Pfennig . Er zerbrach sich den Kopf darüber , wie das zusammenhängen könne . Er fand keine Erklärung , keinen Zusammenhang . Aber bereits die nächste Post brachte dem völlig Verblüfften , wonach er vergeblich gesucht , die Aufklärung in Form einer geschmackvoll ausgestatteten Anzeige : Lena Weiss Franz Krieger , Grosskaufmann , empfehlen sich als Verlobte . Berlin , im April 1899 . Er zerriss das Blatt in tausend kleine Fetzen und zertrat es unter den Füssen . Seine Wut kannte keine Grenzen . Zum erstenmale in seinem Leben hatte er bei einem Weibe verspielt . Als Lotte von der Verlobung erfuhr , ward ihr bitter weh ums Herz . Aber hatte sie es nicht selbst so gewollt ? War es nicht schliesslich am besten so , da der Freund ihr ja doch lebenslang unwiederbringlich verloren war ? Gebe Gott , dass Lena ihn glücklich machte ! Sie hatte sich gerade angekleidet , um zu Luischen hinauszufahren , als Lenas flüchtig hingekritzelter Brief mit der bedeutsamen Nachricht gekommen war . Einen Augenblick dachte sie daran , ihren Besuch in Schmargendorf aufzuschieben , so müde und schwer waren die Glieder ihr plötzlich geworden . Aber nach kurzem Kampf raffte sie sich auf . Bei Luischen war ihr Platz . Sobald es ihr Kind anging , musste sie jederzeit bereit sein . Diese Liebespflichten durften sie niemals müde finden . Sie liebte das Kind nur um so inniger noch , seitdem sein Dasein ihr auch den letzten Freund gekostet hatte . Am nächsten Nachmittag suchte Lotte Lena auf , um ihr ihre Glückwünsche zu bringen . Sie fand sie allein . Franz war durch die Einrichtung des Geschäfts noch immer sehr stark in Anspruch genommen . Sie war nicht so heiter , als Lotte es wohl erwartet hatte . Kühl und trocken sprach sie sich aus , als ob es sich um den Abschluss eines wohlüberlegten Geschäfts , nicht aber um Neigung und Liebe gehandelt habe . Mit Genugthuung erzählte sie , dass Franz sie von allen Verpflichtungen gegen Bornstein sofort losgelöst habe , wie es aber mit ihrem Geschäft nun werden solle , ob es nach dem Südosten verlegt oder hier bleiben solle , das sei noch ein streitiger Punkt zwischen ihnen . Lotte sah die Schwester mit grossen , verwunderten Augen an . » Wie denn ? Du willst Dein Geschäft behalten , Lena , auch wenn ihr verheiratet seid ? « » Aber natürlich . Glaubst Du , ich wollte meine teuer erkaufte Selbständigkeit aufgeben ? Bloss die Frau meines Mannes sein ? Das hielte ich nicht acht Tage aus . « » Und was sagt Franz dazu ? « fragte Lotte kleinlaut . Lena lachte . » Zuerst machte er ein schrecklich dummes Gesicht , so wie früher , Lotte , weisst Du noch , wenn ich etwas besonders Verrücktes ausgeheckt hatte und dann davonlief und ihn stehen liess , weil er doch nicht hätte mitthun können . Nach und nach hat er ' s aber eingesehen , dass ich eine viel zu moderne Frau bin , um mir an einer langweiligen Wirtschaft genügen zu lassen . Ganz ausgefochten aber ist unser Streit noch immer nicht . Er will , ich soll mit dem Geschäft nach seiner elenden Gegend übersiedeln , ich will natürlich hier bleiben . Ist es nicht schon schlimm genug , dass man in diesem ordinären Stadtteil wohnen muss ? Nicht um die Welt verleg ' ich mein Geschäft dahin . Abgesehen von allem Uebrigen , würde mir ja meine ganze Stammkundschaft flöten gehen . Na , ich werde ihn schon noch rumkriegen . « Lotte war sehr nachdenklich geworden . » Wenn Du Deinen Willen durchsetzst , Lena , werdet Ihr Euch ja den ganzen Tag kaum sehen ? « Lena lachte wieder . » Du bist gerade so spiessig wie Franz . Ich glaube wirklich , ihr beide hättet doch besser zu einander gepasst . Deswegen brauchst Du nicht rot zu werden , Lotte . Jetzt habe ich ihn einmal und behalte ihn ; trotz alledem bin ich nämlich schrecklich verliebt in ihn . Also wovon sprachen wir gerade ? Richtig , dass wir uns auf diese Weise den ganzen Tag nicht sehen würden . Der reine Unsinn . So was könnt Ihr auch nur behaupten . Sehr praktisch habe ich mir schon alles ausgedacht . Vor allen Dingen werden Räder angeschafft . Du weisst , Bornstein hat es nie haben wollen , sonst hätte ich längst geradelt . Auf diese Weise brauche ich nicht mehr als gute zehn Minuten vom Moritzplatz bis hierher . Morgens um neun fahre ich ab und um fünf - wir machen natürlich englische Tischzeit - radle ich wieder herein . Wenn dann was besonderes vorliegt , kann ich abends immer noch ' mal heraus . Hat Franz Lust und Zeit , kann er mich ja dann begleiten . Pass nur auf , er gibt schon nach , und schliesslich gefällt es ihm selbst ganz gut , dass wir nicht den ganzen Tag zusammenhocken . Für eine Ehe , in der nicht jeder seine Freiheit hat , danke ich bestens . « Lotte wollte gerade eine Antwort geben , die im ausgesprochensten Gegensatz zu Lenas Anschauung gelautet haben würde , als Franz eintrat . Bei Lottes unerwartetem Anblick stutzte er einen Augenblick . Eine grosse , peinliche Verlegenheit schien Herr über ihn werden zu wollen . Aber dann warf er sich trotzig in die Brust . Sie selbst hatte ihn ja in Lenas Arme getrieben . Und als ob er ihr hätte beweisen wollen , wie wohl ihm darin sei , herzte und küsste er seine Braut , dass Lotte sich errötend abwandte . - Die Hochzeit war für Anfang Juni festgesetzt worden , bis dahin konnte Lenas Ausstattung fertig sein und Franz ' Geschäft einen einigermassen geregelten Gang gehen . Auf etwas anderes brauchten sie nicht zu warten . Nur im kleinsten Kreise sollte die Hochzeit gefeiert werden . Der Vater , Lotte , Frau Wohlgebrecht