herum hauen die Dorfleute große Löcher in das Eis ; es ist der Fische halber , die sonst ersticken . Das überfriert dann , und der Schnee verweht die Stelle . « » Aber wir müssen doch hinüber ? « » Gewiß , aber nicht hier . Es wird sich schon ein Übergang finden . Tausend Schritte weiter aufwärts zweigt der Weg nach Gorgast ab . Das ist ein großes Dorf . Ich bin sicher , daß sich die Gorgaster eine Kuschelallee abgesteckt haben . « » Nun gut , du mußt es wissen . « Damit schritten beide Freunde am Flußrande hin , der oft so schmal war , daß sie mit ihrer rechten Schulter den verschneiten Abhang streiften . Es war ein beschwerlicher Marsch , namentlich da , wo große Büsche von rotem Werft überklettert werden mußten . Endlich sahen sie die Stelle , von wo rechts her eine Art von Hohlweg einmündete und sich quer über das Eis hin fortsetzte . » Unsere Irrfahrt geht zu Ende « , sagte Lewin und wies auf die schwarzen , zugespitzten Bäumchen , die sich bald deutlich als die Kiefern einer Querallee erkennen ließen . » Mehr Abenteuer , als ich zwischen Kirch-Göritz und Hohen-Vietz für möglich gehalten hätte . « » Und wir sind noch nicht im Hafen « , antwortete Tubal . » Ein russischer Feldzug im kleinen . Schnee , Schnee . Et voilà la Bérésine . « » Aber keine Brücke wird unter uns zusammenbrechen « , scherzte Lewin und bog voranschreitend in den abgesteckten Weg ein , der die beiden Freunde nach wenigen Minuten schon sicher ans andere Ufer führte . Hier überstiegen sie zunächst den Höhenzug , auf dem sie nach links hin den Hohen-Vietzer Kirchturm noch eben erkennen konnten , und sahen sich nun gezwungen , dieselben tausend Schritte wieder zurückzumarschieren , die sie jenseits über das Ziel hinausgeschossen waren . Der Weg , den sie noch zu machen hatten , lief zunächst am Fuße des Hügels , dann aber an einer dichten Schonung hin , von deren vorderstem Eck aus höchstens ein Büchsenschuß bis zum Dorf und kaum halb so weit bis zur großen , von Küstrin auf Hohen-Vietz zu fahrenden Straße war . Als sie dies Eck erreicht hatten , hörte der Fußpfad auf oder war in der Dunkelheit nicht mehr bestimmt zu erkennen . Sie schwankten noch , ob sie wieder umkehren und den eben aufgegebenen Hügelweg ( der sie in den Hohen-Vietzer Park geführt haben würde ) fortsetzen oder , quer über den verschneiten Sturzacker hin , auf die große Straße zuschreiten sollten , als sie zwischen den Bäumen eben dieser Straße verschiedener Gestalten ansichtig wurden . Gleich darauf war es auch , als ob gesprochen , und im nächsten Augenblicke schon , als ob ein heftiger Streit geführt würde . Plattdeutsche Schmäh- und Scheltworte ließen sich unterscheiden , bis es plötzlich über das Feld hin zu ihnen herüberklang : » He wörgt mi ; helpt mi , Lüd ! « Lewin , um sich rascher zurechtzufinden , war auf einen großen Feldstein gesprungen , der hier am Waldeck als Grenzzeichen lag , aber schwerlich würd er seinen Zweck erreicht haben , wenn nicht in demselben Augenblick der Mond aus dem Gewölk , das ihn seit einer Stunde verdeckt hatte , hervorgetreten wäre . Er sah jetzt alles deutlich . » Das ist Hoppenmarieken ! « rief er . Zugleich sprang er von dem Steine herunter , riß das Gewehr von der Schulter und schoß den einen Lauf ab , um zu zeigen , daß Hilfe da sei . » Das wird wenigstens eingeschüchtert haben ; vorwärts , Tubal ! « Und damit setzten sich beide Freunde quer über das Feld hin in Trab . Lewin stürzte , raffte sich aber schnell auf und war im nächsten Augenblick wieder an Tubals Seite . Als sie den halben Weg bis zur Straße hinter sich hatten konnten sie die Szene deutlich erkennen . Einer von den Strolchen war nach dem Dorf zu als Posten ausgestellt , während der andere mit Hoppenmarieken rang und an ihrem Halse riß und zerrte . » Halt aus ! « rief Lewin , der jetzt einen Vorsprung hatte , aber es bedurfte des Zurufes nicht mehr . Der Straßenräuber ließ von ihr ab und lief , einen weiten Bogen beschreibend , auf dasselbe Wäldchen zu , von dessen entgegengesetztem Eck aus Tubal und Lewin ihren Lauf über den Sturzacker hin begonnen hatten . Der andere , als Posten aufgestellte , verschwand nach der Dorfseite hin . Als Lewin und dann Tubal den Fahrdamm erreicht hatten , war auch Hoppenmarieken verschwunden . Aber gleich darauf fanden sie dieselbe . Sie lag hinter einem aufgeschichteten Steinhaufen , zwischen diesem und einer Pappelweide , deren oberes Geäst voller Krähennester war . Die Kiepe war noch auf ihrem Rücken , der Stock in ihren Händen . » Ist sie tot ? « fragte Tubal . Lewin , ohne sich vom Gegenteil überzeugt zu haben , schüttelte den Kopf , bückte sich zu ihr nieder und zog ihre beiden Arme aus den leinenen Tragebändern heraus . Als er sie so von der Kiepe frei gemacht und sich vergewissert hatte , daß es nichts als eine Ohnmacht war , hob er sie vom Boden auf und setzte sie mit dem Rücken an den Baum . » Gib etwas Schnee « , rief er Tubal zu , während er selber ihr das enge Tuchmieder öffnete , dessen oberste Haken ohnehin bei dem Ringen und Zerren abgerissen waren . Er sah jetzt deutlich an dem rot und blutrünstig gewordenen Hals und Nacken , daß alle Anstrengungen des Strolchs keinen anderen Zweck gehabt hatten , als ihr die Geldtasche zu entreißen , die sie herkömmlich an einem harten und engen Lederriemen um den Hals trug . Der Riemen hatte aber weder reißen noch auch sich über den Kopf fortziehen lassen wollen . In diesem Momente schlug Hoppenmarieken die Augen auf . Ihr erstes war ,