schon jetzt durchschaut . Es fällt dem Ustad nicht mit einem einzigen Gedanken ein , die Seelen seiner Dschamikun für eine hohle Ehre zu verkaufen ! Ein einziger braver Dschamiki ist ihm tausendmal lieber als alle Takikurden , deren sämtliche Höflichkeiten doch nur den Zweck hätten , ihn betrunken zu machen , damit er sich zu ihrem willenlosen und verächtlichen Werkzeuge erniedrige ! Er wird sich nie in fremde Dienste stellen . Er ist sein eigener Herr und wird es bleiben , ohne nach den tauben Nüssen zu fragen , die man ihm mit so vielverheißender Höflichkeit entgegenträgt . « Da richtete er sich halb auf und fragte in erwartungsvollem Tone : » Aber man wird sich rächen ! Unnachsichtlich und auf jede mögliche Art und Weise rächen ! Hast du hieran gedacht ? « » Natürlich ! Die Rache ist dann unvermeidlich . Sie liegt im Wesen dieser Art von Menschen . Doch möge sie nur kommen ! Ich habe noch keine Rache gesehen , die sich nicht schließlich selbst vernichtet hat ! « » So bist du also entschlossen , dich von dem Scheik ul Islam nicht verlocken zu lassen ? « » Selbstverständlich ! Fest entschlossen ! Ich werde ihn genau so höflich behandeln wie er mich . Und er mag greifen , zu welchem Mittel er will , so wird er doch nur erreichen , was mir beliebt ! « Jetzt sprang er vollends auf , richtete sich in die Höhe und rief mit dem Ausdrucke der Erleichterung und der Ueberzeugung aus : » Da kann ich nun freilich ruhig sein ! Effendi , Effendi , ich kam in großer Sorge hierher ; du aber hast mir das Herz wieder leicht gemacht ! Ich kenne die Macht , welche morgen an dich herantreten wird . Sie schmückt sich mit dem Namen Gottes und des Schah-in-Schah . Sie stellt sich auf die Seite des Bestehens und Erhaltens und hat also das Gesetz für sich . Sie kommt im schimmernden Gewande oder im Bettlerkleide und schmeichelt also den Sinnen und der Menschlichkeit . Sie hofft alles Gute und verzeiht alles Böse . Sie ist geduldig , freundlich , demütig , der Inbegriff aller Tugenden in menschlicher Gestalt ! Aber , kennst du sie , Effendi ? « » Ja . « » So ist es genug ! Sie wird morgen aus Chorremabad bei dir erscheinen . Sie wird dir schmeicheln , dich absondern , dich - - - « » Nein , das wird sie nicht , « fiel ich ein . » Daß sie das könne , mache ich ihr gar nicht weis . Ich werde nicht allein sein , wenn ich den Scheik ul Islam empfange . « » Wohl der Pedehr wird bei dir sein , weil er der Scheik des Stammes ist ? « » Ja ; er und du . « » Auch ich ? « fragte er in schnell aufquellender Freude . » Warum auch ich ? « » Ich will es so . Das sei dir genug . « Da trat er einen Schritt näher zu mir heran und sprach : » Effendi , damit ehrst du nicht nur mich , sondern Viele ! Ich weiß nicht , ob man es dir schon gesagt hat : Ich lehre nicht nur den Gesang , sondern alles , was dem Geiste und dem Körper am Können nötig ist , auch Turnen , Reiten , Schießen , Exerzieren . Ich habe diesen Unterricht gegründet , als mich der Ustad dazu auserwählte , und dann Gehilfen angestellt , als die Zahl der Schüler sich vermehrte . Wir wirken still , ohne Lärm . Ein guter Lehrer lenkt die Aufmerksamkeit auf seinen Gegenstand , doch nicht auf sich . Darum hast du wohl noch wenig oder nichts von uns gehört . Wer mit dem prahlt , was er lernte , der hat nichts gelernt . Aber gib den Dschamikun Gelegenheit , zu zeigen , was sie können , so werden sie es zeigen , und ich hoffe , du wirst damit zufrieden sein ! Ich sehe kommen , was nun kommen wird , und darum will und muß ich dir vor allen Dingen sagen : Wir fürchten keinen Feind ! Auch in Beziehung auf das Rennen mit den Persern kannst du ruhig sein . Wir haben gutes Reiter- und Pferdematerial . Ich stehe inmitten unserer Vorbereitungen und werde dir hierüber berichten , sobald es dir beliebt . Der Scheik ul Islam ist ein großer Liebhaber des Aesp-däwani33 ; er hat einen wohlgepflegten Stall und rühmt sich , das beste Pferd von Luristan zu besitzen . Sobald er hier von unserm Rennen hört , bin ich überzeugt , daß er sich zur Beteiligung melden wird . Weise ihn ja nicht ab ! Du würdest dadurch unsere Ehre schädigen ! Das hatte ich dir zu sagen . Hast du vielleicht noch eine Frage ? « » Weiß ich jetzt alles , was dir der Bote mitgeteilt hat ? « » Ja . « » So über alles Andere , auch über das Rennen , später . Nur über der Stute des Ustad bin ich mir noch nicht im klaren . Ich glaube , dieser Tifl hat sie gänzlich aus der Schule gebracht . « » Das ist nur eben richtig , wenn Tifl im Sattel sitzt , sonst aber nicht . « » Wer aber soll sie reiten ? « » Wer anders als der Ustad ? « fragte er verwundert . » Er reitet jetzt nur selten ; aber stelle jedes beliebige Pferd gegen seine Sahm , so wird er es besiegen , höchstens deinen Assil ausgenommen ! Tifl aber wird vom Rennen ausgeschlossen sein . « » Warum ? « » Das sage ich dir , sobald es reif geworden ist . Ich vermute , dieser Schwätzer wird nicht lange mehr zu den Dschamikun gehören . Der Ustad hat sich seiner nur aus Mitleid angenommen , und die Nachsicht , die er gegen ihn und Pekala