festhalten . Martin fand alles in der Ordnung , bis auf die kostspielige Schießerei der Schwiegersöhne , von denen jeder in der Tat ein Glasschränklein mit einer Reihe glänzender Becher im Hause stehen hatte , ohne einen sichern Schuß abgeben zu können . Da es aber einmal so war , so gönnte er allen drei Frauen die zwei oder drei vertraulichen Tage und ermahnte die seinige , solange bei den Kindern zu bleiben , als sie es freue und ihr selbst guttue . An beiden Orten sei ja die Luft so rein und gesund als möglich . Am bestimmten Tage brachte er die treffliche Gesponsin zum Bahnhofe , wo die Magd schon einen Korb mit guten Sachen hingetragen hatte , das Zusammensein der einsamen Strohwitwen etwas festlicher zu gestalten . Vom Bahnhofe hinweg machte Salander einen längeren Gang durch abermals neuentstandene oder ausgebaute Quartiere und unterhielt sich damit , ein und anderes Haus zu erspähen , auf welches er flüssiges Kapital geliehen hatte . Da er aber kein fleißiger Stadtgänger war , so vermochte er die Häuser schon nicht mehr herauszufinden . Hierüber fielen seine Gedanken auf das bedenkliche Umsichgreifen der Baulust , welcher er ja selbst Vorschub leistete , und auf die Reden , welche bereits von einem unvermeidlichen Häuserkrach umgingen . Mag er kommen , dachte er , ich habe nur erste Hypotheken , und ohne das : mitgeflogen , mitgefangen ! Man muß mit der Zeit marschieren , sie gleicht alles wieder aus ; was sollten unsere Handwerker anfangen , wenn nicht das bißchen Bauen noch wäre ? Er betrachtete ein schönes Haus genauer , welches schon bewohnt schien , da im Erdgeschoß eben ein Handelsgeschäft oder Warenlager eingerichtet wurde und die Fenster der übrigen Stockwerke mit Vorhängen versehen waren . Wie er so stand , trat Louis Wohlwend aus dem Hause und erblickte den Martin Salander . » He , « rief er , » da ist er ja wie gerufen , der alte Freund ! Just diesen Augenblick war ich im Begriff , dich auf dem Kontor aufzusuchen ! Wie gern würde ich dich gleich hinaufführen , denn wir wohnen einstweilen in diesem Hause ; aber meine Frauenzimmer befinden sich noch nicht im Stadium und würden schneuzen wie Katzen , wenn ich einen Herrn brächte ! « » Ei so ! « sagte Salander , als er endlich zum Worte kam , » du hast eine Wohnung bezogen und gedenkst also hierzubleiben ? « » Es ist wohl möglich , daß wir wenigstens so lang bleiben , bis die Buben geschult sind . Denn das habe ich nun empfunden , daß ich sie hier in die Schulen schicken muß ; sie sollen ja doch Schweizer bleiben . Wir sind einige Wochen herumgereist , auch am Genfer See ; in Lausanne habe ich ein Privatinstitut gefunden , das mir sehr gefällt . Dort will ich sie für ein Jahr , oder je nachdem , unterbringen , und nachher sollen sie hier oder anderswo in der deutschen Schweiz eine gute Mittelschule , Gymnasium oder Realschule durchmachen . « » Was sollen sie denn werden ? « fragte Salander . » Mit meinem Willen jedenfalls nicht Kaufleute ! Ich habe genug davon bekommen , sintemal nicht jedem das Glück eines Martin Salander beschieden ist ! « Dieser nahm eine Redensart , die er auch schon von anderen Schiefgelaufenen hören gelernt hatte , nicht übel ; er lächelte gutmütig : » Also Studien nimmst du in Aussicht für die Knaben ? « » Studien , hm ! Ja und nein ! Ich fürchte , die Burschen sind nicht so recht intelligent genug ! Dennoch schwebt mir dunkel vor , als ob sie das Studium der Theologie bewältigen könnten ! « » Theologie ? Das muß ja heutzutage gerade das Schwierigste sein , das die entgegengesetztesten Fähigkeiten erheischt ! « » Nicht so sehr , wie du meinst ! « erwiderte Louis Wohlwend mit überlegenem Zwinkern seiner Augen . Da eigentlich keiner wußte , wie es der andere meinte oder meinen wollte , so ließen sie den Gegenstand fallen . » Wo gehst du hin ? « fragte Wohlwend . » Auf das Bureau ; ich habe meine Frau nach der Eisenbahn gebracht ; sie ist für einige Tage verreist , und nachher bin ich ein wenig spazieren gegangen . Jetzt wird es wohl Zeit sein . « » Ich begleite dich noch eine Strecke ! Apropos ! Was sagst du dazu , daß ich in deinem Hause wohne ? « » In meinem Hause ? Wo denn ? Ich habe keines ! « » Wo ich vorhin herauskam ? Ich habe mit dem Eigentümer über die jetzigen Bauverhältnisse gesprochen und dabei natürlich erfahren , wo er das Geld her hat . Es ist also so gut dein Haus , wie seines ! « » Ich sehe nicht , wie ! Auch wenn der Mann es müßte fahrenlassen , so kämen andere nach mir , denen es zufiele . Ich stehe sicher ! « » Wer kann das sagen ? Wenn der Kaufwert um ein Drittel oder Viertel sinkt , so wird das Haus dein und ist dann erst preiswürdig ! « » Aber ist denn das Haus wirklich eines , worauf ich Geld habe ? Wie heißt der Besitzer ? « » Wie , du kennst deine Häuser nicht ? Martin , du bist bei Gott großartig ! « Bei diesen Worten warf Wohlwend einen stechenden Blick auf den alten Freund , der zufällig einen halben Schritt voraus war und das böse Auge nicht fühlte . Jener wußte wahrscheinlich selbst nicht , was die aufblitzende kleine Wut erregte , ob Salanders Erwerbsglück oder die unbekümmerte Ruhe , welche er besaß . Während jener schon mehr ausgekundschaftet , als er verriet , wußte dieser nicht einmal , wo die Häuser standen , die er belehnte , was wie eine persönliche Beleidigung auf ihn wirken mußte . Tat ihm Salander ja nicht die Ehre an , die Frage nach dem Namen