als je . Er beantwortete verschiedene Fragen mit dem nämlichen lächelnden Grinsen und Achselzucken . Nur als Trostberg auf den neuen Günstling , einen ehemaligen Friseur , anspielte , dem man in Münchener Kreisen großen Einfluß auf den König zutraue , antwortete der Gefragte : » Glauben Sie das nicht , Herr Doktor ; dieser Mann ist wie alle andern mit einem Fuß drin , mit dem andern draußen - und morgen vielleicht schon mehr draußen als drin . « » Und Sie selbst , vortrefflicher Freund ... nicht wahr ? « ... Nun wurde der Kurier gesprächiger . Der Regierungsrat lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit an der Thür . Er vernahm nichts . » Auch das ist charakteristisch , wie alles was ich seit zwei Tagen in München erlebe , und muß mit anderem gruppiert werden ! « Nach längerem Warten sah er auf die Uhr , machte eine Miene der Überraschung und Ungeduld , dann trat er an den Schreibtisch , schrieb einige Zeilen auf eine Visitenkarte , ergriff Hut und Stock und wollte gehen . An der Thür kehrte er noch einmal um , überlas das Geschriebene und setzte mit malitiösem Lächeln noch die zwei Worte darunter » Cedo maiori « . Im Hinausgehen , ohne den Gruß des Klowns zu erwidern : » Ich weiche dem Größern - der Regierungsrat dem Kammerdiener . Das ist jetzt unsere Situation ... im Staate Dänemark . « Zweiter Band . 1. Ew . Hochwohlgeboren ! Kurzweg so , ohne Ort- und Zeitangabe , oben rechts , geht ' s ? Darf ich Ew . Hochwohlgeboren mit einer Briefcharade necken ? Und am Ende auch die Unterschrift des Verfassers weglassen ? Wobei ich , um selbst zum Glauben an die volle Wirkung dieses fragwürdigen Briefes zu gelangen , voraussetzen müßte , daß Sie seit unserer langen Trennung auch die Erinnerung an meine Handschrift verloren . Ich weiß wirklich nicht , ob ich Ihnen gegenüber in dieser schlechtesten aller Welten , wo es besser wäre , gar nicht geboren zu sein , es sei denn , daß u.s.w. - ob ich Ihnen gegenüber den Spaß so weit treiben darf . Zumal da Ihre pessimistische Weltgestaltung - nicht wahr , wir sind in der Ergründung des Warum ? Wozu ? Woher ? Wohin ? unseres Daseins endlich weit genug gekommen , daß wir so etwas wie Weltgestaltung auf eigene Faust . Gefahr und Rechnung ins Werk setzen und mit uns und unserer Lebensführung anfangen können , was wir mögen , ohne irgend einem anmaßlichen Hinz oder Kunz Rechenschaft schuldig zu sein ? - also : zumal da Ihre pessimistische Weltgestaltung mehr und mehr einen Stich ins Allerdurchlauchtigste , Großmächtigste , Sonnenkönighafte bekommen hat , wie mir jüngst vorübergereiste Freunde im Fluge meldeten . Blutiger Heiland von Dachau , steh ' mir bei . Doktor Trostberg in der Livree eines geheimen Hofdichters , einer Art von dramatischem Minister für die litterarischen Angelegenheiten der königlichen Separatvorstellungen ? Bin ich recht berichtet ? In der That eine pikante Häutung für einen Studienlehrer a.D. , für den gemaßregelten Verfasser radikaler sozialphilosophischer Schriften über den deutschen Bauernkrieg und eines brennend roten Buchdramas » Thomas Münzer « , das anno dazumal seiner Feuergefährlichkeit wegen von keinem Münchener Buchhändler in das Schaufenster gestellt werden wollte ... Ja , ja , » und neues Leben blüht aus den Ruinen « , wie Schiller deklamierte , der auch mit den Räubern ( » In tyrannos ! « ) und den böhmischen Wäldern begonnen , um mit der geadelten klassischen Hof-Tragödie und einem Platz in der Fürstengruft zu schließen . Ich empfinde es wirklich als Anmaßung , mir mit Ihnen diesen epistolarischen Scherz zu erlauben , wenn ich Sie nur jetzt studierend , exzerpierend , übersetzend , dichtend auf vertrautestem Fuße mit dem Hofe Ludwig XIV. in Versailles denke , ganz vergoldet vom Strahle der Königssonne jenes großen französischen Jahrhunderts , du auf du mit den schönsten , liebenswürdigsten , galantesten Damen ; wenn ich Sie mir vorstelle , wie Sie mit der Madame Pompadour zu Bett gehen und mit der La Vallière aufstehen , wie Sie - - - Nein , das will ich mir lieber doch nicht vorstellen , Ihr deutscher Mannesbusen nähme sich in dieser Entblößung doch gar zu sündhaft aus . Und dabei hat sich Ihr Pessimismus auch ins Hoffähige hinüberstilisiert und schwebt bei feierlichen ästhetischen Empfangsabenden zwischen der letzten und vorletzten Hofrangklasse zum Olymp empor . Er trägt nicht mehr die krachlederne Kniehose und die wollenen Wadenstrümpfe und die derben Bergschuhe , sondern kleidet sich in die glänzende Hofkavaliertracht des großen Jahrhunderts ; er hat sich die ursprünglichen Naturlaute abgewöhnt und spricht jetzt mit der glatten Zunge des vollendeten Höflings . Dreh ' dich im Grabe um , alter Onkel Schopenhauer , philiströser frankfurter Isegrimm und Pudelführer ! Allein , schon Sie , Hochwohlgeboren , eben weil mich diese ganze Geschichte eigentlich nichts angeht , finde ich die alte , heitere Freiheit des Geistes wieder , Ihnen diese scherzhafte Epistel zu widmen . Aus der Ferne nehmen sich die Metamorphosen eines Sonderlings vielleicht auch - weniger bedenklich aus , als sie thatsächlich sind . Und nun bitte , ich Sie , betrachten Ew . Hochwohlgeboren diese Zeilen als eine von meiner phantasielosen Ehrlichkeit schlecht erfundene captatio benevolentiae , als eine diplomatisch mißratene Vorrede zu dem nun folgenden eigentlichen Briefe . Vor Monaten schrieb mir Drillinger ( allerdings nur in einem Postskriptum ! ) die Mahnung : » Richte doch auch wieder einmal einen ordentlichen Brief an unsern verehrten Dr. Trostberg , er rechnet darauf . « Ich kam seither nicht dazu . Schlimmer noch : in meinem letzten Brieffolianten an Drillinger vergaß ich sogar , Ihrer zu gedenken und Ihnen die von Drillinger getreulich an mich übermittelten Grüße zu erwidern . Ich eile , das Versehen gut zu machen , indem ich Ew . Hochwohlgeboren folgenden Extrabrief schreibe . Den versprochenen Pessimistenbaustil werde ich Ihnen leider diesmal noch nicht mit einwickeln können . Doch will ich mein Möglichstes