doch stetig zu wechseln strebten . Seine Hände waren schwammig und aufgequollen , seine Gesichtslinien an einzelnen Stellen , um Augen und Nase herum , schärfer markirt und zugleich widerlich verwischt . Die Lippen trocken , spröde , auf der Zunge stand ein fader , dürrer , kiesig prickelnder Sandgeschmack , die Stirn brannte von einem pressenden Drucke . Oefter mußte Adam gähnen , aber seine Kiefer schienen alle Biegsamkeit und Spannung verloren zu haben . Die Kopfhaut schmerzte , als wäre sie von einem Heere engzusammenstehender Stecknadeln durchlöchert . Zu jeder Handlung mußte sich Adam besonders zwingen . Alle Reibungen des geistigen und des thatsächlichen , praktischen Kleinlebens reizten ihn mit gesteigerter Intensität . Dabei besaß Nichts ein tieferes Interesse mehr für ihn ... und Alles , was ihn sonst zum Denken , Bedenken , Betrachten herausforderte , hatte Wert , Inhalt , Form und Farbe verloren . Adam wusch sich Gesicht und Hände und schellte . Im Nebenzimmer raschelte es . Ein langer Seufzer zitterte herüber . Dann rief eine müde , heisere Stimme , wie gebrochen , » Adam - ! « » Gleich , mein Lieb ! Einen Augenblick ! « Es klopfte . » Herein ! « Das Mädchen kam und brachte den Kaffee . » Morgen , Herr Doctor ! « » Morgen ! Und bringen Sie bitte noch ' ne Tasse , Ida ! « » Noch ' ne Tasse ? « » Ja ! Ist das so merkwürdig ? Ich habe Besuch - « Das Mädchen sah sehr verblüfft aus . Es starrte Adam einen Augenblick an . » Aber ist denn das noch nicht vorgekommen , so lange Sie hier sind - ? « fragte Adam unwirsch-ungeduldig . » Nee ! In den acht Tagen , wo ich - « » Na , also bitte - ! « Jetzt schien dem kleinen , frisch vom Lande importirten » Besen « doch ein Licht auszugehen . Er verzog den Mund und grinste tolpatschig-schnippisch . » Rindvieh ! « knurrte ihm Adam nach und trat in ' s Nebenzimmer . Hedwig saß im Bett , hatte die Arme gegen die unter der Decke herausgezogenen Kniee gestemmt und die Hände vor das Gesicht gedrückt . Adam rückte sich einen Stuhl an das Bett heran und streichelte seinem Weibe liebkosend Haar und Hals . » Nun - wie fühlt sich die gnädige Frau ? Mir ist nicht so besonders - ich weiß nicht , aber - « Hedwig nahm die Hände von den Augen . Langsam wandte sie ihr Gesicht mit den bleichen , übernächtigten Zügen und dem schweren , verthränten Blick Adam zu . Das arme Weib schien ganz muthlos , ganz » hin « zu sein . Sich im Bette eines fremden Mannes zu finden - ihm mußte doch auch die Scham in der Seele brennen - » Mein Lieb- ! « » Das überlebe ich nicht , Adam ! Mein armer - armer Vater - ! « » Nur Muth , Hedwig ! Es wird schon schief gehen - pardon ! wollte sagen : es wird sich Alles schon machen . Schlimmsten Fall ' s - also - Du hast ja immer - hast ja immer an mir Halt und Stütze ! Wir werden ' s schon überstehen . Es wird noch Alles gut werden - laß nur jetzt den Kopf nicht zu tief hängen , Kind ! . Und komm ! steh ' auf ! Du kannst hier ganz ungenirt Toilette machen . Alles Nöthige wirst Du finden . Es wäre ja nicht das erste Mal , daß eine Da - - - man ist für solche Fälle eben vorbereitet , wie es sich geziemt ... « Der angefügte Nachsatz sollte wie ein harmloser Scherz klingen und war doch eine unwillkürlich beabsichtigte Bosheit . Der Herr Doctor mußte sich in dieser Richtung leider nur zu oft gehen lassen . Es war beinahe , als ob nur die vasamotorischen Nerven diesen Reflex auslösten , und der Wille nicht einmal die Freiheit mehr besaß , unfrei zu sei . » Soll ich Dir den Kaffee herüberbringen , mein Lieb ? « Hedwig antwortete nicht . Adam benutzte ihr Schweigen und ging auf kleinen , wohlberechneten Umwegen in sein Arbeitszimmer zurück . Es war ihm zwar zu Sinn , als ob er sich so etwas wie » gedrückt « hätte . Aber da drinnen bei dem unglücklichen Weibe hatte er sich doch zu unbehaglich gefühlt . Und er war schon so nervös heute . Er goß sich eine Tasse Kaffee ein und trank das Gebräu , das nur noch lauwarm war , in hastigen Zügen hinter . Ein merkwürdiger Durst quälte den Herrn Doctor schon zu dieser frühen Morgenstunde . Und Adam vergegenwärtigte sich mit stiller Resignation , in der er doch aber immerhin ein Wenig zungenschnalzend schwelgte , welche Last er auf sich genommen ... und er erinnerte sich , wie so ganz anders er mit Emmy diese morgendliche Nachfeier genossen hatte - wie dieses schöne » Kind der Sünde « an den letzten verklingenden Melodien einer dithyrambischen Liebesnacht zu schlecken verstanden . Köstliche , unvergeßliche Stunden ! Und heute - ? Adam lag in der Sophaecke und kaute an einer Virginia-Cigarette , die gar nicht schmecken wollte . Im Schlafzimmer ging man auf und ab . Schritte schlürften , Kleider raschelten , das Waschwasser plätscherte . Aber Alles so langsam und eintönig , so störrisch-verglast , so leblos-mechanisch . Adam besaß ein sehr feines Gehör . Das war die Nuance der Trauer , der muthlosen Gleichgültigkeit . Ach ! Und das wirkt so ansteckend ... Es wurde an die Stubenthür geklopft . » Herein ! « » Herr Doctor , ' ne Dame ist draußen , die Sie sprechen will - « » ' Ne Dame - ? « » Ja ! « » Hat sie denn ihren Namen nicht genannt - ? « » Nee ! Sie sagte man bloß , sie müßte Sie sofort sprechen - « » Nun -