Menschenleut alles zu öberst und unterst kehren . Tu , wie er ' s haben will ! Tät die Mutter noch leben , sie könnt nit treuer sorgen für dich . « Er legte dem Söldner die Hand auf die Schulter . » Vergelt ' s Gott , Mensch ! « Dann ging er zur Türe . » Ich schau derweil nach den Gäulen . « Schweigend gehorchte der Bub und ließ sich dieses wunderliche Wehrstück um die Brust schnallen . Als Malimmes die Haken schloß , sagte er lustig : » Gelt , es paßt . Ich verschau mich nit leicht . « Jul hatte feuchte Augen und sah in den Sonnenschein , der das Fenster umflimmerte . » So ! Jetzt kriegst den Küraß wieder , den du nit lassen magst ! Du schämigs Bürschl du ! « Malimmes nahm die zwei Eisenmuscheln , legte sie um Brust und Rücken des Buben , schob die Achselkanten unter die Schulterkacheln der Armschienen , ließ die Nuten einschnappen und schloß die Schnallen . » Sitzt alles gut ? « Der Bub nickte . Und Malimmes fragte lachend : » Sag selber , ob dir der Küraß nit leichter ist , seit du das Pölsterlein hast ? « Wieder nickte Jul . » Weißt , Bub , allem Hartem muß man was Lindes unterlegen . Sonst druckt ' s. - Jetzt heb den Arm und tu einen Streich ! « Die eisernen Platten knirschten , als Jul die Faust hinter den Nacken hob und unter festem Sprung einen Streich ins Leere tat . » Höia ! Gut so ! « lachte Malimmes in Freude . » Beim richtigen Hieb müssen Streich und Fürsprung allweil eins sein , wie Männdl und Weibl in der Lieb . Der Streich muß schlagen , der Sprung muß stoßen . Und wenn ' s den andern niederreißt - gleich drüber weg und gegen den nächsten los ! So springt man all weil der Not davon und dem Leben zu . « » Wenn es - den andern - niederreißt ? « Jul atmete schwer , und ein wehes Suchen war in seinen verstörten Augen . » Das muß hart sein - « » Was , Bub ? « » Den ersten fallen sehen . Und wissen , man ist schuld an seinem Tod . « » Da gewöhnt man sich dran . Beim ersten bremselt ' s einen . Beim zweiten tut man sich schon leichter . Beim dritten ist ' s wie Nußknacken . Und alles schiebt man auf den Krieg . Was willst ? So macht halt der Krieg die Leut . « » Krieg ? Das ist ein grausiges Wort ! « Wieder atmete der Bub , als lägen ihm schwere Gewichte auf der Seele . » Muß das sein auf der Welt ? « » Meinen sollt man freilich , es wär nit nötig . Von jedem Krieg , der anhebt , könnt ein Gescheiter sagen : Das muß nit sein , es geht auch anders . Aber da schreien die unsinnigen Narren gleich : Es muß , es muß ! Und so geht ' s halt los . « » Wird das allweil so bleiben ? « » Solang die Menschen nit anders werden . Jetzt sind sie halt noch , wie sie allweil gewesen . Und eh der Maulwurf nit das Graben laßt , wird der Mensch die Rechthaberei und das Zannen nit lassen . « Malimmes hatte vom Tisch ein stählernes Ringgeflecht genommen , welches Hauptschutz und Halsberge in einem Stück war . Und während er am Fenster in der Sonne stand und immer dieses leisklirrende Flechtwerk schüttelte , damit die Stahlringe sich glatt und gleichmäßig legen möchten , schwatzte er mit ruhigen Worten : » Freilich , es kann auch anders sein . Was Sicheres weiß keiner . Könnt auch sein , daß Elend , Schreck und Grausen ein notwendig Ding im Leben sind , damit die Menschen merken , was Glück und ruhsame Zeiten wert sind . Bei ewigem Tag müßten die Menschen wie blind sein . Sehen lernt man bloß in den Nächten . Und wie kostbar der Frieden ist , das lernt man bloß im Krieg . Und Katz ist Katz , und Krieg ist Krieg . Schlagt der ander zu , so mußt du dich wehren . Und stehen muß , wer nit fallen will . Noch allweil besser : Ich leb und schnauf , derweil der ander ins Gras beißt . In Gottesnamen , drischt man hak den andern nieder . So muß man ' s halten als guter Kriegsmann . « Er stülpte dem Jul eine leichte , wattierte Leinenkappe übers Haar und zog ihm dann das feine Stahlgeflecht über Wangen und Nase herunter . Aus dem Oval der Kettenhaube guckte das eng von glitzernden Ringen umrahmte Gesicht des Buben bleich heraus . Seine Augen sahen in die Sonne , während er düstern fragte : » Malimmes ? « » Was , lieber Bub ? « » Glaubst du , daß die Berchtesgadnischen viel gute Kriegsleut haben ? « » Nit viel . Mein Bruder ist keiner . « Lachend kniete Malimmes auf den Boden nieder , weil er an den Beinschienen noch was zu richten fand . Zögernd , immer mit dem Blick an dem leuchtenden Fleck der Sonne hängend , fragte Jul : » Meinst du , daß der Jungherr Someiner ein guter ist ? « Malimmes hob jäh das Gesicht . Seine sonnverbrannte Stirn entfärbte sich , und die große Narbe fing dunkel zu glühen an . Doch ruhig sagte er : » Ein schlechter oder guter - Angst brauchst du nit haben . Wir zwei , wir fürchten uns nit . Wirst du nit fertig mit ihm - ich hilf schon , weißt ! « Da klang es wie ein zorniger Schrei : » Das darfst du nit ! « » Was nit ? « Die Stimme des Buben wurde langsam und schwer : » Den mußt du