, » ich habe droben alles bereitgestellt . Und bitte , sagen Sie dem Diener - « Da verstummte Forbeck und sah erschrocken in das Gesicht des Mädels . Mali sah aus wie ein Gespenst ihrer selbst . Der Ausdruck eines trostlosen Kummers lag auf ihren vergrämten Zügen , und dunkle Ränder zogen sich um die Augen . » Was ist Ihnen ? « fragte Forbeck . » Sind Sie krank ? « Mali schüttelte den Kopf . » Bloß a bißl übernächtig bin ich , ' s Kindl hat mich net schlafen lassen . « Sie trat in die Stube . Forbeck verließ den Brucknerhof , folgte einem Pfad , auf den ihn der Zufall führte , und irrte zwei Stunden in dem Wald umher , der den Park von Schloß Hubertus umgab . Immer wieder geriet er in die Nähe des Tores , stand unschlüssig , warf einen Blick auf die Uhr und wandte sich wieder in den Wald zurück . Endlich ging es auf die zehnte Stunde . Mit dem ersten Glockenschlag , der von der Dorfkirche herübertönte , trat Forbeck in den Park . Als er sich dem Adlerkäfig näherte , begegnete ihm Moser mit einer blutfleckigen Holzschüssel ; der Alte war am Morgen mit dem Wildtransport von der Jagdhütte heruntergekommen , hatte Roberts Brief zur Post getragen , die Arbeit in der Zwirchkammer erledigt und brachte nun den Adlern die rohe Wildleber zum Futter . Mit Gönnermiene nickte er dem jungen Künstler zu : » Die Damen sind schon bei die Malersachen im Park hint und warten ! « Die Adler hatten die ihnen wohlbekannte Schüssel bereits gewahrt und flatterten hinter dem Gitter lärmend durcheinander , so daß sich vom Boden des Käfigs eine schmutzige Wolke erhob . Während Moser das Gitter öffnete , beschleunigte Forbeck den Schritt - der Anblick des Käfigs hatte immer peinlich auf ihn gewirkt , und das blutige Menageriegeschäft , das er den alten Jäger üben sah , mehrte in ihm noch das Gefühl des Widerwillens . Als er den offenen Platz vor dem Schloß erreichte , verschlang sein irrender Blick die Blumenbeete , das zitternde Lichterspiel im Gezweig der Bäume und den blitzenden Tropfenfall der rauschenden Fontäne . » Wie schön ! Und heute zum letztenmal ! « Da hörte er die Stimme der Kleesberg und sah auf dem Rasen die Staffelei mit der Leinwand bereits aufgestellt . Kitty und Tante Gundi standen vor dem Bild , und Forbeck , während er näher kam , hörte noch ein wortreiches Stück der begeisterten Rede , mit der die Kleesberg dem in Schweigen versunkenen Mädchen die » unglaublichen Fortschritte « der Arbeit pries . So aufmerksam Kitty auch lauschte , sie vernahm doch den Schritt , der sich näherte . » Er kommt ! « Tante Gundi begrüßte den jungen Künstler mit erregter Herzlichkeit , und als ihr Forbeck , der nicht zu sprechen vermochte , die Hand küßte , sah sie so verträumt auf ihn nieder , als wären ihre Gedanken weiß Gott in welcher Ferne und vergangenen Zeit . Bei Kitty war die Begrüßung schneller abgetan ; eines vermied den Blick des andern . Während Kitty langsam auf den Sessel zuging , um ihre Stellung einzunehmen , fand Gundi Kleesberg ihre Fassung wieder . » Beginnen Sie nur gleich mit der Arbeit ! « mahnte sie . » Die letzte Sitzung ! Da müssen wir die Zeit noch gut benützen . « Das klang , als wäre auch ihr bei dieser letzten » Sitzung « eine wichtige Rolle zugewiesen . Sie griff nach ihrem Buch und ließ sich auf die Rohrbank nieder , die heute dicht neben die Staffelei gerückt war . » Es stört Sie doch nicht , wenn ich so nahe sitze ? « » Gewiß nicht ! « Die Palette zitterte in Forbecks Hand , während er die Farben aus den Tuben drückte ; dann trat er vor die Leinwand . Die Falten an Kittys Kleid waren einer Korrektur bedürftig . » Gestatten Sie ? « » Oh , bitte ! « Als er zurücktrat und das Werk seiner zitternden Hände einer letzten Musterung unterzog , verirrten sich seine Augen bis zu Kittys glühendem Gesichtchen , und da tauchte Blick in Blick , so seltsam erschrocken , als sähe eines im anderen ein unbegreifliches Rätsel . Wie ein Träumender ging er zur Staffelei zurück und begann die Arbeit . Lautlose Minuten . Ab und zu das Gezwitscher eines Vogels . Und manchmal knisterte es leise , wenn Gundi Kleesberg ein Blatt ihres Buches umschlug . Es schien ihr mit dem Lesen nicht sonderlich ernst zu sein . Immer wieder glitt ihr Blick zu Forbeck hinüber . Endlich klappte sie das Buch zu . » Sind Sie bei der Arbeit immer so schweigsam ? Sie haben es wohl nicht gern , wenn geplaudert wird ? « Forbeck erwachte aus seiner Verlorenheit . » Im Gegenteil , ich bin seit Jahren gewohnt , mit Werner gemeinsam zu arbeiten . Wir haben immer was zu plaudern . « » Wie lange leben Sie schon in München ? « » Seit vierzehn Jahren , seit Werner mich in sein Haus nahm . « » Ja , richtig , Sie erzählten uns neulich , daß Sie - mit Professor Werner verwandt wären ? « » Aber Tante Gundi ! « rief Kitty von ihrem Sessel herüber . » Herr Forbeck erzählte das Gegenteil , auf der Veranda , als uns Tas diese merkwürdige Ähnlichkeit erklärte . « » Diese Ähnlichkeit - « lispelte Gundi Kleesberg vor sich hin . In Kitty war , als sie den Namen des Bruders ausgesprochen hatte , der Gedanke erwacht , daß Tassilo vielleicht in dieser Stunde vor dem Vater stünde , ringend um sein Glück . Ihre Augen suchten die Berge , und unter einem Seufzer zog sie die beiden Daumen ein . » Sagten Sie nicht auch , daß Professor Werner Sie erziehen ließ ? « begann die Kleesberg von neuem ihr Verhör .