s Spiel kam , da war es vorbei mit Einsicht und Ueberlegung , selbst wo sie sich im Unrechte wußte . „ Du willst allein stehen ! “ wiederholte sie . „ Nun denn , aufdrängen werde ich Dir meine Nähe nicht . Ich kam , um mich zu überzeugen , ob der Plan meines Vaters auch der Deinige sei . Er ist es , wie ich sehe – ich werde also abreisen . “ Sie wandte sich zum Gehen . An der Thür hielt sie noch einmal inne ; es war ihr , als sei er in dem Moment , wo sie die Hand an den Drücker legte , emporgeschnellt , als habe er eine Bewegung gemacht , ihr nachzustürzen , doch das mußte wohl Täuschung sein , denn als sie sich umwendete , stand Arthur noch am Schreibtisch , todtenbleich zwar , aber in seiner Haltung , in jedem Zuge seines Gesichts stand das Wort geschrieben , mit dem sie ihn einst von sich gestoßen , ein herbes unbeugsames Nein . Eugenie raffte ihren letzten Muth zusammen zum Abschied . „ Wir werden uns morgen nur in Gegenwart meines Vaters sehen und dann vielleicht nie wieder , also – leb ’ wohl , Arthur ! “ „ Leb ’ wohl ! “ sagte er dumpf . Die Thür schloß sich hinter ihr ; sie war verschwunden . Das letzte Alleinsein war unnütz verstrichen , die letzte Brücke zur Verständigung abgebrochen . Keines von Beiden hatte seinen Starrsinn beugen , keines das Wort aussprechen wollen , das hier allein helfen und retten konnte , das eine Wort , das Alles wieder gut gemacht hätte , und wäre zehnfach Schlimmeres geschehen ; der Stolz allein redete – und damit war ihr Urtheil gesprochen . – Grau und trübe kam der nächste Morgen über die Berge , aber im Hause war es trotz der ungewöhnlichen Stunde schon lebendig geworden . Man hatte die Abreise so früh festsetzen müssen , da man rechtzeitig den Anschluß an den Bahnzug erreichen wollte , um heute Abend noch in der Residenz einzutreffen . Vorläufig war freilich nur erst Curt von Windeg im Salon . Der Baron befand sich noch auf seinem Zimmer . Eugenie war gleichfalls noch nicht sichtbar , und der junge Officier schien mit offenbarer Ungeduld irgend etwas zu erwarten . Er hatte bereits mehrere Male den Salon durchmessen , dann am Balcon gestanden , dann auf dem Fauteuil gesessen , von dem er jetzt rasch in die Höhe sprang , als Arthur Berkow eintrat . „ Ah , Sie sind schon hier ? “ sagte dieser , seinen jungen Schwager mit jener höflichen Kälte begrüßend , die zwischen ihnen Sitte war . Curt eilte ihm lebhaft entgegen . „ Ich wollte gern noch allein einige Worte mit Ihnen – aber mein Gott , was ist Ihnen ? Sind Sie krank ? “ „ Ich ? “ fragte Arthur ruhig . „ Was fällt Ihnen ein ? Ich befinde mich vollkommen wohl ! “ „ So ? “ meinte Curt mit einem Blick auf das bleiche , überwachte und abgespannte Antlitz seines Schwagers , „ ich hätte eher das Gegentheil angenommen . “ Arthur zuckte etwas ungeduldig die Achseln . „ Ich bin das frühe Aufstehen nicht gewohnt ; da sieht man immer überwacht aus . Uebrigens fürchte ich , Sie werden heute eine schlechte Fahrt haben ; es ist ein abscheulicher Nebelmorgen . “ Er trat an ’ s Fenster , wie um nach dem Wetter zu sehen , in Wahrheit aber wohl nur , um sich den unbequemen physiognomischen Beobachtungen zu entziehen , mit denen Curt ihm lästig fiel . Dieser ließ sich aber so leicht nicht abweisen ; er trat dicht an seine Seite . „ Ich wollte der Erste hier sein , “ begann er ein wenig stockend , „ weil ich gern noch eine Unterredung unter vier Augen mit Ihnen haben möchte , Arthur ! “ Der Angeredete wendete sich um , eben so sehr verwundert über dieses Verlangen , als über die Art der Anrede . Curt hatte ihn während der ganzen Verwandtschaft kaum einmal beim Vornamen genannt . Er pflegte sonst stets dem Beispiel seines Vaters zu folgen und das steife „ Herr Berkow “ zu gebrauchen . „ Nun ? “ fragte dieser befremdet zwar , aber freundlich . In den Zügen des jungen Officiers kämpften sichtbar Unsicherheit und Verlegenheit mit anderen Empfindungen , plötzlich aber hob er sein hübsches , offenes Gesicht zu dem Schwager empor und sah ihn treuherzig an . „ Wir haben Ihnen Unrecht gethan , Arthur , und ich vielleicht am meisten ! Ich war empört über die Heirath , über den Zwang , der uns geschah , und – daß ich es Ihnen nur ehrlich gestehe – ich habe Sie rechtschaffen gehaßt von dem Augenblick an , da Sie mein Schwager wurden . Seit gestern weiß ich , daß wir uns in Ihnen geirrt haben , und seitdem ist es auch aus mit dem Hasse . Es thut mir leid , sehr leid , und das – das war es , was ich Ihnen sagen wollte ! Nehmen Sie es an , Arthur ? “ Er streckte ihm warm und herzlich die Hand hin . Arthur ergriff sie . „ Ich danke Ihnen , Curt ! “ sagte er einfach . „ Gott sei Dank ! jetzt ist ’ s herunter ; es hat mich die ganze Nacht nicht schlafen lassen , “ versicherte Curt aufathmend . „ Und glauben Sie mir , auch mein Vater läßt Ihnen jetzt Gerechtigkeit widerfahren . Zugestehen wird er Ihnen dies freilich nicht , aber ich weiß , daß er so denkt . “ Ein flüchtiges Lächeln zog über Berkow ’ s Gesicht ; freilich die Stirn wurde nicht heller davon und das Auge nicht klarer ; [ 237 ] auf beiden lag noch der schwere Schatten , als er ruhig antwortete : „ Das ist mir lieb . So scheiden wir wenigstens