totenhaften Leere über ihn , und immer hörte er dabei die entsetzlichen Worte mit der düstern Melodie . Plötzlich erschrak er , daß seine Pulse stockten . Joachim schlug die Augen auf . Sie sahen sich stumm an . Die Lider sanken ihm nieder . Mühsam hob er sie zum zweitenmal . » Taiß oder Sie ? « murmelte Joachim . » Ich ! « sagte Lanzenau . Joachim schloß die Augen und blieb unbeweglich . Es schien , als wollte ihn zum zweitenmal Bewußtlosigkeit übermannen . Lanzenau beugte sich zu ihm und sagte : » Es wird sofort Hilfe kommen . Wie ist Ihnen ? « » Die Schulter , « murmelte er , » es brennt . « Nach einigen weiteren stummen Minuten kam der Graf , atemlos vom Laufen . Er hatte vier Tagelöhner aus dem Dorf mit , die eine breite Heuleiter trugen , auf der ein blauweiß gewürfeltes Stück Bettzeug lag . Man hob Joachim auf diese seltsame Tragbahre , und im Schritt ging es zurück . Taiß berichtete , daß er einen Jungen , der ihm gerade in den Wurf gekommen , beauftragt habe , Fanny zu benachrichtigen , da selbst ins Herrenhaus Kunde zu bringen und von da die Hilfe zu holen eine Verzögerung bedeutet hätte . Wohl hatte der Junge den Auftrag ausgeführt , aber er konnte den erschreckten Frauen nicht sagen , wen ein Unfall betroffen habe und welcher Art dieser gewesen . Fanny und Severina fragten hin und her ; sie begriffen , daß es Taiß gewesen sein mußte , der den Jungen geschickt , denn die abgefragte Personalbeschreibung paßte nur auf diesen . Also war Lanzenau im Wald erkrankt . O , das war auch wohl zu denken gewesen ; wie konnte er überhaupt nach seinem vorgestrigen Befinden solches Unternehmen wagen ? ! » Warum habe ich ihm nicht abgeraten ! « klagte Fanny . Aber sie war nicht die Frau , sich in thatenlosen Jammerreden zu ergehen ; sie trieb die Dienerschaft zu Vorbereitungen an und eilte selbst , mit Severina im Wohnzimmer Platz zu schaffen für ein Bett , da es ihr nicht geraten schien , den Kranken die Treppe hinauf tragen zu lassen . » Wir müssen uns sehr eilen , sie können in einer halben Stunde hier sein , « sagte sie , die Zeit nach der Ankunft des Boten ungefähr berechnend . Aber was sie nicht mit berechnen konnte , waren die zehn Minuten , die der Junge gebraucht hatte , um die von Taiß zur Anspornung des Eifers erhaltenen Groschen beim Krämer in Bonbons umzusetzen und einige davon zu verzehren . So geschah es , daß der traurige Zug über den Hof daher kam , ohne daß schon jemand ausschaute , und das Haus betrat , ohne daß die im hinteren Wohnzimmer eifrig hantirenden Frauen aufmerksam wurden . Die Dienerschaft , die herzulief , war nicht wenig erstaunt , daß der Herr Baron , den man vom Schlage gerührt wähnte , aufrecht neben der Bahre schritt , auf welcher - o , wie betrübend ! - der » junge Herr « lag . Was würde Frau Förster für einen Schreck bekommen ! Man wies die Träger nach dem Wohnzimmer , wohin sie durch den Gartensaal gelangten , und alles drängte sich mit jenem Instinkt nach , der aus Mitleid und Neugierde zusammengesetzt ist . Lanzenau hatte bis hieher die Kraft gehabt , sicher einherzugehen ; nun er vor Fannys Angesicht erscheinen sollte , schwindelte ihm ; er lehnte sich neben der Thür an die Wand und barg das Gesicht in der Hand . Die Thür that sich auf , Fanny und Severina standen sekundenlang in der Regungslosigkeit , mit welcher man auf eine schmerzliche , schon halb geahnte Wahrheit wartet . Wenn Lanzenau tot wäre ... Graf Taiß sah so ernst , so bleich aus - Fanny zitterte . Die Träger ließen ihre Bahre vorsichtig nieder . Da wurden vier Augen starr und weit - unter dem Tuch , welches das Gesicht und die Gestalt des Liegenden verbarg , stahl sich ein blonder Haarschopf hervor - Fanny bewegte sich vorwärts , auf die Bahre zu - blaß wie der Tod - langsam - langsam . Und da gellte ein Schrei durch das Zimmer . Severina hatte ihn ausgestoßen . Sie stürzte neben der Bahre nieder , sie riß das Tuch von seinem Angesicht , sie warf sich über ihn . » Joachim - Joachim ! « Sie schüttelt ihn . Er stöhnt leise . » Stirb mir nicht ! « Er schlägt die Augen auf - ihr Angesicht ist über dem seinen . » Sei ruhig , mein Herz - es - ist - nicht schlimm ! « Und von der ungeheuren Anstrengung dieser Worte fällt er wieder in die Müdigkeit zurück , die bis an die Grenze der Bewußtlosigkeit geht . Eine fürchterliche Stummheit legt sich über all die vielen Menschen . Taiß denkt , daß es seine Pflicht ist , zu Fanny zu treten und seinen Arm schützend um sie zu legen . Aber er wagt es nicht , sein Herz erschrickt vor ihrem Angesicht . Die Dienerschaft starrt bang die geliebte Herrin an ; sie hat es von der Jungfer vernommen , die mit in der Taißburg war , daß der » junge Herr « wohl bald überhaupt » der Herr « sein werde , und sie hat sich seitdem heftig unter einander gestritten , denn einige von ihnen haben den jungen Herrn mit dem Fräulein gesehen ! Die Jungfer weint und möchte hinlaufen , um ihrer gütigen Frau die Hand zu küssen . Sie wagt es nicht , denn die steht da wie ein Bild von Stein . Wie lange die Stummheit dauert , niemand kann es sagen . Da bewegt Fanny Förster sich . Sie schreitet vorwärts , alles weicht vor ihr zurück , sie aber sieht niemand . Und niemand wagt ein Wort an sie , nicht einmal Taiß . Die Majestät des Unglücks hat sie auf