noch vor dem 1. Oktober in Liebenberg zu sein . Jochen Schulz hab ' ich leider nicht los machen können ; er muß beim Regimente bleiben , bis alle Freiwilligen entlassen werden . Hier in Paris ist jetzt alles viel ruhiger als im vorigen Jahre . Aus der Gemälde- beziehungsweise Antikengalerie sind schon viele Stücke weggenommen und eingepackt worden , besonders unsrerseits . Mir tut es leid , daß man die herrliche Sammlung zerstückelt . Es sind halbe Maßregeln . Wollte man diese Schätze den Franzosen nicht lassen , so mußte man alles fortschaffen und es an irgend einem andern zweckmäßigen Orte aufstellen . So schadet es nur der Kunst und bringt uns keinen Vorteil . Es scheint fast , als ob den Parisern das Recht , über ihre Sieger zu lachen , nicht genommen werden kann . Unter dem Titel : › Costumes des armées des alliés en 1814 ‹ verkaufen sie die leider nur zu passenden Karikaturen russischer , preußischer und englischer Offiziere . Vorzüglich schön haben sie den russo-preußischen Geschmack , also den , die Menschen in eine Wespe zu verwandeln , aufgefaßt . Ich denke einige der besten dieser Karikaturen mitzubringen . Paris , den 13. September 1815 . Mein Aufenthalt hier hat sich gegen meinen Willen verzögert . Jetzt aber wo das Geld angekommen ist , gedenk ' ich übermorgen , den 15. , abzureisen . Aus und von Paris kann ich wenig Erfreuliches schreiben . Vor ein paar Tagen entstand im Palais Royal ein Streit zwischen französischen und alliierten Offizieren und Soldaten . Von seiten der Franzosen ließen sich hauptsächlich Schmähungen und Drohungen auf Preußen hören , obgleich der Zank eigentlich zwischen Engländern und Franzosen entsprungen war . Überhaupt ist der Haß der Franzosen gegen die Preußen aufs höchste gestiegen ; Beleidigungen , die von seiten der Engländer , Russen und Österreicher ausgehen , werden diesen nicht angerechnet und auf die Preußen geschoben . Überhaupt scheint Preußen dem Schicksale › gehaßt zu werden ‹ , nicht entgehen zu können . Doch darüber mündlich mehr . « Mit diesen Zeilen vom 13. September schließen die Kriegs- und Reisebriefe von 1815 . * Zu Beginn des Oktobers war Karl von Hertefeld aber mals in Berlin und nahm , wie das Jahr zuvor , seine sprach- und naturwissenschaftlichen Studien wieder auf . Aber auch diesmal oft unterbrochen , weil die mit jedem Tage mehr zutage tretende Schwäche des Vaters ihn allwöchentlich nach Liebenberg rief . Endlich , am 3. April 1816 , erlag der Alte seiner langwierigen und schmerzhaften Krankheit , und der erst einundzwanzig Jahre alte Sohn übernahm die Güter . Ob selbständig oder zunächst noch unter Vormundschaft , ersehe ich nicht mit Bestimmtheit aus den schriftlichen Überlieferungen . Diese werden überhaupt jetzt ärmer und kärglicher und gestatten uns sein Leben nur noch in den Hauptzügen zu verfolgen . Ich gebe daraus das Wichtigste . Der große Besitz , der ihm zugefallen war , vergrößerte sich noch . 1819 starb der » tolle Vetter von Häsen « , 1830 » Onkel Wylich « und die Hinterlassenschaften beider ließen seine rheinischen und märkischen Güterkomplexe nicht unerheblich anwachsen . Auch sein Barvermögen wuchs . Am 18. Juni 1821 ( Jahrestag der Schlacht bei Belle-Alliance ) erfolgte seine Vermählung mit Emilie Henriette Louise Mollard , einer reichen Erbin . Prediger Wilmsen von der Parochialkirche traute das junge Paar . Einige Jahre später wurde Karl von Hertefeld , unter dem Titel » Ritterschaftsrat « , eines der leitenden Mitglieder des mittelmärkischen Kreditinstituts und fungierte 1839 als Vorsitzender bei der Versammlung der Deutschen Land- und Forstwirte zu Potsdam . In noch voller Manneskraft traf ihn die Revolution von 1848 , deren Prinzipien er , trotzdem er einem gemäßigten Liberalismus zuneigte , von Anfang an bekämpfte . Nicht nur war er der ersten einer , die , durch Beisteuerung bedeutender Mittel , die » Kreuzzeitung « ins Leben riefen , er schuf auch sieben Jahre später ( 1855 ) die » Berliner Revue « , die die seitdem immer einflußreicher gewordene Lehre proklamierte : » daß die sozialen Institutionen die politischen erzeugen und beherrschen . « 1863 trat er von der Revue zurück und beteiligte sich , von eben dieser Zeit an , an der Herausgabe der » Jahrbücher für Gesellschafts- und Staatswissenschaften « , deren Entwicklung und Gedeihen er bis zuletzt mit besonderem Interesse verfolgte . Diese seine publizistische Tätigkeit aber sekundierte nur seiner parlamentarischen . Er war von 1849 – 1852 Mitglied der ersten , von 1852 – 1861 Mitglied der zweiten Kammer , und wurde 1864 oder 1865 , in das Herrenhaus berufen , an dessen Sitzungen er bis zu seinem Tode teilnahm . * In vorstehendem habe ich kurz einige Daten gegeben . Überblick ich , auf diese gestützt , die Gesamtheit seines Lebens , so teilt es sich in zwei scharf geschiedene Hälften : in eine sportsmännisch-landwirtschaftliche bis 1848 und in eine politisch-parlamentarische nach 1848 . Über beide Hälften ein paar Worte noch , auf die Gefahr hin ein oder das andere zu wiederholen . Von Hertefeld hatte schon im Sommer 1814 , wie sich seinen aus London mitgeteilten Briefen unschwer entnehmen läßt , eine Vorliebe für England gefaßt , und trat , als er zwei Jahre später die Güter übernahm , in intime , durch sein ganzes Leben hin fortgeführte Beziehungen zu diesem Lande . Was ihn anzog , ist im einzelnen nicht zu spezifizieren , in allem aber erschien es ihm vorbildlich . Er sah in England nichts , gleichviel ob es ein Großes oder Kleines , ein Materielles oder Geistiges war , in dem er nicht freudig und neidlos eine höhere Kulturstufe begrüßt hätte . Die gesellschaftliche Form , die Freiheit der Institutionen , die Detailausbildung in Technik und Handwerk , – alles war besser , alles , vom Stiefel bis zum Hut , von der kleinsten Nadel bis zur größten Maschine . Zumeist aber empfand er diesen Unterschied auf dem Gebiete der Agrikultur : Bodenbestellung , Ackerbau , Viehzucht , alles erfolgte nach