allzu teuer . Denn ihr werdet euch einschränken müssen . Innstettens Stellung ist sehr ehrenvoll , aber sie wirft nicht allzuviel ab . Und Briest klagt auch . Die Preise gehen herunter , und er erzählt mir jeden Tag , wenn nicht Schutzzölle kämen , so müß er mit einem Bettelsack von Hohen-Cremmen abziehen . Du weißt , er übertreibt gern . Aber nun lange zu , Dagobert , und wenn es sein kann , erzähle uns was Hübsches . Krankheitsberichte sind immer langweilig , und die liebsten Menschen hören bloß zu , weil es nicht anders geht . Effi wird wohl auch gern eine Geschichte hören , etwas aus den Fliegenden Blättern oder aus dem Kladderadatsch . Er soll aber nicht mehr so gut sein . « » Oh , er ist noch ebensogut wie früher . Sie haben immer noch Strudelwitz und Prudelwitz , und da macht es sich von selber . « » Mein Liebling ist Karlchen Mießnick und Wippchen von Bernau . « » Ja , das sind die Besten . Aber Wippchen , der übrigens - Pardon , schöne Cousine - keine Kladderadatschfigur ist , Wippchen hat gegenwärtig nichts zu tun , es ist ja kein Krieg mehr . Leider . Unsereins möchte doch auch mal an die Reihe kommen und hier diese schreckliche Leere « , und er strich vom Knopfloch nach der Achsel hinüber , » endlich loswerden . « » Ach , das sind ja bloß Eitelkeiten . Erzähle lieber . Was ist denn jetzt dran ? « » Ja , Cousine , das ist ein eigen Ding . Das ist nicht für jedermann . Jetzt haben wir nämlich die Bibelwitze . « » Die Bibelwitze ? Was soll das heißen ... ? Bibel und Witze gehören nicht zusammen . « » Eben deshalb sagte ich , es sei nicht für jedermann . Aber ob zulässig oder nicht , sie stehen jetzt hoch im Preise . Modesache , wie Kiebitzeier . « » Nun , wenn es nicht zu toll ist , so gib uns eine Probe . Geht es ? « » Gewiß geht es . Und ich möchte sogar hinzusetzen dürfen , du triffst es besonders gut . Was jetzt nämlich kursiert , ist etwas hervorragend Feines , weil es als Kombination auftritt und in die einfache Bibelstelle noch das dativisch Wrangelsche mit einmischt . Die Fragestellung - alle diese Witze treten nämlich in Frageform auf - ist übrigens in vorliegendem Falle von großer Simplizität und lautet : Wer war der erste Kutscher ? Und nun rate . « » Nun , vielleicht Apollo . « » Sehr gut . Du bist doch ein Daus , Effi . Ich wäre nicht daraufgekommen . Aber trotzdem , du triffst damit nicht ins Schwarze . « » Nun , wer war es denn ? « » Der erste Kutscher war Leid . Denn schon im Buche Hiob heißt es : Leid soll mir nicht widerfahren oder auch wieder fahren in zwei Wörtern und mit einem e. « Effi wiederholte kopfschüttelnd den Satz , auch die Zubemerkung , konnte sich aber trotz aller Mühe nicht drin zurechtfinden ; sie gehörte ganz ausgesprochen zu den Bevorzugten , die für derlei Dinge durchaus kein Organ haben , und so kam denn Vetter Briest in die nicht beneidenswerte Situation , immer erneut erst auf den Gleichklang und dann auch wieder auf den Unterschied von » widerfahren « und » wieder fahren « hinweisen zu müssen . » Ach , nun versteh ich . Und du mußt mir verzeihen , daß es so lange gedauert . Aber es ist wirklich zu dumm . « » Ja , dumm ist es « , sagte Dagobert kleinlaut . » Dumm und unpassend und kann einem Berlin ordentlich verleiden . Da geht man nun aus Kessin fort , um wieder unter Menschen zu sein , und das erste , was man hört , ist ein Bibelwitz . Auch Mama schweigt , und das sagt genug . Ich will dir aber doch den Rückzug erleichtern ... « » Das tu , Cousine . « » ... Den Rückzug erleichtern und es ganz ernsthaft als ein gutes Zeichen nehmen , daß mir , als erstes hier , von meinem Vetter Dagobert gesagt wurde : Leid soll mir nicht widerfahren . Sonderbar , Vetter , so schwach die Sache als Witz ist , ich bin dir doch dankbar dafür . « Dagobert , kaum aus der Schlinge heraus , versuchte über Effis Feierlichkeit zu spötteln , ließ aber ab davon , als er sah , daß es sie verdroß . Bald nach zehn Uhr brach er auf und versprach , am anderen Tage wiederzukommen , um nach den Befehlen zu fragen . Und gleich nachdem er gegangen , zog sich auch Effi in ihre Zimmer zurück . Am andern Tage war das schönste Wetter , und Mutter und Tochter brachen früh auf , zunächst nach der Augenklinik , wo Effi im Vorzimmer verblieb und sich mit dem Durchblättern eines Albums beschäftigte . Dann ging es nach dem Tiergarten und bis in die Nähe des » Zoologischen « , um dortherum nach einer Wohnung zu suchen . Es traf sich auch wirklich so , daß man in der Keithstraße , worauf sich ihre Wünsche von Anfang an gerichtet hatten , etwas durchaus Passendes ausfindig machte , nur daß es ein Neubau war , feucht und noch unfertig . » Es wird nicht gehen , liebe Effi « , sagte Frau von Briest , » schon einfach Gesundheitsrücksichten werden es verbieten . Und dann , ein Geheimrat ist kein Trockenwohner . « Effi , sosehr ihr die Wohnung gefiel , war um so einverstandener mit diesem Bedenken , als ihr an einer raschen Erledigung überhaupt nicht lag , ganz im Gegenteil : » Zeit gewonnen , alles gewonnen « , und so war ihr denn ein Hinausschieben der ganzen Angelegenheit eigentlich das Liebste , was ihr begegnen konnte . » Wir wollen diese Wohnung aber