sich draußen vor der Glasthür postierten . » Wollen Sie mitkommen ? « fragte sie den Hofprediger . Er entschuldigte sich mit einer Schachpartie , die er dem Hofmarschall für die späten Abendstunden zugesagt habe , und wich ruhig zurück , als Mainau neben ihm unsanft und klirrend die Glasthür aufriß . Die schöne Fürstin schwebte verbindlich grüßend an Mainaus Arm hinaus , und ächzend kehrte der Hofmarschall an seinen Stuhl zurück . » Bitte , schließen Sie die Thür , Herr Hofprediger ! « sagte er mürrisch und sank in die Polster . » Sie hätten sie vorhin nicht aufmachen sollen , liebster Freund – ich wagte nicht zu protestieren , weil es auch Ihre Hoheit zu wünschen schien – aber diese miserable Luft schlug mir wie Blei in die Beine ; morgen bin ich todkrank – dazu der furchtbare Aerger , der Grimm , der mir die Kehle noch zuschnürt ... Bitte , fahren Sie mich in mein warmes Schlafzimmer ; dort will ich mich sammeln und warten , bis hier der Kamin geheizt ist – es ist bitter kalt geworden ... Allons , Leo , du gehst mit mir ! « rief er dem Knaben zu , der sich an die junge Frau schmiegte . » Ich möchte gern bei der Mama bleiben – sie ist so allein , Großpapa , « sagte das Kind . » Die Mama ist nie allein – sie empfängt › die Naturgeister ‹ und braucht uns nicht , « versetzte der alte Herr malitiös . » Komm nur hierher ! « Er griff nach der widerstrebenden Hand des Knaben und zog ihn mit sich , während der Hofprediger den Rollstuhl zur Thür hinausschob . 20. Die junge Frau trat wieder in das Fenster . Eben verbrauste das letzte Rollen des fortfahrenden Wagens – jetzt fuhr sie , in die weißen Atlaskissen geschmiegt , mit den Apfelschimmeln durch den Wald – die junge Frau mit dem schönen Medusengesichte , die ihn liebte mit verzehrender Glut , die ihre fürstliche Hoheit vergaß , ihren berüchtigten Hochmut abwarf , und in seiner Nähe nichts war als das leidenschaftlich anbetende Weib voll glühender Eifersucht ... Warum hatte er das junge Mädchen aus Rudisdorf an eine Seite geholt ? Warum hatte er nicht am Fürstenhofe gefreit ? Er wäre mit offenen Armen empfangen worden und hätte glücklich werden können mit ihr , die ihm ja durchaus nicht gleichgültig war – die Begegnung im Walde am Hochzeitstage tauchte in grellen Farben vor der jungen Frau auf – da lag ein Geheimnis . » Sie scheitern an der unerbittlich festgehaltenen Reise , « hatte ihr die Herzogin zugeflüstert – noch fühlte sie den heißen Atem der Frau an Hals und Ohr – welche Bemühung sollte den scheitern ? Sie hatte alles aufgeboten , ihre Pflichten zu erfüllen , aber – Gott sei Dank – ihr Stolz war ihr treugeblieben ; sie hatte nie auch nur einen Finger gerührt , um Mainaus Liebe zu erringen – darin irrte sich die Frau Herzogin ; aber sie hatte Recht mit ihrer Behauptung , daß die Reise das lose geknüpfte Band vollständig lösen werde , selbst wenn Liane ihren Entschluß fortzugehen nicht mehr ausführen wollte ... Es war doch niederschlagend ! Wenn er nach Jahr und Tag zurückkehrte , dann wußte niemand mehr , daß einmal eine Gräfin Trachenberg nach Schönwerth geschleppt worden war , um dort eine Reihe unglücklicher Tage voll Prüfungen und Anfechtungen zu verleben ; er selbst hatte draußen die unerquickliche Erinnerung abgeschüttelt und kam , um endlich die schöne Hand zu ergreifen , die sich ihm in gebührender Sehnsucht entgegenstreckte . Unwillkürlich fuhr die junge Frau mit der krampfhaft geballten Hand nach dem Herzen – was quälte sie plötzlich für ein unerklärliches Weh ? War es denn so schrecklich , verstoßen zu werden um einer anderen willen ? ... Sie dachte an den Moment , wo er ihr verboten hatte , sich von der Herzogin berühren zu lassen – was war da sein Motiv gewesen ? Doch nur die Eifersucht – er gönnte ihr , seiner Frau , diese Gunstbezeigung nicht ... Sie vergrub das Gesicht in den Händen – war für eine erbärmliche Schwäche überkam sie ! ... Langsam verließ sie das Fenster , um sich in ihre Zimmer zurückzuziehen . Sie ging an dem Schreibtisch vorüber und blieb plötzlich wie festgewurzelt stehen – an dem Kasten steckte noch der Schlüssel ; Mainau hatte vergessen , ihn abzuziehen , und dem Hofmarschall war es » in seinem furchtbaren Aerger und Grimm « nicht eingefallen , ihn zurückzufordern ... Das Herz der jungen Frau klopfte heftig – da drin lag das Papier , an welchem Gabriels Schicksal hing – nur einmal mochte sie es herausnehmen ; sie wußte , daß man solche Dokumente ganz anders prüfen müsse , als mit dem bloßen Auge . Aber der » Raritätenkasten « mußte aufgezogen werden ; er war fremdes Eigentum und den Schlüssel hatte man aus Versehen stecken lassen ... War es nicht unehrlich , das Papier herauszunehmen ? Nein , sie legte es ja unverletzt wieder an Ort und Stelle , und es zu prüfen hatte ihr Mainau selbst zur Pflicht gemacht und zu dem Zwecke die Papierrolle dem Hofmarschall abverlangt . Sie zog rasch entschlossen den Kasten auf – das verhängnisvolle rosenfarbene Billet ihrer Mutter lag vor ihr – wie von einer Viper gestochen wich ihre Hand zurück , als sie es zufällig berührte – sie griff nach dem obersten , offen daliegenden Blatt – es war das , welches sie suchte . Atemlos flog sie , das Papier in der Tasche , hinunter in ihre Appartements , und nach wenigen Minuten lag es unter dem Mikroskop , dem treuen Gehilfen bei ihren Studien ... Unwillkürlich prallte sie zurück und schauerte in sich zusammen – da unter dem unerbittlichen Glas lag sonnenklar und erwiesen ein scheußlicher Betrug . Jeder sorgsam ausgeführte Buchstabe war vorher mit Bleistift vorgezeichnet gewesen – war man mit bloßem Auge nicht zu entdecken vermochte ,