lag , bewegte es mit zarter Andeutung seine Kiefer . Warum Slim dies tat und gerade in diesem Augenblicke , wo wir einer Leiche gegenüberstanden , mit einer gewissen Schadenfreude tat , blieb mir rätselhaft . Ich gestehe , daß es wieder einmal kein gutes Licht auf unseren Freund Slim zu werfen droht , und dies ist mir an dieser fortgeschrittenen Stelle meiner Erzählung nicht mehr so gleichgültig oder gar erwünscht wie früher . Man schien sich überhaupt angesichts dieser bedauerlichen Tatsache nicht richtig zu benehmen ; man hätte für die Leiche doch eine kleine Christlichkeit tun sollen . Das Merkwürdigste aber blieb , daß eigentlich niemand so recht überrascht schien , sondern sich wie vor einer bekannten und überschlafenen Tatsache benahm . Checho fand die Leiche ; er behauptete , sie zu riechen . Ich merkte aber weder einen Geruch , noch ein Anzeichen von Verwesung , die Vergiftungserscheinungen abgerechnet . Die Indianer erklärten , diese Frau sei von der Schlange getötet worden . Es waren in der Tat zwei Bißstellen sichtbar . Eine kleine stichartige Wunde in der Herzgrube , aus der die rostigen Spuren eines Blutstrahles über den Leib liefen , der hart und gelb wie Bernstein schien , und eine größere Wunde im Unterleib , knapp über den Schenkeln . Dieser Unterleib war rund aufgeschwollen wie eine Blase , seine Haut war stellenweise durch die Expansion schäbig geworden und zeigte faulfarbige lila Schatten , ockergelbe Striemen oder Flecke von gänzlicher Farblosigkeit . Der gedunsene Leib mit dem nahtig verengten Geschlecht , dieser beinahe mütterliche Leib sah so traurig aus in dem Mysterium seines Stillstandes , daß ich hätte weinen mögen . Ich behauptete , Rulc , die Gattin Kelwas , des Malers , zu erkennen , aber ich gab zu , daß ich mich irren könne , denn schließlich waren alle diese Gesichter nicht genau zu unterscheiden . Indes stimmte Slim mir bei . Es war Rulc , sicherlich Rulc , er wüßte es ganz genau , ob ich ein so schlechtes Physiognomiengedächtnis hätte . » Schrecklich schlecht « , sagte ich . In diesem Augenblicke fühlte ich , daß van den Dusen mich ansah . Da beteuerte ich , daß ich in der Tat Gesichter nur sehr schwer behalten könne . Erst nach einer genaueren Bekanntschaft , nach einem sozusagen intimeren Verkehr wäre ich imstande , mir einen Menschen zu merken . Ich müßte mal erst meinen Klemmer aufsetzen - so , ja ja , allerdings , das wäre also Rulc , hm ... Ich sah auf und entdeckte , daß der Holländer wieder vollauf mit sich beschäftigt war . Das machte mich etwas ruhiger . Er war der einzige von uns , der vielleicht trauerte . Er war eine gute Seele von einem Manne . Er schien absolut keine Lebenslust zu besitzen , er war vollkommen entäußert , er war ein ungefährlicher Mann und gewiß kein Traumdeuter oder Gedankenleser . Slim schlug zu meiner Verwunderung ein Kreuz über das Opfer und hielt eine kurze Leichenrede , die aber vorzüglich unserer eigenen Sicherheit galt . Er sagte es zuerst den Indianern und dann auf englisch zu uns . Nu aber man raus ! war ungefähr der Sinn seiner Worte . Er war dicht an Zana , in Griffweite und mit dem Blicke auf ihr . Zana stand die ganze Zeit über mit verhängten Brauen und sehr ruhig dabei . Die Arme war gelangweilt , sie hatte ganz und gar kein Interesse an Leichen . Es war ihr deutlich anzusehen , daß sie fort wollte . Das Leben war doch sowieso nicht amüsant . » Hier sehen Sie ein indianisches Eifersuchtsdrama « , fuhr Slim fort und starrte unausgesetzt und nachdenklich den Holländer an , der ihm zufällig gegenüberstand und kein Auge von der Leiche wandte . » Es ist das Werk einer Nebenbuhlerin . Rulc wurde erstochen . Ein kachiertes Verbrechen ; höchst merkwürdig und schlau . Diese Schlange ist angesetzt worden , sozusagen direkt in die Wunde getaucht , nachdem bereits zwei Stiche geführt worden waren . Bitte , hier , sehen Sie , warum zeigt nicht auch die Brustwunde Vergiftungserscheinungen ? « Sein Blick bekam einen triumphierenden Glanz . Er wartete , daß jemand von uns beiden widerspräche . Als dies nicht geschah , fuhr er fort : » Es sind zwei Wunden , beide sehr tief . Sie rühren von einem langen sehr dünnen Messer her . Es ist ziemlich kräftig gestoßen worden . Betreffs der Schlangen mag ich mich übrigens irren . Es gibt sie hier herum in großer Anzahl und es ist wohl möglich , daß sich die eine oder die andere gerade an die Wunde verirrt hat . Ich möchte mich jetzt lieber zu dieser Ansicht bekennen und sogar noch weitergehen . Es ist wahrscheinlich , daß die Leiche mehreren Schlangen ausgesetzt war . Hier - und hier - vielleicht auch hier , aber das ist undeutlich , zeigt sie eingetrocknete Verschleimungen . Es scheint also inzwischen jemand hier gewesen zu sein , der die Schlangen fortnahm , jemand , der gegen sie gesichert ist . Warum - das kann ich natürlich nicht sagen . Vermutlich aus Pietät . Oder auch aus Spielsucht . Es ist gleichgültig . Viel interessanter wäre es , zu wissen , ob die Schlangen angesetzt wurden und von wem , vom Mörder , oder von einer gleichgültigen später eintreffenden Person , oder von beiden gemeinsam - - - diese Doppelheit ist es , die mir am interessantesten scheint . Was konnten - was durften , jawohl durften diese zwei miteinander zu tun haben ? Denn nun bin ich wieder überzeugt , daß die Schlangen angesetzt wurden . Es sammeln sich nicht so schnell so viele Schlangen an einem Orte , auch nicht an einer Leiche . Was meinen Sie , van den Dusen ? « Der Holländer nickte nur . Der Anblick einer Leiche schien ihn zu schwächen . Slim lachte plötzlich seltsam und sagte : » Die Indianer werden glauben , daß es