vors Gesicht . Er wollte nichts mehr sehen und hören ... Aber ein stumpfes Gefühl der Neugierde hieß ihn nach einer Weile wieder aufschauen . Und wie er die Augen erhob , sah er die Lohe wie einen purpurnen , weißumsäumten Baldachin sich über dem Wohnhause wölben , denn dorthin stand der Sturm . Da wußte er , daß alles dahin war . Er faltete die Hände . Ihm war , als müsse er beten . » Mutter , Mutter ! « rief er , Tränen in den Augen , und reckte die Arme zum Himmel . - Und plötzlich ging eine merkwürdige Veränderung in ihm vor . Ihm wurde ganz frei und leicht zu Sinn , der dumpfe Druck , der all ' die Jahre lang in seinem Kopf gelastet hatte , schwand , und hochaufatmend strich er sich über Schultern und Arme , als wollte er sinkende Ketten abstreifen ... » So , « sagte er , wie einer , dem eine Last vom Herzen fällt , » jetzt hab ' ich nichts mehr , jetzt brauch ' ich auch nicht mehr zu sorgen ! Frei bin ich , frei wie der Vogel in der Luft ! « Er schlug sich mit den Fäusten vor die Stirn , er weinte , er lachte . Ihm war zumute , als sei ein unverdientes , unerhörtes Glück plötzlich vom Himmel auf ihn herabgefallen . - » Mutter ! Mutter ! « rief er in wildem Jubel . » Jetzt weiß ich , wie dein Märchen endet . - Erlöst bin ich - erlöst bin ich ! « In diesem Augenblick drang angstvolles Tiergebrüll an sein Ohr und brachte ihn wieder zur Besinnung - » Nein , ihr armen Viecher sollt nicht umkommen um meinetwillen ! « rief er aufspringend , » eher will ich selbst dran glauben ... « Er eilte zurück nach der Hintertür des Hauses , wo Knechte und Mägde eifrig Möbel ins Freie schleppten . » Seht den Herrn ! « riefen sie weinend und wiesen einer dem andern seine nackten Füße ... » Laßt liegen ! « schrie er , » rettet das Vieh ! « Eine Axt liegt am Wege . Mit ihr sprengt er die Hintertüren des Stalles , die nach den Feldern führen , denn der Hof ist schon ein Flammenmeer . Wie im Traum sieht er Garten und Wiese mit Menschen sich füllen . Die Dorfspritze rasselt heran , auch auf dem Wege von Helenental wird es lebendig . Drei- , viermal geht ' s in die Flammen hinein , die Knechte hinter ihm drein , dann sinkt er , von Schmerzen ohnmächtig , mitten in dem brennenden Stalle zusammen ... Ein Schrei , ein markerschütternder , aus Weibermunde , ließ ihn noch einmal die Augen öffnen . Da schien ' s ihm , als sähe er Elsbeths Angesicht , wie in Nebeln verschwindend , über seinem Haupte , dann ward es wieder Nacht um ihn . - - - - - - - - 21 Beim ersten Morgengrauen fuhr ein gar trauriger Zug auf dem Weg nach Helenental über die herbstliche Heide . Zwei schmächtige Leiterwagen , die langsam hintereinander herschlichen . Auf ihnen fand alles Platz , was von dem Heidehof noch übrig geblieben war . In dem ersten lag , in Stroh gepackt , von Decken umgeben , sein Herr - mit Wunden bedeckt , bewußtlos ... Das blasse , zitternde Weib , das sich angstvoll über ihn neigte , war die Gespielin seiner Jugend . So holte sie ihn sich heim ... » Wir wollen ihn zu einer der Schwestern schaffen , « hatte Herr Douglas gesagt , aber sie hatte die Hände auf Pauls Brust gelegt , von der die versengten Kleiderfetzen niederhingen , als wollte sie für immer Besitz von ihm nehmen , und hatte erwidert : » Nein , Vater , er kommt zu uns ! « » Aber deine Hochzeit , Kind - die Gäste ! « » Was geht mich die Hochzeit an ! « hatte sie gesagt , und der lustige Bräutigam hatte verblüfft daneben gestanden . In dem zweiten Wagen lagen die wenigen Möbel , die gerettet waren , eine alte Kommode , ein paar Schubladen mit Wäsche und Büchern und Bändern , irdene Schüsseln , ein Milcheimer und die lange Pfeife des Vaters . - Wo aber war der hingekommen ? Der einzige , der vielleicht Auskunft geben konnte , lag hier besinnungslos , am Ende schon gar mit dem Tode ringend . War er geflohen ? War er in den Flammen zugrunde gegangen ? Die Mägde hatten sein Schlafzimmer leer gefunden , von ihm selber keine Spur . » Mir ahnt nichts Gutes , « sagte der alte Douglas , » Anlage zur Verrücktheit besaß er schon immer , und wenn wir morgen seine Knochen im Schutt finden , so bin ich mir klar darüber , daß er selber die Scheune in Brand gesteckt und sich dann in die Flammen gestürzt hat . « Als sie aber eben durch das Helenentaler Hoftor fahren wollten , hörten sie seitwärts von der Scheune her ein klägliches Hundegeheul und sahen einen fremden Köter , der die Vorderpfoten auf eine dunkel daliegende Masse gestemmt hatte und von Zeit zu Zeit an etwas zerrte , das wie der Zipfel eines Gewandes aussah . Erschrocken ließ Douglas halt machen und schritt dorthin . Da fand er den Gesuchten als Leiche liegen . Seine Züge waren schrecklich verzerrt und die Arme noch halb erhoben , als sei er plötzlich zu Stein erstarrt . Neben ihm lag ein zerbrochener Topf , und eine Streichholzbüchse schwamm in einer Lache von Petroleum , das in den lehmigen Wagenspuren wie in Rinnen weitergeflossen war . Da faltete der graue Riese seine Hände und murmelte ein Gebet . Als er zum Wagen zurückkehrte , zitterte er am ganzen Leibe , und seine Augen standen voll Wasser . » Elsbeth , sieh dorthin , « sagte er , » dort liegt die