stellen wagst ! – Die brillante , hochgefeierte Gräfin von Völdern und du , meine Tochter ! « Er hob die Lider – ein sehr ausdrucksvoller , wenn auch unheimlich lauernder Blick fuhr über das Mädchengesicht . » Was überhaupt für Hindernisse deiner Vorstellung bei Hofe entgegenstehen , kannst du selbst ja gar nicht ahnen ! « fügte er mit großem Nachdruck hinzu . » Die Aufklärung kann und wird für dich nicht ausbleiben , allein – « Ein Diener trat ein und meldete , daß die Anwesenheit Seiner Exzellenz im Fremdenflügel dringend nötig sei . » Nun , da behüte dich Gott , Kindchen ! « wandte sich der Minister eilfertig , aber mit völlig verändertem , zärtlich väterlichem Tone an Gisela . » Laß dir die Zeit in Greinsfeld nicht zu lang werden . « Er hob den Hutrand der jungen Dame und wollte sie auf die Stirne küssen ; sie wich heftig zurück , und die braunen Augen maßen ihn finster und sprühend . » Närrchen du ! « lächelte er und strich nichtsdestoweniger mit dem Zeigefinger liebkosend über die Wange – die spitzen weißen Zähne blitzten raubtierartig zwischen den einwärts gekrümmten Lippen , und aus den Augen hervor zuckte es wie ein Wetterleuchten . Er entfernte sich , und Gisela ging mit Frau von Herbeck , um sich bei der schönen Stiefmutter zu verabschieden . Die Baronin bewohnte gegenwärtig die Gemächer , welche die junge Gräfin als Kind innegehabt hatte , sie boten die schönste Aussicht im ganzen Schloß . Ihre Exzellenz empfing die Besuchenden in ihrem Ankleidezimmer . Sie blieben einen Augenblick unschlüssig an der Türe stehen , denn es war in der Tat ein Rätsel , wie sie zu der Dame gelangen sollten . Mademoiselle Cecile , die sehr vergilbte französische Kammerfrau , hatte die Pariser Kiste ausgepackt , und endlos , wie die Übel aus der Pandorabüchse , waren Gazewogen und glitzernde Seidenstoffe hervorgequollen . Selbst das Parkett war bedeckt mit Kartons voll Blumen und mit Kästen , aus denen buntfarbige Stiefelchen ihre kleinen Absätze streckten . Die Baronin stand vor dem Ankleidespiegel und hielt Anprobe , jedenfalls ein blutsaures Geschäft , denn der Kammerfrau , die mit flinken Händen ordnete und arrangierte , standen die hellen Schweißtropfen auf der Stirne ... Der Pariser Schneider war offenbar mit hoher Intelligenz auf die Ideen der schönen Frau eingegangen – die Toilette versinnbildlichte den Wald , den frischen , grünen Wald in dem kleinen Kranz von Maiblumen , Erdbeerblüten und jungen Tannenspitzen , der an der Stirne der Dame lag , in dem schweren , mit eingewebten Eicheln bedeckten grünen Stoff , der in seinem Knistern an das ferne Rauschen der heiligen Eichen erinnerte . Weniger heilig und dem keuschen Hauch des deutschen Waldes entsprechend war die Form des Gewandes , das , ohne Ärmel , nur mittels einer schmalen grünen Spange auf den Schultern zusammengehalten wurde . Wohl traten die alabasterweißen , wundervollen Formen der Arme und des Nackens plastisch hervor – die Frau erschien hinreißend schön ; aber es war doch gut , daß sie – keinen deutschen Namen mehr trug . Die Damen konnten beim Eintreten das Gesicht der Baronin im Spiegel sehen – es strahlte im Triumph ; gleichwohl zog sie weheklagend die Augenbrauen zusammen , und um den reizenden Mund glitt ein schmollender Zug , fast wie bei einem verzogenen eigensinnigen Kinde . » Liebste Gisela , danke Gott , daß du nicht in meiner Lage bist ! « rief sie , sich umwendend , dem jungen Mädchen entgegen . » Da sieh nur , wie ich mich plagen muß . Stundenlang martert diese Mademoiselle Cecile mich armes Geschöpf ! Ich kann kaum noch auf den Füßen stehen ! « Die kleinen Füße waren jedenfalls nicht so treulos , wie ihre reizende Besitzerin verleumderischerweise behauptete ; denn sie stand plötzlich leicht und sicher nur auf dem rechten , hob die Robe ein wenig empor und streckte den linken mit einem eleganten Schuh bekleideten Fuß graziös hervor . » Sagen Sie , Frau von Herbeck « , meinte sie lächelnd , » ist die Toilette nicht herrlich ? « Die Askese der Gouvernante hatte mit ihrem » vortrefflichen Geschmack « nichts zu schaffen , und deshalb pries sie mit überfließenden Lippen und entzückten Augen das Meisterwerk des Pariser Schneiders . Währenddessen hatten die Damen einen Weg ausfindig gemacht und standen jetzt vor der schönen Frau . » Herzliebste Gisela , was sagst du nur dazu , daß wir so rücksichtslos sein müssen , dich nach Greinsfeld zu schicken ? « fragte sie lebhaft . Gisela antwortete nicht . Sie blickte durch das Fenster hinunter in den Garten ; über ihr ganzes Gesicht flog jener zartrosige Hauch , der auch die weiße Rose verschämt aussehen macht ; das junge Mädchen sah zum erstenmal einen jener modernen Damenanzüge , die den Zweck als Hülle völlig verlieren und fast nur noch den Eindruck eines eleganten Rahmens machen , der ein reizvolles , aber schamloses Bild umschließt . Die schöne Stiefmutter mißverstand das Schweigen und die Verlegenheit der jungen Dame vollständig . » Du bist beleidigt , liebes Herz « , sagte sie in bedauerndem Ton – eine Beimischung von Ärger klang aber auch mit ; » allein können wir denn anders ? ... Wir werden ohnehin wie die Heringe zusammengepackt sein in diesem verwünschten Nest , das so weitläufig und großartig aussieht und doch so wenig Platz und Komfort bietet ! « Inzwischen hatte die Kammerfrau verschiedene Etuis geöffnet und begann den Kranz im Haar ihrer Gebieterin und die Bukette auf dem Kleid mit Diamanten buchstäblich zu bestreuen . Welch eine Pracht funkelte auf dem blauen Samtpolster der geöffneten kleinen Kästchen ! Es war eine wahrhaft kolossale Menge der auserlesensten Brillanten , zu deren Anhäufung jedenfalls mehrere Generationen einer Familie und fabelhafte Geldsummen gehört hatten . » Ah , Großmamas Brillanten ! « rief Gisela überrascht , aber doch unbefangen , beim Anblick der Steine . Unmittelbar nach diesem Ausruf stieß die Baronin einen