» Bischof in dem Sprengel , wo die Güter der künftigen jungen Gräfin Salem-Camphausen liegen ! « , so hörte und sah Paula nichts von Alledem ... Graf Hugo wurde ihr in der That noch der liebste von all den Menschen , die es außer Bonaventura und Armgart in der Welt gab - war er nicht der Bote , der Bevollmächtigte Bonaventura ' s - war er nicht zart und rücksichtsvoll in seinem Benehmen ... ? Paula war scheinbar so lebensmuthig geworden , daß sie selbst dem Trostworte Monika ' s nachdenken konnte : » Un mariage de raison ! Le comte renoncera à tout droit de possesion - ! « ... Freilich hörte sie nicht , was Monika zur Schwester Benigna hinzusetzte : Muß man französisch sagen , was uns nicht erröthen lassen soll ! ... Sie hörte das Schmollen nicht über die Unnatur des katholischen Priesterstandes , über die Unnatur des Lebens der höhern Stände überhaupt ... Doch allerdings erklärte Monika , hier keinen andern Weg zu wissen , als den » eurer üblichen Convenienz « - ... Die Familienzweige der Dorstes durften nicht auseinander gehen ... Niemand unterstützte diese Wendungen mehr , als Bonaventura ' s Mutter , die Präsidentin von Wittekind-Neuhof ... Ihr war es fast , als könnten nur so die düstren Schleier gewahrt bleiben , die sich inzwischen schon theilweise von Angiolinen , von Benno und von der Herzogin von Amarillas gelüftet hatten ... Wenn Graf Hugo fand , daß gerade er es » nicht um Benno und Bonaventura von Asselyn verdient « hätte , auf Schloß Neuhof so scheu empfangen zu werden , so gab seine » lutherische Religion « einen Entschuldigungsgrund für eine Scheu , eben in ihm den Pflegevater , den Geliebten Angiolinens zu sehen ... Durfte man doch die Besorgniß hegen , ihn wol gar von dem flüchtigen Terschka über alles unterrichtet zu wissen , was damals in jener von Löb Seligmann belauschten Verhandlung zur Sprache gekommen war ... Die kluge Präsidentin wollte ihren Gatten , den » Büreaukraten « , wie er um Witoborn hieß , mit dem Geist der Provinz versöhnen und nahm sogar an den Exercitien der ab- und zugehenden , seltsamerweise dem Schloß Westerhof entschieden feindlichgesinnt bleibenden Frau von Sicking Theil ... Schon war Paula , opferfreudig und nunmehr in ihrem katholischen Sinn heilig überzeugt , daß sie gerade durch ihre Heirath dem Abgott ihrer Seele , einem Priester , noch eine Glorie des Himmels mehr gäbe - ihrem Gatten nach Wien gefolgt , als man immer anregendere und überraschendere Mittheilungen aus England erhielt ... Terschka spielte in London eine glänzende Rolle ... Auch dort standen ihm fördernd seine geselligen Talente zur Seite ... Sein Bruch mit dem katholischen Glauben , seine Flucht vor den Jesuiten , zu deren Orden er gehört hatte , sein Anschluß an Giuseppe Mazzini , den italienischen Agitator , und dessen Freunde , alles das gab ihm selbst in den Kreisen der englischen Aristokratie einen Nimbus ... Armgart begegnete ihm in den hohen Kreisen , in denen sie lebte ... Freilich sah sie in ihm ihrerseits nur das Abbild jener düstern Tage , wo sie geglaubt hatte , sie müßte sich dem ungewissesten Schicksal opfern , um nur ihre Mutter vor einer Verirrung zu bewahren , die die Aussöhnung mit dem Vater unmöglich machte ... Aber ihre ganze Verachtung vor dem innerlich hohlen , nur gesellschaftlich verwendbaren Mann durfte sie ihm nicht ausdrücken , da die Aeltern selbst zu viel auf seine gegenwärtige Gesinnungsänderung hielten , die Gräfin Erdmuthe ihm verziehen hatte , Lady Elliot ihm eine Stellung über allen Makel gab ... Die Briefe , die in Witoborn bei dem » Obersten Papiermüller « ankamen , brachten immer überraschendere Mittheilungen ... Um Terschka fingen an sich Gerüchte zu verbreiten , als spielte er eine doppelte Rolle ... Er hätte nicht aufgehört das zu sein , was er war ... Ganz übereinstimmend mit jener vom alten Zickeles in Wien zu Benno gethanen Aeußerung : » Die Jesuiten lassen ihn auch sein Protestant ! « ... Schon verlautete mancher Zweifel an seiner fanatisch zur Schau getragenen lutherischen Kirchlichkeit und italienischen Freiheitssympathie ... Armgart sprach von ihm als von einem » ewig Gezeichneten « ... Sie lehnte seine Begleitungen ab , schlug die Huldigungen aus , die ihr seine immer noch lebhafte Galanterie und unbeugsame Elasticität im geselligen Verkehr brachte ... Manche behaupteten , schrieb sie , Terschka spiele leidenschaftlich und wäre stets in Verlegenheiten ... Letzteres mußte wol der Fall sein ; denn man bemerkte , daß ihm der Präsident von Wittekind Geld schickte ... Armgart selbst befand sich im Punkt der Religion immer noch da , wo sie gleich anfangs mit ihrem , inzwischen nach Westerhof , Wien und Italien gegangenen » ketzerischen Großmütterchen « Gräfin Erdmuthe gestanden ... Lady Elliot besaß denselben Bekehrungseifer , wie Gräfin Erdmuthe - hätte sie nicht Gegner gefunden , sie würde sie gesucht haben ... Da kam nun ihrer dogmatischen Streitsucht ein geistesfrisches Mädchen nach Wunsch , das von den Entdeckungen , die Armgart an dem Glauben ihrer Aeltern machte , in einer steten , oft , nach Empfang von witoborner Briefen und Nachrichten , fieberhaft kampflustigen Beunruhigung lebte ... Die Engländerinnen konnten Armgart um die Geltendmachung ihrer noch ungebrochenen katholischen Gesinnung nicht zürnen ; denn einmal war und blieb sie in ihrem Wesen für eine weniger engherzige Beurtheilung , als die in Stift Heiligenkreuz , die Anmuth selbst und ebenso bestrickend war die eigenthümliche Art ihres Wahrheitssinns , der seinerseits aus freiem Trieb selbst nichts schonte , was ihr am katholischen Leben die flüchtige und entstellte äußere Erscheinung war . Sie behauptete , nur den Kern festzuhalten , und rechnete dann freilich dazu das Martyrium , ihren Umgebungen so beschränkt und lächerlich wie möglich zu erscheinen . Sie aß am Freitag kein Fleisch , sie machte ihre Kreuze , sie ging in die Messen ; sie sagte : Das ist blos meine Religion , euch lächerlich zu erscheinen ! ... Wenn man ihrer spottete