mit einer Landschaft wie die um Kloster Himmelpfort und weit hinaus in die Ebene hin , einen geistigen Kampf zu beginnen gewagt hatten , in dem sie auf alle Fälle unterliegen mußten ... Sie waren nur Sieger über sich selbst geworden oder trugen , wie Hedemann sich ausdrückte , das Sterben des Herrn am eigenen Leibe , auf daß an ihnen auch das Leben des Herrn offenbar würde ... Der Oberst hatte sein kleines Vermögen , auch fremdes , auf die Anlage einer Papierfabrik verwandt ... Gerade deshalb , weil in jener Gegend diese Industrie brach lag , hatte er geglaubt , die Wasserkraft der Witobach und die schon vorhandenen Mühlenwerke für eine solche Unternehmung nutzen zu können ... Die Kapitalien wurden vom Onkel Dechanten , sogar zuletzt vom Onkel Levinus dargeboten , letztere allerdings nur von Paula entlehnt - vor dem mächtigen Blick und der bündigen Rede Monika ' s verstummte auf Schloß Westerhof jeder Widerspruch ... Lenkte doch auch sie die so wünschenswerth gewordene friedliche Ausgleichung mit der jüngeren Linie der Camphausen in einer so entschiedenen Weise , daß überall die nächsten äußerlichen Sorgen schwanden ... Endlich hatte auch der Oberst magnetische Gewalt über Paula ... Unentbehrlich war er ihr geworden in jenen Zeiten , wo sich in Paula ' s Herzen die schmerzlichsten Kämpfe vollzogen , Kämpfe , die ihren Körper zu zerstören drohten - ihr Wachschlummer , ihre Visionen , die sonst lindernd auf sie gewirkt hatten , traten nach und nach zurück ... Der Oberst mußte seiner Pensionsansprüche wegen dann auf kurze Zeit eine Reise nach England machen ... Um Paula ' s Leiden kehrte er zeitiger heim , als er im Interesse Armgart ' s wünschen konnte ... Diese hatte er mitgenommen , da sie trotz der Aussöhnung ihrer Aeltern , trotz der Befreiung von Terschka ' s Werbungen ein tief in sich verschüchtertes Leben darbot und in ihrem Stift Heiligenkreuz um so weniger sich heimisch fühlte , als Armgart , wie Lucinde , zu jenen Naturen gehörte , die selten die Anerkennung der Frauen gewinnen ... Was sie that , wurde wenigstens in ihrer Heimat abenteuerlich gefunden ; was sich an ihren Namen knüpfte , wurde ihr zur Ungunst gedeutet ... Sie hatte , sagte man , Benno von Asselyn , Thiebold de Jonge , vielleicht selbst Terschka » auf dem Gewissen « ... Die Scheu der katholischen Rechtgläubigkeit vor allem , was den Nimbus ihrer Kirche gefährden konnte , verhinderte , daß man um Witoborn offen von Terschka , als von einem » Jesuiten der kurzen Robe « sprach , von einem Proselyten dann , der Glauben und Gelübde in London gewechselt ... Die Aufregung der Gegend um die Vorgänge auf Westerhof , um den Brand , um die Urkunde , den vielleicht erneuerten Proceß , das mögliche Auftreten und Erstarken lutherischer Elemente in dortiger Gegend wurde so groß , daß Armgart den Vater auch ganz gern begleitete ... Er ließ sie zurück bei Gräfin Erdmuthe , die bei Lady Elliot theils in der Stadt , theils auf dem Lande wohnte ... Armgart wurde allmählich den Töchtern der Lady unentbehrlich ; sie hatte in der Gesellschaft Erfolge , die die Aeltern nicht stören mochten ... Selbst die Nähe Terschka ' s beunruhigte sie nicht ... Ihr Vater hatte ihn in London wiedergesehen , hatte seinen Muth , mit den Jesuiten zu brechen , bewundert und vermittelte eine Verständigung des Flüchtlings mit dem Grafen Hugo ... Letztere gelang äußerlich , zumal da der Graf durch Terschka die Aufforderung erhielt , der beim Brand von Westerhof gefundenen Urkunde entschieden zu mistrauen und unerschrocken wieder aufs neue den Proceß zu beginnen ... Als man Terschka ' s Einfluß auf diese von Wien verlautenden Drohungen erfuhr , wollten ihn zwar auf Schloß Westerhof Tante Benigna und Onkel Levinus als einen unverbesserlichen Sohn der Hölle darstellen , Monika aber fand sein Benehmen in der Ordnung und erklärte , daß sie an des Grafen und Terschka ' s Stelle ebenso handeln , vor allem Lucinden in Wien , den Mönch Hubertus in Rom , den Doctor Nück in der Residenz des Kirchenfürsten vernehmen , ja verhaften lassen würde ... Als dann Bonaventura , nach Lucindens Beichte zu Maria-Schnee in Wien , dies große Aergerniß von einer der ersten Familien Deutschlands abgewandt hatte , als Graf Hugo plötzlich auf Westerhof erschien und Paula nach dem ausdrücklich und wunderbarerweise von Robillante gekommenen Zeugniß Bonaventura ' s : Dieser Mann darf dir gehören und du ihm ! jetzt willenlos geworden , ja durch Bonaventura ' s plötzliche Verpflanzung auf einen Boden , auf den sie ihm gebührenderweise - als Gattin des Grafen - sogar folgen durfte , überwältigt , ja davon wie berauscht , nachgegeben hatte , gewannen der Oberst und Monika eine mächtige Anlehnung auch an den von ihnen immer empfohlenen Grafen ... Dieser schätzte und verehrte schon lange die ehemalige Bewohnerin des Klosters der Hospitaliterinnen in Wien ... Paula selbst fand er dann unter dem magnetischen Rapport des Obersten ... Sein eigenes beklommenes , tief verdüstertes , erst durch jenen mit Bonaventura auf Schloß Salem hingebrachten » Einen Tag « dem Leben wiedergewonnenes Gemüth schloß sich zuletzt besonders innig dem frischen , lebendigen Sinn der Bewohner Witoborns , den » Papiermüllers « an , wie Oberst Hülleshoven und die Seinen spottend von der ganzen Provinz und den adeligen Genossen genannt wurden ... Und anfangs machten sich die Verhältnisse ganz nach Wunsch ... Monika ' s Rath war für die irrend hin-und hertastende Schwester Benigna , für den vom Erscheinen des Grafen Hugo um alle Fassung gebrachten Levinus unerlaßlich ... Paula ' s Aufregung mußte freilich die Freunde und Verwandte mit Schrecken erfüllen ... Sie schlief zwei Wochen lang nicht eine Nacht und sprach und that dabei doch alles , was man verlangte , ordnete ihre Ausstattung , wobei sie selbst wie eine Magd angriff , der ein höheres Geheiß geworden ... Wenn alles erstaunte : » Der Domkapitular ist Bischof in Italien ! « - wenn man lächelte :