Seele völlig erschüttern kann , und daß es sich dabei wohl um das gehandelt haben möchte , was die Alten einen » panischen Schrecken « nannten . » Pan lechzte und züngelte mit tausend Blutzungen nach mir , als wenn die ganze Nachtwelt ein gräuliches Gespenst wäre , « sagte Johanna ganz eingesponnen neu in den Schreck . » Ich habe genau den Eindruck auch aufgefaßt , « sagte Einhart zufrieden lächelnd , » und werde das einmal malen . « » Denkt ihr denn , ich wäre umsonst so lange dort oben sitzen geblieben und hätte wie ein Felsen so starr in die seltsamen Verwandlungen hineingeblickt , wenn es mir nicht darum zu tun gewesen ? « sagte er noch arglos . 12 Sonderbare Menschen , die in den jungen Tagen im eigenen , summenden Blute es aus tausend Seligkeiten erhören , aber sobald das Leben mit seinen Erfüllungen begonnen , Schritt um Schritt scheu zurückweichen . Und die dann ewig stehen , den Blick in die Ferne , gar nicht mehr bereit , das Leben und seine Erfüllungen hinzunehmen , anders , als mit bitterer Verachtung . Und die immer neu zum Leben in plötzlichem Lustflackern sich hinwenden , immer tiefer enttäuscht und immer herrischer erregt gegen den Trug aller Trüge . Solche Menschen sind wie heiße Glutstätten , in denen innige Brände doch nur schwelen , solange keine leichte , frohe Hand ihre Feuer beschwört und ihre Asche lockert . Und aus denen es , wenn eine hohe , liebende , sanfte Frau zur Opferstätte solchen heimlichen Erharrens getreten , emporbrennt wie ein Blühen . Der Harm ist zerstoben , wie noch ein wenig Rauch unter Flammen und Funken . Eine neue Jugend , scheint es , blüht . Eine köstliche Fülle reiner , stolzer , lodernder Feuertriebe wähnt sich das kranke Herz dem weihenden Blicke offen . In solcher Menschen Tiefgrund klingt ewig die Mythe von der Erlösung durch die Liebe . In jede neue Phase ihrer Weltverachtung nehmen sie diese einzige , sichere Verheißung mit , träumen immer neu den großen Traum , erharren und erhoffen neue Entfaltung . Denn jedes Menschengemüt auch , wie der Rosenstock und die Feuersglut entzückt sich im Entfalten und sich Darbieten . Und nie sind größere , letzte Erfüllungen , als sich weit und frei auftun und sich hingeben dürfen von Seele zu Seele . » Aber vielleicht ist das im Truge Leben der letzte , tiefste Trug ! « sagte oft Poncet . Mit solchem Zweifel in der Seele ist es nicht gut , einem andern Freund sein . Flüchtig sind die goldenen Fäden , in denen Baum und Früchte am Sommerende eingesponnen . Sie zerreißen leicht vom leisen Windhauch . Die goldenen Blätter , vom Lebenszweifel unversehens gelockert , wehen hin . Es gibt kahles Land und astkahle Bäume , vom Winde zerweht , und kahle Seelen von der Verachtung verarmt . Und immer ferner verklingt solchen Seelen das sanfte , heilende Wunder . » Auch das Weib ist nur eine Verheißung , die sich selbst zum Truge geboren , « sagte Doktor Poncet . » Und unter jeder Herzflamme , von Himmelsbränden voll , lauert der leere , finstere Abgrund , lauert die Zeit , und lauert das Sich-selbst-entführt-werden , wie Blatt um Blatt der Baumkrone im Winde . « Doktor Poncet war immer zernagt nach dem Weibe . Er war als Jüngling ein Menschensüchtiger gewesen . Er hatte überall hin mit Schwärmerblick neue Glückslehren gebracht . Er hatte auch , wie alle großen Schwärmer eine Zeit wähnen , es einmal ganz gefunden geglaubt . Er hatte das Leben nur zu sehr geliebt , wie er es noch träumte . Und Schritt um Schritt hatte das Wirkliche gegen ihn gestritten . Wenn man ihn genauer hätte einsehen können , das heiße , heimliche Erlebnis seiner Seele seit Jugendbeginn , so hätte man einen weiten Traumgarten gesehen , worin der Wolf Wirklichkeit immer neu alle Blumen geknickt und alle Bäume umgebrochen . Die Leidenschaft war immer heiß gewesen . Ein Weib berühren , galt schon dem Jüngling als verzehrendes Leiden . Allmählich hatte er die Liebe und alles Ding in der Welt käuflich und zur Gewohnheit und Notdurft erniedrigt gesehen . Er hatte sich immer wieder in unbegreiflichem Zwange hingeworfen . Die Gewohnheit Ehe , die Gewohnheit Kinderliebe , die allzu reiche Fülle Wiederkehr auf allen Wegen , daß auch die Leidenschaft , die sich ein höchstes Wunder wähnte , sich an Ecken und Enden profan gebärdete , daß das entzückteste Preisen der Seele nur Worte , nicht Wahrheit , nur Flucht , keine Dauer darstellte , das hatte er längst in sich genommen und trug mit solchem entweihenden Grundakkorde sein armes Leben . Und immer wieder war für ihn doch neu die Rätselblume des Hungers nach dem Weibe vor sein Auge emporgesproßt . Er mußte jetzt Johanna zu sich locken . Er mußte neu an die Erfüllungen glauben . Er fühlte es wieder wie eine Erlösung . Es däuchte ein ehernes Gesetz . Unentrinnbar . Er mußte . Und Doktor Poncet war ein zersetzender Liebhaber . Als der Winter in der Stadt dahinfloß , fühlte sich Johanna ganz verstrickt . Einhart liebte Johanna mit sanfter Güte . Er hing an allen ihren Handreichungen . Er liebte ihre junge , frohe Gestalt . Er hatte jeden Zug ihres Wesens in seinen Bildern licht gemacht . In ihm ruhte sozusagen und wuchs das Bild , das sie sich selber geworden war . Der Mensch selber weiß so wenig , was er an sich darbietet . Und unversehens kommt einer herzu , der ein Lied zur Dauer aus ihm anspinnt . Da hört sich die Seele plötzlich klingen und will es kaum glauben , daß so das Lied des eigenen Lebens hallt . Johanna ging wirklich ganz im Wundergewande , das Einharts Reichtum ihr wie einen Zaubermantel umgewoben . Aber um so mehr lockte sie jetzt der verzehrte Glutblick des » armen Heinrich . « So geschah es ,