die braunen Tropfen auf das weiße Damasttuch sprühten . » Und Sie wohnen nun mit dem Papa im Claudiusschen Hause ? « fragte mich der Kammerherr hastig , indem er den stolz zurechtweisenden Blick auffing , mit welchem die Prinzessin ihre ungeschickte Hofdame maß - Herr von Wismar schien eine Art Blitzableiter am Hofe zu sein . » Wir wohnen in der Karolinenlust , « antwortete ich . » Ah , in den Räumen des armen Lothar ! « rief er in bedauerlichem Ton nach der Prinzessin hin . » Ei bewahre , « korrigierte ich eifrig , » da drin doch nicht ! Die sind ja versiegelt . « Ich sah , wie ein helles Rot bis unter das lockige Stirnhaar der Prinzessin lief . Sie hatte mit beiden Händen die überhängende Blütendolde einer Hortensie erfangen , die neben ihr im Blumentisch stand , und drückte tiefatmend den unteren Teil des Gesichts hinein . » Noch immer versiegelt ? Aus welchem Grunde ? « fragte sie nach einer augenblicklichen Pause den Kammerherrn . » Ist nicht sein Bruder der einzige Erbe ? « Herr von Wismar zuckte die Achseln . Er versicherte , durchaus nichts Näheres zu wissen ; das seien verschollene Dinge , und der Name Claudius werde ja erst hier und da am Hofe wieder genannt , seit Herr von Sassen den Antikenfund in dem alten Kaufmannshause gemacht habe . » Die Siegel sollen an den Thüren bleiben bis in alle Ewigkeit , « sagte ich schüchtern - ich war meiner Lauschersünden sehr wohl eingedenk und schämte mich ; aber trotz alledem wollte ich die Prinzessin nicht ohne Auskunft lassen . » Der Tote hat es so gewollt ; Herr Claudius leidet deshalb nie , daß solch ein Siegel angerührt wird , er ist ja so streng , so furchtbar streng ! « » Ei , das klingt ja fast , als ob Sie sich vor ihm fürchteten , meine kleine Gnädige ! « lachte der Kammerherr . » Ich mich fürchten ? O nein ! « protestierte ich voll Aerger . » Ich fürchte mich gar nicht , nicht im geringsten mehr ... Aber ich kann ihn nicht leiden ! « fuhr es mir heraus . » Wie , bereits so entschiedene Antipathien in dem Gemüt , das in der Heide alles geliebt , was Odem hat ? « rief lächelnd die Prinzessin . » Ach , gehen Sie doch , ich kann mir gar nicht denken , daß es Ihnen mit dieser Abneigung gar so ernst ist ! « setzte sie hinzu . Sie wandte den Kopf halb zur Seite , und ein schelmischer Blick streifte mich . Sie glaubte mir nicht - wie mich das verdroß ! Der ganze Groll von vorhin überkam mich wieder . » O , den Mann hat niemand lieb , niemand in der ganzen Welt , und das versteht sich von selbst ! « rief ich lebhaft . » Er liebt ja nur zwei Dinge , die Arbeit - sagt Charlotte - und sein großes dickes Zahlenbuch ... Blumen hat er , so unermeßlich viel Blumen , daß er sich und sein häßliches Haus in der Mauerstraße drin vergraben könnte , aber in dem Zimmer , wo er von früh bis spät steckt und arbeitet , duldet er nicht ein grünes Blättchen neben sich ... Mit der Uhr in der Hand schilt er seine Leute , wenn sie einen Augenblick zu spät in das abscheuliche Unkennest kommen , und nachts betrachtet er sich die Sterne am Himmel nur , weil er sie auch so zählen kann , wie die Thaler auf seinem Tische . Er ist geizig und gibt nie einem Armen ein Almosen - « » Halt , mein Kind , « unterbrach mich die Prinzessin , » das muß ich widerlegen ! Die Armen unserer Stadt haben keinen besseren Freund , wenn er auch vielleicht in etwas bizarrer Weise gibt und wirkt , und konsequent seine Unterschrift auf Kollektenlisten und dergleichen verweigert . « Ich schwieg einen Augenblick betroffen . » Aber er ist hartherzig und kalt wie ein Eiszapfen gegen - gegen Charlotte , « sagte ich dann rasch , » und alles will er besser wissen , als andere . « » Ein hübsches Sündenregister ! « lachte der Kammerherr . » Uebrigens hat der Mann vor kurzem gezeigt , daß er wirklich manchmal etwas besser versteht , als andere , « wandte er sich an die Prinzessin . » Unser schlauer Graf Zell ist endlich auch einmal zu unser aller Genugthuung gründlich düpiert worden ; sein Darling , den er von seiner letzten Reise mitgebracht hat , ist ein Prachtstück an Schönheit und Eleganz , aber eine heimtückische Bestie . Manche behaupten , es sei ein Zirkuspferd , es hat so absonderliche Gewohnheiten . Zell mochte es gar zu gern wieder los sein ; in unserem Kreise hat natürlicherweise keiner angebissen , aber man war in Rücksicht auf Zell diskret , um andere nicht kopfscheu zu machen ... Der junge Lieutenant Claudius war denn auch Feuer und Flamme , einige gute Freunde Zells hatten ihm die Acquisition sehr plausibel gemacht , der Herr Onkel aber hat Darling angesehen und - gedankt , sehr zum Besten des jungen Mannes , denn vor einer Stunde hat das Tier den Sohn des Bankiers Tressel , der es gekauft und ein ganz respektabler Reiter sein soll , abgeworfen und ihn obendrein mit seinen Hufen übel zugerichtet . « » Das muß ich sagen , Herr von Wismar , diese sogenannte Diskretion in Ihrem Kreise verdrießt mich sehr , und Graf Zell mag sich in acht nehmen bei seinem nächsten Erscheinen am Hofe ! « rief die Prinzessin , aus ihren großen glänzenden Augen schlug eine Flamme der Entrüstung . » Wird der Sturz schlimme Folgen haben ? « » Ich glaube kaum , « stotterte der Kammerherr . » Hoheit mögen sich aber beruhigen und bedenken , wer der Reiter war , « fügte er nach einem leichten