Sie haben mein Bekenntniß , haben es schriftlich für alle Fälle , machen Sie davon Gebrauch zu Ihrer Rettung , wenn man etwa Lust zeigen sollte , mich – verschwinden zu lassen . “ „ Und warum stellten Sie es dann nicht zuerst in den Schutz der Gerichte ? “ fragte Günther rasch . Ein Ausdruck des Hohnes überflog Benedict ’ s Züge . „ Weil ich weiß , wie weit die Macht unseres Stiftes reicht ! Der Prälat würde den ersten Wink erhalten ! Ich ziehe es denn doch vor , ihm freiwillig gegenüberzutreten , als ihm als ‚ geisteskrank ‘ , wie es heißen würde , ausgeliefert zu werden . Hier giebt es nur ein Mittel , die vollste Oeffentlichkeit und das Zeugniß von Hunderten . Und müßte ich auch die Kirche entweihen mit meiner Anklage , die Schuld fällt aus Jene , die mir keinen andern Ausweg übrig ließen . “ Er wandte sich von Neuem der Thür zu , Günther hielt ihn zum zweiten Male zurück . „ Der Prälat ist ein ehemaliger Graf Rhaneck ? “ „ Der Bruder des Majoratsherrn . “ „ Und wann sahen Sie diesen zum letzten Male ? “ Das Auge des jungen Priesters sank zu Boden . „ An der Leiche seines einzigen Sohnes ! “ entgegnete er tonlos . „ Seines einzigen ? Er hatte zwei Söhne ! “ Benedict schüttelte den Kopf . „ Graf Ottfried besaß keinen Bruder , so viel ich weiß . “ „ Sie können es auch nicht wissen , Bruno ! “ sagte Günther plötzlich fest und scharf . „ Man hat es gerade Ihnen von jeher auf das Sorgfältigste verhehlt . “ „ Woher kennen Sie meinen früheren Namen ? “ fragte Benedict befremdet aufblickend . „ Wir sind einander nie begegnet , bevor ich in den Orden trat . “ Günther umging die Antwort . „ Sie sind dem Grafen Rhaneck befreundet ? “ fragte er seinerseits . „ Ich verdanke ihm Alles , meine Erziehung , meine Ausbildung ; er nahm sich des armen Knaben an – “ „ Des armen Knaben ! “ unterbrach ihn Jener bitter . „ Sie waren nicht arm , Bruno , wenigstens von Vaters Seiten nicht , und Sie brauchten dem Grafen nicht zu danken für das , was er Ihnen gab . Anklagen hätten Sie ihn sollen , wegen des armseligen Almosens , mit dem er den Diebstahl wieder gut machen wollte , den er an dem Namen und Recht seines ältesten Sohnes beging ! “ Benedict fuhr mit dem Ausdruck des vollsten Entsetzens zurück . „ An mir ? “ „ An Ihnen , Bruno Rhaneck ! Ihnen allein gebührte die Stellung , die Graf Ottfried in der Welt einnahm . “ Der junge Priester stand da , wie vom Blitze getroffen , jeder Blutstropfen war aus seinem Antlitz gewichen , plötzlich schlug er beide Hände vor das Gesicht und sank wie vernichtet in einen Stuhl . Günther war zu ihm getreten und wartete schweigend einige Minuten lang den Ausbruch der Erschütterung ab , endlich legte er die Hand leise auf seine Schulter . „ Und Sie fragen mich nicht nach Ihrer Mutter ? “ sagte er vorwurfsvoll . Benedict ließ die Hände sinken , das Antlitz war noch so farblos als vorhin . „ Ich weiß , daß es von jeher nur eine Gräfin Rhaneck gab , “ entgegnete er dumpf , „ und daß diese meine Mutter nicht ist . Ersparen Sie es mir , die meinige – verachten zu müssen . “ Günther ’ s Stirn umwölkte sich . „ Werfen Sie Ihre Verachtung nach einer anderen Seite , die Mutter verdient sie nicht ! Vor Gott war sie die einzig rechtmäßige Gemahlin , Sie waren der einzig legitime Sohn des Grafen ; Ihrem Oheim , dem Prälaten , gebührt das Verdienst , den Altar , den er in seinem Glauben vertritt , in einem anderen verleugnet und das Band zerrissen zu haben , das dort geknüpft ward . Jetzt freilich würde ihm nicht mehr gelingen , was er damals mit dem Gesetze in der Hand vollbrachte . “ Benedict sprang auf , aber die dumpfe Verzweiflung in seinen Zügen machte jetzt einer anderen , drohenderen Empfindung Platz . „ Meine Eltern waren – vermählt ? “ „ Ja ! Aber werden Sie erst ruhiger , Bruno , so können Sie mich ja weder fassen noch verstehen . “ Die Ermahnung war nothwendig , aber sie nützte nichts , Benedict rang vergebens mit seiner furchtbaren Aufregung , er vermochte nicht ihrer Herr zu werden . Günther trat ihm beschwichtigend näher . „ Ich fragte Sie schon einmal nach Ihrer Herkunft , nach einer Aehnlichkeit , die mir auffiel . Ich wußte , woher sie stammte , aber ich wollte wissen , ob auch Sie eine Ahnung davon hätten . Ihre Antwort zeigte mir , daß es nicht der Fall sei , damals mochte ich Ihnen mein Geheimniß nicht aufdringen , den jungen Mönch , den ich fanatisch begeistert wähnte für seinen Beruf , hätte es nur unglücklich gemacht , jetzt habe ich keinen Grund mehr zu schweigen . Wollen Sie mich hören ? “ Der junge Priester entzog ihm heftig seine Hand und machte rasch einen Gang durch das Gemach . Als er zurückkehrte , war die Ruhe , äußerlich wenigstens , erzwungen , er blieb dicht vor Günther stehen . „ Ich höre ! “ „ Vor etwa vierundzwanzig Jahren , “ begann dieser , „ machte mich der Zufall zum Zeugen eines Duells . Ich half , das Opfer desselben in seine Wohnung bringen und erlebte dort eine herzzerreißende Scene , die Verzweiflung einer jungen Frau , die mit dem Todten ihren einzigen Schutz und Beistand auf Erden verlor . Der Arzt , der jenem Zweikampfe beigewohnt , nahm sich später der ganz Verlassenen an und gewährte ihr eine Zuflucht in seinem Hause . Dort sah ich sie öfter und dort erfuhr ich schließlich auch die