werden soll ? “ „ Ein Ehepaar ! “ versetzte Max lakonisch . „ Was denn sonst ? “ Wider Erwarten entsetzte sich Frau Christine gar nicht über diese Antwort . Sie war , wie der Hofrath ihr oft genug vorwarf , ein Freigeist . Obgleich selbst Katholikin , war sie doch die Wittwe eines Protestanten und hatte im Laufe ihrer Ehe verschiedene ketzerische Grundsätze eingesogen , wozu unter Anderem auch eine entschiedene Abneigung gegen das Klosterleben gehörte . Sie hatte jenen Entschluß des jungen Mädchens nie mit günstigen Augen betrachtet und zog es unbedingt vor , ihr Fräulein im Myrthenkranze statt im Nonnenschleier zu sehen . Das Vorhaben des Doctor Brunnow , der ihr vom Anfang an gefallen hatte , erfreute sich also durchaus ihres Beifalls , dennoch schüttelte sie bedenklich den Kopf . „ Aber das geht nun und nimmermehr . Vergessen Sie denn ganz , daß Fräulein Agnes in ’ s Kloster gehen will ? “ „ Daraus wird nichts , “ entschied Max . „ Sie ist noch nicht drinnen , und ich werde schon dafür sorgen , daß sie nicht hinein kommt . Vor allen Dingen sagen Sie dem Fräulein noch nicht , daß ich mich besser befinde , und verschweigen Sie ihr auch den Streit mit meinem Herrn Collegen und den vortrefflichen Appetit , den ich vorhin entwickelt habe ! Ich werde ihr das selbst erzählen . “ Christine stutzte ein wenig bei dieser Weisung . „ Herr Doctor , Sie werden doch nicht so gewissenlos sein , und denn armen Kinde eine Komödie vorspielen ? “ fragte sie . „ Ich bin in solchen Dingen schrecklich gewissenlos , “ erklärte der Herr Doctor mit Seelenruhe . „ Uebrigens verlange ich Ihr Schweigen nur so lange , bis ich Fräulein Agnes selbst gesprochen habe , dann wird sich das Weitere schon finden . “ Das geforderte Versprechen konnte nicht mehr gegeben werden , denn Agnes trat in diesem Augenblicke ein . Sie sah in der That sehr blaß aus , und der trübe fragende Blick , den sie auf Christine richtete , verrieth ihre ganze Hoffnungslosigkeit . Mit leisem Schritt trat sie an das Bett des Kranken , beugte sich über ihn und fragte mit bebender Stimme , wie er sich befinde . Herr Doctor Brunnow hütete sich wohlweislich , die frischen Lebensgeister zu zeigen , die sich vorhin bei dem medicinischen Streite in ebenso überraschender , wie erfreulicher Weise geregt hatten . Er fand für gut , statt aller Antwort dem jungen Mädchen nur mit einer matten Bewegung die Hand entgegen zu strecken . Max wußte sehr genau , welchen mächtigen Bundesgenossen er in der vermeintlichen Todesgefahr hatte , und da er seinem eigenen Geständnisse nach „ schrecklich gewissenlos “ war , so besann er sich keinen Augenblick , die Situation praktisch auszunützen . Frau Christine fand allerdings , daß der Doctor ein ganz abscheulicher Mensch sei , aber sie war viel zu sehr mit dem Endzwecke dieser Abscheulichkeit einverstanden , um sich dagegen aufzulehnen . Sie berichtete daher nur , daß der Arzt dagewesen sei , aber keine neuen Verordnungen getroffen habe , und ergriff dann die erste Gelegenheit , das junge Paar allein zu lassen . Agnes hatte ihr Amt am Krankenbette wieder angetreten . „ Nehmen Sie die Arznei ! “ bat sie . „ Doctor Berndt hat mir die größte Pünktlichkeit darin anempfohlen ; er hat erst gestern diese neue Verordnung getroffen . “ „ Doctor Berndt giebt mich ja doch so wie so auf , “ entgegnete Max . „ Also ist es ganz unnöthig , daß ich seine Arznei nehme . “ „ Nein , nein , gewiß nicht ! “ beschwichtigte Agnes , deren angstvolle Züge freilich ihre Worte Lügen straften . „ Er sprach nur von einer Gefahr , die möglicher Weise eintreten könnte – “ „ Ich habe ihn heute Morgen selbst gesprochen , “ unterbrach sie der junge Arzt , „ und aus seinem eigenen Munde sein Urtheil gehört . Er hält meine Wunde für tödtlich . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 25 , S. 405 – 408 Fortsetzungsroman – Teil 17 [ 405 ] Agnes setzte die Arzneitasche nieder und verbarg das Gesicht in den Händen ; man hörte ein halbersticktes Schluchzen . „ Agnes – würde es Ihnen wehe thun , wenn ich stürbe ? “ Die Frage kam mit einer ganz eigenthümlichen Weichheit von den Lippen des Doctor Brunnow , zu dessen Eigenschaften die Weichheit sonst durchaus nicht gehörte . Er erhielt keine Antwort , aber das Schluchzen wurde heftiger und leidenschaftlicher ; jetzt ergriff er die Hände des jungen Mädchens und zog sie von dem thränenüberarömten Antlitze , während er fortfuhr : „ Ich fürchte , ich habe Ihnen bereits so viel verrathen , daß Sie sich nicht scheuen dürfen , mir einzugestehen , wem diese Thränen gelten . Freilich weiß ich erst seit den letzten drei Tagen unter Ihrer Pflege , wie es eigentlich um mich steht , oder darf ich sagen – um uns Beide ? “ Das junge Mädchen war an dem Bette auf die Kniee gesunken und drückte das Gesicht in die Kissen . Statt zu antworten , weinte sie nur immer trostloser und verzweiflungsvoller , aber sie ließ es ruhig geschehen , daß der Kranke den Arm um sie legte und sie leise an sich zog . Und jetzt geschah das Unerhörte – Max Brunnow erging sich , mit schnödester Verleugnung seines Programms und seiner sämmtlichen Paragraphen , in einer Liebeserklärung , die von Wärme und Innigkeit überströmte und nur den einen Fehler hatte , daß sie in dieser Form und Lebendigkeit unmöglich aus dem Munde eines Todtkranken kommen konnte . Die arme Agnes freilich war viel zu erregt , um darüber auch nur nachzudenken , und überdies hatte Doctor Berndt ihr die Hoffnungslosigkeit des Falles so