war bleicher und schmäler geworden , der sanfte Glanz war nicht mehr in seinen Augen , aber in der Tiefe seines Blickes brannte eine Flamme , die sie bisher nicht gekannt . Er sagte ihr , daß ihm sein Gewissen ihr gegenüber keine Ruhe ließe . Sie hatte sich vorgenommen , sich in strenger Zucht zu halten , ihm weder beleidigt noch gebrochen , weder scharf und bitter , noch etwa klagend zu begegnen . Mit starkem Geiste mußte hier gelöst und gehoben werden . Und so fragte sie , warum er denn ein böses Gewissen habe . Was geschehen sei , war notwendig und darum gut . Er lächelte wehmütig : » Weißt du nicht , daß ich zu denen gehöre , die auch , wenn sie das Richtige und Notwendige tun , - oder erleiden , - nicht ruhig sind ? Immer quält sie der Gedanke : vielleicht hätte es doch auch anders getan - oder erlitten - werden müssen . « » Es ist gefährlich und unfruchtbar , seinem Ich auf diese Art nachzuspüren . Was geschieht , ist darin beschlossen . Wir entrinnen uns selbst doch nicht . « » Aber man weiß so wenig von diesem Ich , in dem alles beschlossen ist , wie du mit Wahrheit sagst . Und das ist das Schaurige daran . Denn was ich von mir weiß , das bin nicht Ich , - mein Ich , jenes , das mein Schicksal macht , « - ein hilfloses Lächeln glitt über sein Gesicht , - » ist dort , wohin ich nicht ausblicken kann . Und diese vergebliche Suche ist ' s , an der man sich verbraucht . « Er atmete tief , und sein Kopf sank . In diesem Augenblick empfand sie , daß er weinte , wenn auch keine Träne in sein Auge kam . Sie wußte nun , daß er in schweren Banden war . » Erzähle « , sagte sie . Und er erzählte . Es kam aus ihm heraus , ohne jeden Rückhalt . Er sprach vom Tode seiner Liebe zu ihr , als spräche er zu einer dritten Person , die das alles nicht betraf . Mit jener naiven Grausamkeit dessen , der übervoll ist von sich und seinem beständigen Kampf , berichtete , klagte er , - warb er um Trost . Draußen lagerte sich die Nacht in die Nebel . Wie eine Decke fiel der Schnee über sie , weich , dicht und feucht . Die Finsternis drang immer tiefer in den Raum , in dem die beiden saßen , und verhüllte ihnen ihre Gestalten . Olga entzündete ein Lämpchen auf dem Schreibtisch , das sein Licht unter grünem Schirm sammelte und es schwach in jene Ecke entließ . Er sprach von der plötzlichen Wandlung seines Herzens . Eines Morgens wachte er auf - und liebte nicht mehr . Es war » abgerissen « , - so nannte er es . Er begriff nicht , warum , und litt darunter . Dieses Magische kam über ihn , und alles war aus . Da trat in dieser Dämmerung seiner Seele , strahlend hell , jene andere Frau . Und er sprach von seiner Leidenschaft , - er schilderte , wie sie jedes andere Gefühl in ihm übertäubte . Nur der Gedanke wuchs und wuchs in ihm , diese Liebe zu erfüllen . Er berichtete auch von seiner Hoffnung . Er glaubte , daß er nicht unerwidert liebe . Scharf und grell , wie eine moderne Lichtmaschine , die Überhelle verbreitet , so leuchtete er hinein in das Chaos seiner Gefühle . Ein einziges Mal unterbrach ihn Olga . Sie fragte ihn , ob er seiner Gefühle diesmal denn so sicher sei , ob er nicht glaube , sich zu täuschen . Da sagte er ihr , - er hätte nur einen Wunsch : sich zu binden mit allen Fesseln . Er wollte kein » Freier « mehr sein . Er wünschte , daß sein Wille ewig so gebunden bliebe , wie jetzt . Sie fragte ihn , ob er dann an Ehe dächte , und er sagte , daß es seiner Wünsche höchstes Ziel wäre , die geliebte Frau frei zu wissen von den sie jetzt fesselnden Banden und sich ihr zu verschreiben auf Leben und Tod . Da rüttelte der Gram an ihrem Herzen und ließ sie erschauern , und Scham überflammte sie , weil er solches von ihr niemals begehrt hatte . Und dann sprach er davon , daß die Frauen die Größeren und Stärkeren wären . Und als sie wehmütig den Kopf schüttelte , da faßte er ihre Hand und sah ihr ins Auge : » Nie bist du mir so groß erschienen , - nie so weit die Grenzen deiner Persönlichkeit , - als eben jetzt , - heute . « - - Und er fuhr fort : » Glaube mir , wenn ich dir sage , daß wir zusammen bleiben müssen , - auch weiterhin . « Sie senkte den Kopf . » Und wenn es keine Freude für mich ist ? « » Du kannst es jetzt noch nicht als Freude empfinden ; aber ich glaube , daß es gar nicht von deinem freien Willen abhängt , ob wir verbunden bleiben oder nicht . Für Menschen unserer Art ist es bezeichnend , - daß sie immer wieder zusammentreffen . Die Leidenschaft kann da eine kurze Unterbrechung bringen . Dann zieht sich der betroffene Teil für eine Weile schmerzlich zurück ... Aber der Kreis , der Menschen unserer Art verbindet , schließt sich immer wieder , - trotz aller Kreuz- und Quersprünge darin . Glaube mir das ! « Einen Augenblick meinte sie den Boden unter den Füßen zu verlieren . Sie hob die Hand an die Augen , und über ihre Lippen stahl sich flüsternd das Wort : » Einsam , einsam « . Und dieses Wort durchflog die Wälle seiner Selbstsucht und schlug da eine schwere Bresche . Scheu erfaßte er ihre Hand :