, ich bin krank . ‹ » › Gott , erbarme dich ! ‹ schrie die Alte . › Sie werden doch nicht auch den Typhus bekommen ? ‹ » › Ich weiß nicht , mir ist schlecht . ‹ Ich log nicht , ich zitterte und die Schweißtropfen standen mir auf der Stirn . » › Kommen Sie , legen Sie sich , ich schicke um den Doktor , Fräulein Helenchen . ‹ » › Ja , ja , tue es ‹ stieß ich hervor . Dann setzte ich mich , unfähig , aufrecht zu bleiben , in Vaters Lehnstuhl am Ofen . Margarete lief hinaus , so schnell sie vermochte . Dann hörte ich sie in der Küche klappern mit ihren Pantoffeln und dort am Herd das Feuer schüren . Ich erinnere mich nicht mehr , was ich dachte , ich lauschte nur hinaus . » Würde er kommen ? » Was sollte ich ihm sagen ? » Es war so schwer ! Er hatte sich vielleicht schon getröstet , war schon auf neuem Freiersgang um eine andere . Herr Gott , es war doch auch unglaublich , was ich vorhatte ! Aber ich sah keinen anderen Ausweg als diesen , um meinen Eltern zu helfen . Es blieb mir ja immer die Wahl : ich konnte schweigen , ihn nur als Arzt sehen . Die Phrase : Wenn Sie noch so denken wie vor wenigen Wochen und Ihnen der gute ehrliche Wille genügt , Sie lieben zu wollen , versuchen zu wollen , Ihnen eine gute treue Frau zu sein – brauchte ich ja nicht zu sagen , – ich brauchte ja nicht – 291 » Ein rasches Klopfen an der Tür , dann ward sie geöffnet , Doktor Bodenstedt trat ein . » Er kam ruhig und freundlich näher , mit einem besorgten Ausdruck im Gesicht . › Sie sind die Patientin , Fräulein Helene ? ‹ Ich konnte nicht antworten , die Zähne klapperten mir leise aufeinander , er griff nach meinem Handgelenk , zog die Uhr heraus und zählte die Pulsschläge . » Kopfschüttelnd sah er mich an . » › Haben Sie eine Alteration gehabt ? ‹ fragte er . » Ich weiß nicht , mit welch jämmerlichem Blick ich ihn angesehen haben muß ! Er zog einen Stuhl heran , setzte sich neben mich und sagte : › Haben Sie doch Vertrauen zu mir , ich kann Ihnen sonst nicht helfen . ‹ » › Ich habe das größte Vertrauen , ‹ stieß ich hervor , › aber es wird mir schwer , zu sprechen . ‹ » › Sie müssen denken , ich wäre Ihr Bruder , ‹ redete er einfach zu . › Beichten Sie mir ganz vertrauensvoll . Ist ' s etwa um die Eltern ? Hat der Baron Ihnen wieder das Herz schwer gemacht ? ‹ » › Der Baron ? O , Sie wissen – ‹ » › Alles . Ihr Vater hat es mir erzählt , als – ‹ » › Nein , nein , nicht der Baron ! ‹ fuhr ich auf , › das ist vorüber – ‹ » › Vorüber – wirklich ? ‹ » › Ja , ja ‹ » › Und nun wollen Sie mir etwas mitteilen ? ‹ » › Ja , aber ich kann doch nicht – ‹ » › Soll ich fragen ? ‹ » › Ja – ‹ » › Wollten Sie mir sagen : Ich habe mich übereilt , als ich den einfachen Doktor mir nichts dir nichts abwies ? ‹ » › Nein , das nicht , ich konnte nicht anders – damals . Aber jetzt ist etwas geschehen , das heißt , ich habe etwas erfahren , das mich Vaters Weigerung verstehen läßt – und da wollte ich – ich wollte – ‹ » › Sie wollten mich fragen : Denken Sie noch an mich ? ‹ half er . 292 » Ich nickte . » › Dann antworte ich Ihnen : Ja , Helene , ich habe Sie unaussprechlich lieb , und ich will geduldig werben um Ihre Neigung . Schenken Sie mir nur vorerst Ihr Vertrauen , Ihre Freundschaft ! ‹ » › Aber wenn es mir nie gelingt , Sie zu lieben , ‹ unterbrach ich ihn erschrocken über die Kürze des Verfahrens . » Er lächelte ein wenig traurig . › Wir wollen es der Zukunft überlassen . Vielleicht gelingt es Ihnen doch , vielleicht steckt meine Seele die Ihrige ein wenig an , wenn es nämlich wahr ist , daß die Liebe eine Art Krankheit ist.Und ich glaube fast , ich bin unheilbar . ‹ » › Wollen Sie es daraufhin wagen ? Auch wenn ich Ihnen sage , daß ich vorläufig über nichts verfüge als über einen ehrlichen guten Willen ? ‹ » › Ja , Helene , geben Sie Ihre Hand ! So , ich danke Ihnen . Und für Ihre Offenheit danke ich Ihnen ganz besonders , und nun – ‹ » › Und jetzt , bitte – gehen Sie fort , gehen Sie fort ! ‹ bat ich mutlos bis zum Äußersten , als die Würfel gefallen waren . » › Ja , jetzt gehe ich , und wenn die Eltern kommen , grüßen Sie sie . Morgen früh bin ich wieder da und hole mir ihre Einwilligung . ‹ Und bei diesen Worten zog er mich herzhaft an sich und küßte mich auf den Mund . » Dann lief er wie ein Junge zur Tür hinüber , rannte 293 Margarete , die mit einer Tasse Lindenblütentee über die Schwelle kam , beinahe um , erklärte ihr in aller Eile , ich solle keinen Tee trinken , er habe schon Sympathie gebraucht , und fort war er . » Margarete sah ihm nach . › Der ist wohl toll geworden ? ‹ murmelte sie , › oder hat getrunken . ‹ Sie hatte den ernsthaften Menschen kaum wieder erkannt . Und wie sie dann vor