämon , der uns diese Grauenbilder schuf ? Welchem erbarmungslosen Moloch bringen wir diese furchtbaren Opfer eines kalten rücksichtslosen Ideengesetzes ? Nur wegen der Worte : Meuterei im Heere ! Bestand der eisernen Ordnung ! Ein Beispiel ! Ein Beispiel ! Wie ein Denkmal hingestellt die grause Warnung ! Was ist Euch , die Ihr so sprachet , so zu Gericht saßet , so die Kugeln zur Abstimmung zähltet , die Feder ergriffet zur Unterschrift , was ist Euch eine Person ? Eine Null ! Ein Nichts , gekleidet bei diesem Fall in eine bunte Jacke , die Hunderttausend tragen ! Sind wir nicht mehr Menschen , nicht eingebürgert auf der Erde zur Erfüllung irgend eines hohen Zweckes , den wir doch ahnen ? Und welche Sitten , welche Institutionen , welche Einrichtungen treiben uns hinweg von der friedlichen Vorbereitung auf diese unsre stillgeahnte Bestimmung ! In mein Ohr tönt es wie eine Disharmonie von tausend durcheinander fahrenden Instrumenten ! Mußte Das sein , du gutes , treues , bescheidnes Herz , das da unten für mich , zum Jammer für Menschen , deren Existenz auf dem großen Markt kalt ignorirt wird , verblutete ! Was löst diese Dissonanzen in einen reinen Akkord ? Was gießt wieder Wohllaut in diese friedlichen Herzen , Öl über diese stürmischen Fluten ? Worin begegnen wir uns zu unsrer wahren , sittlichen Menschenaufgabe ? Da liegen Bücher vor mir . Ich denke nicht mehr an die Lüge eines falschen Briefes , die mich hierher gebracht hat , an die Richter , die sie nicht glaubten , die mich aber doch verurtheilten , weil ich verurtheilt sein sollte . Ich schlage diese Bücher auf , die die Geschichte erzählen . Wo ich hinblicke , Dissonanz ! Menschen , die man liebt , niedergeschmettert von jenem Blitzstrahl des Himmels , den frevelnde Menschenhände wie einst Prometheus meist nur gestohlen haben , um das Schicksal nachzuäffen . Nero , Alba , Philipp , Das ist bekannt , Das ist von Allen verflucht - nein aber auch die glücklichsten Zeiten wimmeln von Schmerzen und grausamen Irrthümern . Soll Das ewig bleiben ? Ewig ? Nichts uns gewiß , als der ungewisse Blick empor und das dunkle , räthselvolle , ewig stille Grab ? So klagt der Gefangene ... Sein Auge kann das gräßliche Bild nicht mehr bannen . So lieblich die Sonne scheint , so blau der Himmel , so trostreich ihm anfangs der Blick über Wall , Fluß und Städtchen war , er konnte nicht mehr an ' s Fenster treten . So blieb er den Tag über ... Gegen Abend erinnert ihn der täglich wechselnde Gefängnißwärter , heute ein steinalter Invalide , an seinen vergessenen Spaziergang . Der Major lehnt ihn ab . Der Wärter soll gehen ... Es ist Abend geworden ... Der Alte im weißen Barte , die Brust mit Ehrenbändern geschmückt ... bleibt stehen ... Es wünscht Sie Jemand zu sprechen , Herr Major - Und schon war ein Offizier eingetreten in Mantel , in Uniform , mit Federhut - Der Major wendet sich . Der Greis zieht sich zurück . Der Besucher schlägt den Mantel auf ... Ein kurzer prüfender Blick des Auges ... eine Umarmung ... hervorstürzende Thränen ... Jagellona ! Werdeck ! Der Invalide hatte sich entfernt . Die Thür war ins Schloß gefahren ... Der abgelegte Hut , der weggeworfene Mantel enthüllt eine zierliche Gestalt , der unter der schützenden Verkleidung die Brust vor wildmächtigster Erregung klopft . Die Mienen des entschlossenen Antlitzes todtenbleich . Die Augen zitternd vor glühendem Eifer . Jede Muskel des Halses , jede Sehne der Hand heldisch gespannt und doch zittert der ganze Körper vor Fieberangst . Das kurzgeschnittne schwarze Haar steht dem edlen Haupte jugendlich schön . Diese Frau , nicht mehr in erster Jugend , hat sich die Jugend des Charakters erhalten und wenn sie auch zittert , so hat sie recht zu sagen : Werdeck , es sind die Nerven , die zittern ; mein Herz zittert nicht . Du mußt fliehen . Weißt du , daß der Sergeant , der dich retten wollte , zum Beispiel für den gefährdeten Geist der ganzen Armee erschossen werden soll ? Werdeck zeigte zum Fenster ... Die Blutspuren im Sande auf dem Glacis wären noch sichtbar gewesen . Aber es war inzwischen Nacht geworden ... Wieder sang schon die Sängerin im Lindenbaum ... Der Major besaß die Ruhe und Ergebung , die sich in Gefängnissen so von selbst findet . Die Angehörigen ahnen kaum diese schmerzlichste Umwandlung des Gemüths . Aber jetzt die Flucht ablehnen , dem heldenmüthigen , geliebten Weibe , ihr , ihr - diesen kühnen Eingriff in sein Schicksal abschlagen ? Es ist ein Bund des Geistes , sagte er , den man mir als Verschwörung auslegte ! Ich werde jene Ehre , die unter meinen Standesgenossen gilt , nicht wieder gewinnen , wol aber einst die Freiheit ... die mich rechtfertigen wird . Laß mich bleiben , dulden ... Und auch , wie könnten wir fliehen ? Die muthige Frau spricht nicht von der Möglichkeit , sondern von der Nothwendigkeit . Sie weint , sie klagt . Ihn auch schon erschlafft , ergeben , demüthig zu finden , ihn , den sie in den vollen Flammen des Zorns und der Begeisterung der Unschuld , in der lodernden Gluth der Rache zu finden gehofft hatte ! Ist Das denn wahr , was man von den Gefängnissen erzählt ! Da ermannt sich Werdeck ... Er verläßt die Zelle , den Corridor , den Wall , die Veste , stolz , emporgerichteten Ganges , den Mantel seines Weibes umgeschlagen ; sie , als Offizier gekleidet , neben ihm . Er unkenntlich im Mantel ... Sie sind beschützt . Es folgt ihnen Jemand ... Es ist der Invalide ... Er folgt nicht bis zum Thor ... er folgt weiter ... weiter als die Parole gefragt wird ... die Parole ,