eine Handhabe zu geben . Die Häuser , die er besessen hat , lasse ich versteigern , die Gegenstände , die er berührt hat , werden verbrannt , und was an Geld und Geldeswert sich dann ergibt , fällt nach meinem Tode zu einem Drittel Ihnen zu . - Ich sehe im Geiste , wie Sie aufspringen und protestieren , aber ich kann Sie beruhigen . Was Sie bekommen , ist Ihr rechtmäßiges Eigentum mit Zinsen und Zinseszinsen . Schon lange wußte ich , daß Wassertrum vor Jahren Ihren Vater und seine Familie um alles gebracht hat , - erst jetzt bin ich in der Lage , es aktenmäßig nachweisen zu können . Ein zweites Drittel wird unter die zwölf Mitglieder des » Bataillons « verteilt , die den Dr. Hulbert noch persönlich gekannt haben . Ich will , daß jeder von ihnen reich wird und Zutritt bekommt zur Prager - » guten Gesellschaft « . Das letzte Drittel gehört zu gleichen Teilen den nächsten sieben Raubmördern des Landes , die mangels zureichender Beweise freigesprochen werden müssen . Ich bin das dem öffentlichen Ärgernis schuldig . So . Das wäre wohl alles . Und jetzt , mein lieber , lieber Freund , leben Sie wohl und gedenken Sie zuweilen Ihres aufrichtigen und dankbaren Innocenz Charousek . « Tief erschüttert legte ich den Brief aus der Hand . Ich konnte mich nicht freuen über die Nachricht von meiner bevorstehenden Enthaftung . Charousek ! Armer Mensch ! Wie ein Bruder kümmerte er sich um mein Schicksal . Bloß , weil ich ihm einst 100 fl . geschenkt hatte . Wenn ich ihm nur einmal noch die Hand drücken könnte ! Ich fühlte : ja , er hatte recht ; der Tag würde nie kommen . Ich sah ihn vor mir : seine flackernden Augen , die schwindsüchtigen Schultern , die hohe , noble Stirn . Vielleicht , daß alles ganz anders gekommen wäre , wenn eine hilfreiche Hand rechtzeitig in dies verdorrte Leben eingegriffen hätte . Noch einmal las ich den Brief durch . Wieviel Methode in Charouseks Irrsinn lag ! Ob er überhaupt irrsinnig war ? Ich schämte mich beinahe , diesen Gedanken auch nur einen Augenblick geduldet zu haben . Sagten seine Anspielungen nicht genug ? Er war ein Mensch wie Hillel , wie Mirjam , wie ich selbst ; ein Mensch , über den die eigene Seele Gewalt gewonnen hatte , - den sie durch die wilden Schluchten und Klüfte des Lebens emporführte in die Firnenwelt eines unbetretenen Landes . Er , der doch ein ganzes Leben auf Mord gesonnen , stand er nicht reiner da , als irgendeiner von denen , die naserümpfend umhergehen und angelernte Gebote eines unbekannten , mythischen Propheten zu befolgen vorgeben ? Er hielt das Gebot , das ihm ein übermächtiger Trieb diktierte , ohne an eine » Belohnung « hier oder jenseits auch nur zu denken . Was er getan hatte , war es etwas anderes als frömmste Pflichterfüllung in des Wortes verborgenster Bedeutung ? » Feig , hinterlistig , mordgierig , krank , eine problematische - eine Verbrechernatur « - ich hörte förmlich , wie das Urteil der Menge über ihn lauten mußte , wenn sie mit ihren blinden Stallaternen in seine Seele hineinzuleuchten käme , - dieser geifernden Menge , die nie und nimmer begreifen wird , daß die giftige Herbstzeitlose tausendfach schöner und edler ist als der nützliche Schnittlauch . - - - Wieder ging das Türschloß draußen , und ich hörte , daß man einen Menschen hereinschob . Ich drehte mich nicht einmal um , so sehr war ich erfüllt von dem Eindruck des Briefes . Kein Wort über Angelina , nichts von Hillel stand darin . Freilich : Charousek mußte in größter Eile geschrieben haben , die Schrift verriet es mir . Ob mir wohl noch ein Brief von ihm heimlich überbracht werden würde ? Ich hoffte heimlich auf den morgigen Tag , auf den gemeinsamen Rundgang der Gefangenen im Hof . - Da war es noch am leichtesten , daß mir irgendeiner vom » Bataillon « etwas zusteckte . Eine leise Stimme schreckte mich aus meinen Grübeleien : » Würden Sie gestatten , mein Herr , daß ich mich Ihnen vorstelle ? Mein Name ist Laponder . Amadeus Laponder « . Ich drehte mich um . Ein kleiner , schmächtiger , noch ziemlich junger Mann in gewählter Kleidung , nur ohne Hut , wie alle Untersuchungsgefangenen , verbeugte sich korrekt vor mir . Er war glattrasiert wie ein Schauspieler , und seine großen , hellgrün glänzenden , mandelförmigen Augen hatten das Eigentümliche an sich , daß , so geradeaus sie auch auf mich gerichtet waren , sie mich doch nicht zu sehen schienen . - Es lag so etwas wie - Geistesabwesenheit darin . Ich murmelte meinen Namen und verbeugte mich ebenfalls und wollte mich wieder umdrehen , konnte aber lange den Blick von dem Menschen nicht wenden , so fremdartig wirkte er auf mich mit dem pagodenhaften Lächeln , das die aufwärts gezogenen Mundwinkel der feingeschwungenen Lippen beständig seinem Gesicht aufdrückten . Er sah fast aus wie eine chinesische Buddhastatue aus Rosenquarz , mit seiner faltenlosen , durchsichtigen Haut , der mädchenhaft schmalen Nase und den zarten Nüstern . » Amadeus Laponder , Amadeus Laponder « , wiederholte ich vor mich hin . » Was er wohl begangen haben mag ? « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Mond » Waren Sie schon beim Verhör « , fragte ich nach einer Weile . » Ich komme soeben von dort . - Hoffentlich werde ich Sie hier nicht lange inkommodieren müssen « , antwortete Herr Laponder liebenswürdig . » Armer Teufel , « dachte ich mir , » er ahnt nicht , was einem Untersuchungsgefangenen bevorsteht . « Ich wollte ihn langsam vorbereiten : » Man gewöhnt sich allmählich an das Stillsitzen , wenn einmal