einem wissenschaftlichen Gesetze , von dessen Vorhandensein man im Preußischen noch kaum eine Ahnung hatte . Dies wirkte derart auf ihn ein , daß er sich das Ziel einer allmählichen wirtschaftlichen Anglisierung stellte . Ganz wie Thaer in Möglin , der ebenfalls durch England angeregt worden war , entschied er sich für die neuen Grundsätze der Fruchtfolge , der Kreuzung , und richtete seinen Sinn insonderheit auf Besserung des Viehstandes , auf Veredlung des Pferdes . In letzterer Aufgabe fand er alsbald seine höchste Befriedigung , und was anfangs nur den Zweck gehabt hatte , der Landwirtschaft zu dienen , entwickelte sich mehr und mehr zum Sport . Er begann Vollblutpferde zu trainieren und war unter denen , die die seitdem zu so großem Flor und Ansehen gekommenen Berliner Rennen ins Leben riefen . Eins derselben führt noch jetzt den Namen » Hertefeld-Rennen « . Auch kann es als unzweifelhaft gelten , daß er dem Lande durch diese mehr als zwanzigjährigen Anstrengungen erhebliche Dienste geleistet hat . Aber freilich auf seine Kosten . Er gab Unsummen hin , ohne jemals , ein paar Ausnahmen abgerechnet , infolge großer Rennsiege die Rechnung ausgeglichen zu haben . Es kann nicht überraschen , daß seiner Rennpferdepassion eine verwandte sportsmännische Leidenschaft entsprach . Er pachtete Heiden und Wälder , um große Jagden abzuhalten ; Hetzjagden , Jagden mit der Meute , Treibjagden , zu denen dann aus der Nachbarschaft , aber mehr noch aus Berlin , eine reiche Zahl von Geladenen erschien : Generale , Minister , Prinzen , und als eigentlichster bien-venu , Professor Franz Krüger , der berühmte Tier- und Schlachtenmaler , der sein Erscheinen in jagdlich illustrierten Briefen anzumelden pflegte . So ging es durch Jahrzehnte hin , bis der März 1848 einen Strich durch all dies machte . von Hertefeld gab Wettrennen und Fuchsjagden und warf sich mit gleichem Eifer auf politische Dinge . Von der Tribüne her wirken und durch die Macht seiner Rede hinreißen zu können , würde den Ehrgeiz seines Lebens erschöpft haben . Aber dies blieb ihm versagt . Er hatte nicht die Gabe der Rede , geschweige die Macht derselben , und mußte sich damit begnügen , mit der Feder tätig zu sein . Er tat dies , wie schon angedeutet , in den mannigfachsten publizistischen Organen , abgesehen von einem ganzen Heer von Broschüren und Aufsätzen , zu denen er den Anstoß gab . Auf seiner politisch-publizistischen Höhe stand er , als er der zweiten Kammer angehörte . Das war von 1852 bis 1861 . Im erstgenannten Jahre ließ er Denkschriften und Promemorias erscheinen , die für unser gesamtes Verfassungsleben , insonderheit aber für die Neugestaltung der ersten Kammer einige Bedeutung gewannen , und wenn ich recht unterrichtet bin , an oberster Stelle zwar nicht durchweg befolgt , aber doch im einzelnen zu Rate gezogen wurden . » Es deutet Verschiedenes darauf hin « , so schrieb er in einem dieser Promemorias , » daß es Absicht Seiner Majestät und der Staatsregierung ist , eine fundamentale Umgestaltung unserer jetzigen ( 1852 ) Ersten Kammer eintreten zu lassen . Es läßt sich auch mutmaßen , auf welche neue Grundlage hin die Umgestaltung erfolgen soll . Ihre zwei wichtigsten Punkte werden sein : 1 ) die jeweilige Ernennung durch Seine Majestät und 2 ) eine erst zu schaffende erbliche Pairie . Gegen Beides unterhalt ' ich Bedenken , und zwar 1 ) Gegen die Ernennung . Ernannte Pairs entbehren der Kraft , dem Herrscher und der Staatsgesellschaft eine wirkliche Stütze zu sein . Dies läßt sich historisch nachweisen . Es fehlt eine stützende Kraft überall da , wo die historische Begründung fehlt . 1848 nahm die Februarrevolution von den auf Lebenszeit ernannten Pairs Louis Philipps so wenig Notiz , daß das souveräne Volk ( das die Deputiertenkammer doch wenigstens der Ehre würdigte , sie durch Gewalt zu beseitigen ) an dem Palais Luxemburg vorüberging . Es blieb unbestürmt . Es dachte niemand an die Pairs . 2 ) Gegen eine erst zu schaffende erbliche Pairie . Eine erst zu schaffende › erbliche Pairie ‹ findet in Preußen zwei Hindernisse : a. die Ernennung von Pairs , die den Besitz haben , aber des historischen Hintergrundes vielleicht entbehren ; b. die Nichternennung von Pairs , die den historischen Hintergrund haben , aber eines ausreichenden Großgrundbesitzes entbehren . Es muß das notwendig , und zwar ganz besonders in den Stammprovinzen der Monarchie , zur Verletzung der Rittergutsbesitzer und des in ihnen vertretenen altständischen Elements führen . Und nun dies ständische Element selbst ! Es ist zwar durch eigene wie fremde Schuld tief gesunken , aber es steckt noch Lebenskraft darin und kann sich wieder erholen . Vergleicht man die jetzigen Rittergutsbesitzer mit ihren Vätern und Großvätern vor fünfzig Jahren , so bemerkt man , daß Güterschacher , Leichtsinn , Verschwendung und Bankrott damals viel häufiger waren als jetzt . Einzelne sind untergegangen , allein der Stand , der im Boden wurzelt , ist nicht vernichtet . « » Ein anderer Übelstand ( so fährt er fort ) ist der , daß eine lediglich auf Grundbesitz basierte › erbliche Pairie ‹ den Geldkapitalbesitz ausschließt . Darin liegt aber eine Gefahr . Geldkapital ist unleugbar auch eine Macht , und diese Macht zur Opposition gegen ein neues Institut herauszufordern , will uns nicht ratsam erscheinen . Unter allen Umständen indes sind weder Grundbesitz noch Geldkapital daran gewöhnt , sich durch einige hervorragende Spitzen , die nur von obenher ernannt , aber nicht durch Nächstinteressierte gewählt wurden , für vertreten zu erachten . Im Gegenteil , der größere , nicht ernannte Teil würde sich gegen ein Institut wenden , durch das er sich erniedrigt glaubt . Sind diese Prämissen richtig , so folgt daraus , daß eine Wahl auch für eine Pairskammer nicht ganz auszuschließen ist . « So weit Hertefeld . Auch über den Modus dieser Wahl verbreitet er sich im weiteren Verlauf seines Promemorias , und wünscht danach etwa neunzig Großgrundbesitzer und fünfundvierzig Großkapitalisten in der ersten Kammer zu