er einen Satz ; andere widersprachen , so viel verdiene der nicht , hieß es . Es gab darüber ein Hin und Her . Der Agent ließ die Leute ausreden und blickte mit überlegenem Lächeln drein . Dann griff er wieder ein , den Widerspruch , in den sich der junge Mann verwickelt hatte , geschickt benutzend , machte er ihn lächerlich , so daß er bald die Lacher auf seiner Seite hatte . Eine ernstere Miene aufsetzend , hielt er darauf eine kleine Ansprache . Die Leute sollten nur Vertrauen zu ihm fassen , sagte er . Er sei als Freund zu ihnen gekommen . Er wisse , wie es dem kleinen Manne ums Herz sei in diesen schweren Zeiten . Sei er doch selbst aus dem Arbeiterstande hervorgegangen , habe sich durch seiner Hände Werk emporgearbeitet . Aber stolz sei er nicht geworden . Der Mann besaß eine gewisse breite Gemütlichkeit , etwas volkstümlich Biedermännisches in Worten und Gebärden , das zum Herzen des kleinen Mannes sprach und ihm auch hier schnell die Gemüter eroberte . Unter den Anwesenden waren viele Tagelöhner , Dienstleute , kleine Stellenbesitzer , lauter armes Volk , das um seine Existenz rang . Auch ein paar Armenhäusler waren zur Stelle . Die meisten hatten sich wohl nur des Zeitvertreibs wegen hierher begeben , um mal zu sehen , was ein » Aufseheragent « eigentlich für ein Ding sei , und » ob der Karle wos lus hatte « . Getrunken wurde viel . Hinter dem Schenktisch stand Kaschelernst , der die Pfennige ebenso gern von den Armen nahm wie von den Reichen . » Kleinvieh macht och Mist , « pflegte er philosophisch zu sagen . Richard ging umher an den Tischen und nahm die leeren Gläser in Empfang , setzte volle auf und kassierte . An den erhitzten Gesichtern und den lauten Stimmen konnte man merken , daß einzelne schon zu viel des Guten getan hatten . Agent Zittwitz hatte sich inzwischen in eine abgelegenere Ecke des Raumes begeben , wo mehrere Mädchen beisammen saßen , ängstlich und ratlos wie ein Völkchen junger Hühner . Der Aufseheragent pflanzte sich vor sie hin und suchte sie durch freundlichere Blicke und Worte zu kirren . Er pries ihnen die Vorzüge seines Kontraktes . Seine Anpreisung war geschickt auf den weiblichen Sparsamkeits- und Ordnungssinn berechnet . Sie könnten ihren ganzen Lohn zurücklegen , da sie alles geliefert bekämen und keinerlei Ausgaben hätten . Die meisten Mädchen brächten im Herbst ihre dreihundert Mark zurück , er kenne auch welche , die es bis zu fünfhundert gebracht hätten . Viele Mädchen verdienten sich auf diese Weise ihre Ausstattung . Die Mädchen sagten nicht viel , aber ihren Mienen war es leicht anzusehen , daß sie große Lust hatten , der Lockpfeife des Fremden zu folgen . Gustav hatte sich anfangs nicht viel darum gekümmert , was in jener Ecke vorgehe . Er war darüber , den Kontrakt durchzulesen , welchen der Agent ausgelegt hatte . Es befanden sich noch keine Unterschriften darunter . Als er dann nach der Mädchenecke hinüberblickte , erkannte er zu seiner nicht geringen Verwunderung seine eigene Schwester Ernestine , die sich in der Gruppe befand . Sie saß unter den Vordersten und folgte den Reden des Werbers mit gespannter Aufmerksamkeit . Wollte die sich etwa gar verdingen ? Er trat hinter den Agenten ; er wollte doch einmal genauer feststellen , was der den Mädeln eigentlich vorschwatzte . Der Werber war gerade dabei , auseinanderzusetzen , welche Lebensweise ihrer in Sachsen harre . Sie wohnten gemeinsam in besonderen Häusern , auch Kasernen genannt . Ihre Betten und Kleider könnten sie sich mitbringen , für alles andere sei gesorgt . Die Lebensmittel bekämen sie geliefert . Früh , ehe es zur Arbeit ging , setze man sich seinen Topf an . Ein Mädchen bleibe zurück , um nach dem Feuer zu sehen und die Töpfe zu rücken . Den Abend hätten sie ganz für sich , ebenso den Sonntag . Der Mann verstand es , das Leben der Sommerarbeiter in der angenehmsten Weise zu schildern . - Dann begann er von der Arbeit zu sprechen , für die sie gemietet würden . Er meinte , die sei so leicht , jedenfalls ein Kinderspiel im Vergleich zu dem , was man in dieser Gegend von den Frauen verlange . Rüben hacken und verziehen , zur Erntezeit Getreide abraffen und binden und im Herbste Kartoffeln und Rüben roden . All die schweren und unappetitlichen Verrichtungen , die sie zu Haus tun müßten , wie : misten , jauchen , graben , dreschen , melken , karren und die Egge ziehen , fielen da weg . Auch würde da meist in Akkord gearbeitet , ohne Aufsicht von seiten der Dienstherrschaft . Ganz frei sei man und ungebunden . Könne es etwas Schöneres geben ! Und im Herbste kehre man dann mit dem ganzen reichen Lohne des Sommers frohen Mutes in die Heimat zurück . Der Werber machte eine Pause . Er hatte die Stimmung so gut vorzubereiten verstanden , daß er nur noch die Hand auszustrecken brauchte , und er hatte die Mädchen alle . Da trat Gustav vor und sagte , er wolle mal ein paar Fragen stellen . » Bitte schön ! « meinte der Agent . » Dazu bin ich hier , um Rede und Antwort zu stehen . Je mehr Sie fragen , desto angenehmer ist es mir . « Er sagte das mit größter Zuvorkommenheit , betrachtete sich den jungen Mann jedoch gleichzeitig mit forschenden Blicken , die nicht frei von Argwohn waren . » Wir haben ja hier alle gehört , « begann Gustav und wandte sich mehr an die anwesenden Männer als an die Frauen , » wie schön dort alles ist , wo der Herr uns hinbringen möchte , und wie dort alles gut ist , viel besser als hier bei uns . « Er stockte . Das freie Sprechen war ihm etwas völlig Ungewöhntes . Einen Augenblick lang